Alle Beiträge von GPraschl

Journalist in Berlin, Mitglied der Chefredaktion/Politik von SUPERillu, http://geraldpraschl.de/?page_id=2

Herausforderung Rente – die Fragen, die Fakten

In der aktuellen SUPERillu – Heft 36/2016 – ab 1. September im Handel: Mit rund 80 Milliarden Euro jährlich Steuergelder wird schon jetzt die deutsche Rentenkasse gestützt. Nach dem Willen von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, SPD, sollen ab 2020 noch 3,9 Milliarden jährlich dazu kommen – um die letzten Rentenlücke zwischen Ost und West auszugleichen. Der vor einem Vierteljahrhundert krasse Unterschied in den Rentenhöhen zwischen BRD und DDR war eine der größten Herausforderungen der Wiedervereinigung, bald scheint sie gelöst. Doch schon wartet eine noch größere: die jährlich wohl mehrere hundert Milliarden Euro schwere Rentenlücke, die Geburtenrückgang und höhere Lebenserwartung reißt. Wie groß ist das Problem, was sind mögliche Lösungsansätze.

Zum Download als PDF:
Mein Interview mit Andrea Nahles in SUPERillu.
Die wichtigsten Fakten zum Thema in übersichtlichen Info-Grafiken.

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Was passierte, wenn einer „Nein“ zur Stasi sagte?

Was passierte, wenn einer damals „Nein“ zu einer Spitzeltätigkeit für den DDR-Staatssicherheitsdienst sagte? 2002 habe ich mich gemeinsam mit Marco Hecht in einem Buch darin beschäftigt.
Die Bundeszentrale für Politische Bildung bat mich jetzt um einen Beitrag dazu für ihre sehr lesenswerte und umfangreiche Online-Dokumentation über die DDR-Staatssicherheit.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/stasi/218881/neinsager

„Es gehörte also für Bürgerinnen und Bürger der DDR, die einen solchen Schutz nicht hatten, eine Menge Mut dazu, sich offen zu verweigern. Wer in der DDR Zivilcourage bewies, konnte im Regelfall sicher sein, dass er einen Preis in Form von Verzicht auf Komfort oder Karriere, im schlimmsten Fall sogar mit dem Verlust von Freiheit oder gar Leben zu bezahlen hatte. Welche Sanktionen für aufmüpfiges Verhalten drohten, war dabei unklar, die Ungewissheit darüber und die allgemeine Rechtsunsicherheit waren wichtige Elemente der Herrschaftsstrategie der SED.

Was passierte also Menschen, die sich einer Spitzeltätigkeit für die Stasi verweigerten? Karriereknick, Berufsverbot, Inhaftierung, Bespitzelung, Psycho-Schikanen („Zersetzung“) – alles war drin. Manchmal passierte auch gar nichts, es reichte der Mut, die Konspirativität abzulehnen und Stasi-Werbern zu sagen, „da muss ich erst mit meiner Frau drüber reden“ oder „mit meinen Kollegen“. Dann beendete das MfS aus Angst vor Dekonspiration schnell einen Kontakt. „

Von der Blumen-Oma bis zum Mega-Markt: Einkaufen in Kiew

Am Nudelregal bei "Aschan" in Kiew
Am Nudelregal bei „Aschan“ in Kiew

Der postsowjetische „Kiosk“-Kapitalismus der wilden 90er Jahre ist in Kiew noch recht lebendig. Rund um die Metrostationen gibt es unzählige kleine Kioske mit Waren aller Art. Und daneben auch noch viele kleine Straßenhändler, die ihre Ware einfach so auf dem Asphalt feilbieten.  Oft sind die Verkäuferinnen ältere Frauen, die versuchen, sich neben ihrer kargen Rente, meist nur 20 oder 30 Euro im Monat, etwas dazuzuverdienen, um über die Runden zu kommen. Sie verkaufen Blumen und Obst, oft aus dem eigenen Garten, irgendwo draußen in den Dörfern, von wo aus sie frühmorgens in die Stadt aufbrechen.  Dort draußen in der Welt der ukrainischen Dörfer gibt es anders als in den großen Städten, von denen die vermeintlich „ländliche“ Ukraine sehr viele hat (darunter fünf Millionenstädte) nur wenige, kleine Läden, viele Dörfler leben subsistent. Fast alles, was sie brauchen, stellen sie selbst her oder tauschen beim Nachbarn. So gibt es dann im Dorfladen meist wenig mehr als Bier und Schnaps, Waschmittel, Streichhölzer, Zahnpasta und Zigaretten.

Die bekannten Supermarktketten Westeuropas sucht man bis jetzt in den Städten der Ukraine vergeblich, Lidl oder Aldi haben bis jetzt keinen Fuß auf ukrainischen Boden gesetzt, nur die Metro AG ist da.  Die deutsche Drogeriekette Rossmann ist immerhin schon mit ihren Hausmarken in den ukrainischen „Watsons“-Märkten präsent, mit der offenbar enge Geschäftsbeziehungen bestehen. Nur vereinzelt sieht man in den städtischen Läden deutsche Marken – Elektrotechnik von Siemens oder ABB-Busch-Jaeger oder „Ritter-Sport“-Schokolade. Deutsches Bier, zum Beispiel von „Maisel´s“, ist im Handel, jedoch um einiges teurer als die vielen, genau so guten ukrainischen Biere – deren bekannteste unter den Markennamen „Zibert“,  Chernihiwske“ und „Lwiwske“ verkauft werden. Dabei stehen deutsche Waren in der Ukraine eigentlich hoch im Kurs. Sie gelten anders als Waren aus Russland und der Ukraine als besonders hochwertig. So schufen vor allem chinesische Importeure Ersatz  und werben mit Marken, die vorgeben, „deutsch“ zu sein.

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Babyn Yar – Ort des Todes inmitten der Großstadt

Offiziell ist die ganze Gegend rund um die Schlucht von Babyn Yar, mitten in Kiew gelegen und umgeben von vielbefahrenen Schnellstraßen ein öffentlicher Park. Aber je näher man der Schlucht kommt, umso menschenleerer wird es.  Hier will keiner spazieren gehen. Die Wege sind verwildert. Am Rand der Schlucht mahnen ein einer jüdischen Menora nachempfundenes Denkmal und vereinzelte Kreuze zur Erinnerung an das, was hier geschah.
Von 1941 bis 1943 ermordeten die deutschen Besatzungstruppen hier über 100 000 Ukrainer, überwiegend die jüdische Bevölkerung von Kiew und Umgebung, daneben u.a. ukrainische Widerständler und gefangene Rotarmisten. Die Massaker von Babyn Yar sind nur einige der unzähligen Verbrechen, die Deutsche auf ukrainischem Boden begingen, aber der Name wurde auch deshalb Synonym, weil sie, anders als die meisten anderen Taten, zumindest gut dokumentiert sind. Der Leiter der Einsatzgruppen, Paul Blobel, ließ kurz vor der sowjetischen Rückeroberung der Stadt 1943 noch zehntausende Tote in der Schlucht exhumieren und verbrennen, um Spuren zu verwischen. 1951 wurde er in Landsberg am Lech hingerichtet. Doch die meisten Täter blieben unbehelligt.

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Zeitreise in die ukrainischen Dörfer des 16. Jahrhunderts

Auf zahllosen Dörfern der ländlichen Ukraine finden sich bis heute viele Zeugnisse der Vergangenheit, weit mehr als „im Westen“ – alte Bauernhäuser vergangener Jahrhunderte,  Kirchen und Mühlen – auch wenn die meisten Dörfler inzwischen in modernere Gebäude nebenan umgezogen sind.  Doch die Fotos hier entstanden mitten in der Millionenstadt Kiew. Das dortige „Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine“ , im Süden der Hauptstadt gelegen, wirbt für sich selbst als „größtes Freilichtmuseum Europas“. Und wenn man einmal versucht hat, die 131 Hektar große Park- und Waldlandschaft, nur wenige Kilometer vom quirligen Maidan und der belebten Prachtstraße Kreschtschatik entfernt,  an nur einem Tag zu erkunden, dann glaubt man das. Ein Spaziergang, der eine einmalige Zeitreise ist.
Über 300 alte Bauernhäuser wurden aus allen Teilen der Ukraine herangeschafft, wiederaufgestellt und restauriert, verteilt auf mehrere historische „Dörfer“, die einzelne Landschaften des riesigen Landes, das doppelt so groß ist wie Deutschland, repräsentieren:  Podolien, Polesien, Wolhynien, die Karpatenregion, das Land zu beiden Seiten des Dnepr.

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