define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1019,"date":"2007-06-29T21:33:25","date_gmt":"2007-06-29T19:33:25","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1019"},"modified":"2016-04-30T00:42:29","modified_gmt":"2016-04-29T22:42:29","slug":"gottseidank-ist-dieser-ddr-irrsinn-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1019","title":{"rendered":"&#8222;Gottseidank ist dieser DDR-Irrsinn vorbei&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>1,7 Millionen Zuschauer sahen alleine in Deutschland &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; im Kino. Inzwischen l\u00e4uft der Film in 30 L\u00e4ndern, auch in den USA. Von dort bekam er am 25. Februar 2007 die h\u00f6chsten Weihen: den Oscar als bester ausl\u00e4ndischer Film. Der 33j\u00e4hrige K\u00f6lner Regisseur <strong>Florian Henckel von Donnersmarck<\/strong>, der den Film gedreht hat, wuchs selbst im Westen auf. <strong>Ulrich M\u00fche<\/strong>, der Hauptdarsteller (Stasi-Hauptmann Wiesler) ist ein ehemaliger DDR-B\u00fcrger. Als prominenter Schauspieler der DDR in den 80er Jahren lernte er selbst das Spannungsfeld zwischen &#8222;Zuckerbrot und Peitsche&#8220; kennen, mit der die DDR-Staatssicherheit im Auftrag der SED DDR-Spitzenk\u00fcnstler reglementierte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1023\" aria-describedby=\"caption-attachment-1023\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1023\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Donnersmarck-Oscar-088-199x300.jpg\" alt=\"Autor Gerald Praschl mit Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck - am Berliner Flughafen Tegel nach Donnersmarcks R\u00fcckkehr von der Oscar-Verleihung 2007\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Donnersmarck-Oscar-088-199x300.jpg 199w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Donnersmarck-Oscar-088-768x1156.jpg 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Donnersmarck-Oscar-088-680x1024.jpg 680w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Donnersmarck-Oscar-088.jpg 797w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1023\" class=\"wp-caption-text\">Autor Gerald Praschl mit Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck &#8211; am Berliner Flughafen Tegel nach Donnersmarcks R\u00fcckkehr von der Oscar-Verleihung 2007<\/figcaption><\/figure>\n<p>2006 f\u00fchrte ich eine Reihe von Interviews mit den Machern und Darstellern \u00a0von &#8222;Das Leben der Anderen&#8220;, von denen, wie Ulrich M\u00fche, viele aus der DDR stammen und mir von ihren Erlebnissen mit Repression \u00a0und \u00dcberwachung berichteten, <a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1033\">Volkmar Kleinert,<\/a> <a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1026\">Thomas Thieme<\/a>, <a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1030\">Hans Uwe Bauer <\/a>und <a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1037\">Volker &#8222;Zack&#8220; Michalowski<\/a>.<\/p>\n<p>Hauptdarsteller Ulrich\u00a0M\u00fche und Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck\u00a0\u00a0traf ich in einem Kino in Magdeburg zum Interview.<\/p>\n<p><em>Herr M\u00fche, Sie waren selbst prominenter DDR-Schauspieler. Wie realistisch ist der Film \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab?<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche: <\/strong>Das ist alles sehr real. Genau wie der Film zeigt, rieben die meisten von uns sich wirklich t\u00e4glich an den Widerspr\u00fcchen zwischen dieser Ideologie und der Realit\u00e4t. Da ging es uns sicher nicht anders als den meisten DDR-B\u00fcrgern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Der Film \u00bbDas Leben der Anderen \u00ab erz\u00e4hlt die Geschichte eines DDR-K\u00fcnstlers, der von der Stasi \u00fcberwacht wird. Von der Stasi-Abteilung XX\/7, die auch Sie damals bespitzelte. Was steht denn in Ihren Stasi-Akten?<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche: <\/strong>Ich war erstaunt, dass die Stasi schon w\u00e4hrend meiner Studienzeit 1976 eine Akte \u00fcber mich er\u00f6ffnete. Ich wollte als Student kurz nach der Ausb\u00fcrgerung des Liedermachers Wolf Biermann Unterschriften sammeln f\u00fcr eine Petition f\u00fcr Biermann,die wir nach Berlin schicken wollten.Woraufhin mir mein Leiter an der Uni den Rauswurf androhte. Ich fand in meiner Akte au\u00dferdem Spitzel- Berichte von Nachbarn und Kollegen \u00fcber mich. Das alles kann man nat\u00fcrlich nicht vergleichen mit den schlimmen Dingen, die Menschen erlebt haben, die wegen ihrer politischen \u00dcberzeugung eingesperrt wurden.Oder die von der Stasi mit massivem Psychoterror \u00fcberzogen wurden. Ich f\u00fchle mich nicht als Opfer der Stasi.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1076\" aria-describedby=\"caption-attachment-1076\" style=\"width: 1059px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fotonikola.com\/60-faces\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1076 size-full\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/Bildschirmfoto-2016-04-30-um-00.38.20.png\" alt=\"Ulrich M\u00fche, portr\u00e4tiert im Rahmen unseres Interviews in Magdeburg 2006 von Nikola Kuzmanic. http:\/\/www.fotonikola.com\/\" width=\"1059\" height=\"641\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/Bildschirmfoto-2016-04-30-um-00.38.20.png 1059w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/Bildschirmfoto-2016-04-30-um-00.38.20-300x182.png 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/Bildschirmfoto-2016-04-30-um-00.38.20-768x465.png 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2007\/06\/Bildschirmfoto-2016-04-30-um-00.38.20-1024x620.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1059px) 100vw, 1059px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1076\" class=\"wp-caption-text\">Ulrich M\u00fche, portr\u00e4tiert im Rahmen unseres Interviews 2006 von Nikola Kuzmanic. http:\/\/www.fotonikola.com\/<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Viele DDR-Schauspieler gingen nach Konflikten mit dem Regime in den Westen, wie Manfred Krug, Armin Mueller-Stahl oder J\u00fcrgen Heinrich. Sie sind bis 1989 geblieben&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche: <\/strong>Ich hatte mir seit 1985 die M\u00f6glichkeit geschaffen, jederzeit in den Westen reisen zu k\u00f6nnen, um auch dort als Schauspieler zu arbeiten. Das war nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Privileg, ich gebe es zu. Immer, wenn ich in West-Berlin war, hatte ich da im Hinterkopf den kleinen St\u00f6renfried, der mir sagte: Bleib doch einfach da! Wieso f\u00e4hrst du denn wieder zur\u00fcck? Auf der anderen Seite war einer, der sagte: Du bist an einem tollen Theater in Ost-Berlin, bekommst dort Traum-Rollen. Deine Eltern leben da. Du hast dort deine Familie. Die DDR war meine Heimat. Und die kann man halt nicht mitnehmen. So bin ich nach jedem West-Besuch wieder nach Hause gefahren. Insbesondere die letzten Jahre in der DDR waren f\u00fcr mich auch sehr wichtige und intensive Zeit. Das Theater war doch einer der wenigen Orte im Lande, in dem sich die Leute nicht belogen f\u00fchlen mussten. Ich emfpand auch eien Verantwortung, dieses kostbare Gut zu bewahren.<\/p>\n<p><em>Herr von Donnersmarck, Sie stammen aus dem Westen und waren zur Wende 1989 erst 16 Jahre alt. K\u00f6nnen Sie sich \u00fcberhaupt vorstellen, wie das Leben in der DDR war?<\/em><\/p>\n<p><strong>Donnersmarck: <\/strong>Die DDR und die Teilung Deutschlands waren bei uns in der Familie immer ein gro\u00dfes Thema. Meine Mutter ist in Sachsen-Anhalt aufgewachsen. Klar, ich habe nicht dort gelebt. Aber als Autor und Regisseur muss man sich in jede Situation hineindenken k\u00f6nnen. Ich habe bei der Recherche mit Experten und vielen Stasi-Opfern gesprochen. Und nat\u00fcrlich auch mit Stasi-Offizieren.<\/p>\n<p><em>Vielleicht w\u00e4ren Sie ja auch bei der Stasi gelandet, wenn Sie im Osten geboren worden w\u00e4ren&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>Donnersmarck: <\/strong>Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in einige Ideologiefallen getappt w\u00e4re. Aber ich w\u00fcrde hoffen, dass ich, wie ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung der DDR das ja auch tats\u00e4chlich getan hat, erkannt h\u00e4tte: F\u00fcr so einen Sozialismus will ich nicht eintreten.<\/p>\n<p><strong>M\u00fche:<\/strong> &#8230; das w\u00e4re ja furchtbar, wenn nur die Leute Filme machen d\u00fcrften, die das alles selbst erlebt haben.<\/p>\n<p><em>Wie denken denn diese Ex-Stasi-Offiziere dar\u00fcber heute?<\/em><\/p>\n<p><strong>Donnersmarck:<\/strong> Reue begegnete mir nicht. Die meisten waren gl\u00e4ubige Kommunisten. Und halten das, was sie getan haben, noch heute f\u00fcr richtig. Sie boten mir aber einen interessanten Blick auf ihre Sicht. Es sind \u00fcberwiegend sehr gebildete, intelligente Leute. Die Stasi brauchte keine Knochenbrecher wie einst die Gestapo, sondern Spezialisten f\u00fcr ihren ausgefeilten Psychoterror, mit dem sie versuchten, die Seelen der Menschen zur brechen.<\/p>\n<p><strong>M\u00fche:<\/strong> Trotzdem denke ich, dass die Revolution von 1989 auch deshalb friedlich verlief, weil bei er Stasi und SED kaum noch einer an das System geglaubt hat. Sie waren nicht mehr bereit, die Waffen zu z\u00fccken, um an der Macht zu bleiben. In den letzten Jahren der DDR haben sich doch selbst die Funktion\u00e4re den Sozialismus nur noch vorgespielt, ein gro\u00dfer Spuk. Ich erinnere mich noch gut an die Mai-Demo 1989. In welches Gesicht man auch blickte: Man sah den Leuten an, dass sie das alles nicht mehr glaubten.<\/p>\n<p><em>Wenn von Stasi die Rede ist, dann meist, wenn ein K\u00fcnstler, Politiker oder Sportlerals IM enttarnt wird. Schaden solche Enth\u00fcllungen nicht dem Ansehen der Ostdeutschen?<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche:<\/strong> Nat\u00fcrlich besch\u00e4mt mich, dass es den SED-Staat und sein Spitzelsystem gab. Auch wenn der Einzelne nur wenig gegen diesen Apparat machen konnte, frage ich mich, wie wir dieses System so lange ertragen konnten. Wenn man sich heute damit besch\u00e4ftigt, kommen einem immer mehr Dinge von damals absurd vor. Aber auch im Westen gab es ja leider gen\u00fcgend Leute, die die SED-Propaganda f\u00fcr bare M\u00fcnze nahmen.<\/p>\n<p><em>Gerade hat CSU-Politiker Peter Gauweiler gefordert, dass man die Stasi-Akten schlie\u00dfen solle&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche: <\/strong>Die Stasi-Akten m\u00fcssen offen bleiben. Es gibt doch viele, die sich erst heute trauen, in ihre Akten reinzuschauen. Die einfach diesen zeitlichen Abstand brauchten, um die Kraft daf\u00fcr zu sammeln. Diese Zeit muss man ihnen lassen.<\/p>\n<p><em>F\u00fchlen Sie sich als &#8222;Deutscher zweiter Klasse&#8220;?<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche: <\/strong>Heute nicht mehr. Aber es hat schon genervt, dass mich noch viele Jahre nach der Wiedervereinigung viele Medien als &#8222;ehemaligen Oststar&#8220; bezeichneten. Das ist auch ein St\u00fcck Rassismus, wenn man es hart formuliert. Man h\u00e4tte doch auch Uschi Glas nicht als &#8222;ehemaligen Weststar&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p><em>Sie haben die Wende-Demo am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz mitorganisiert, die zum Sturz der SED beitrug&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>M\u00fche:<\/strong> Korrekterweise muss man sagen: Wir haben damals f\u00fcr eine gewandelte DDR demonstriert und nicht f\u00fcr die Wiedervereinigung. Unser Anspruch war sicher vermessen. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter fiel die Mauer und die DDR hatte sich erledigt. Ich bin heute sehr gl\u00fccklich, im vereinten Deutschland zu leben. Gott sei Dank ist dieser DDR-Irrsinn vorbei!<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Gerald Praschl 2006 in Magdeburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1,7 Millionen Zuschauer sahen alleine in Deutschland &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; im Kino. Inzwischen l\u00e4uft der Film in 30 L\u00e4ndern, auch in den USA. Von dort bekam er am 25. Februar 2007 die h\u00f6chsten Weihen: den Oscar als bester ausl\u00e4ndischer Film. 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