define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1026,"date":"2007-06-29T21:50:12","date_gmt":"2007-06-29T19:50:12","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1026"},"modified":"2016-04-29T22:24:02","modified_gmt":"2016-04-29T20:24:02","slug":"thomas-thieme-warum-ich-nicht-mehr-in-der-ddr-leben-wollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1026","title":{"rendered":"Thomas Thieme: Warum ich nicht mehr in der DDR leben wollte"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1027\" aria-describedby=\"caption-attachment-1027\" style=\"width: 524px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1027\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Thomas-Thieme-300x127.jpg\" alt=\"Thomas Thieme als DDR-Minister in &quot;Das Leben der Anderen&quot; 2006\" width=\"524\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Thomas-Thieme-300x127.jpg 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Thomas-Thieme-768x324.jpg 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Thomas-Thieme.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 524px) 100vw, 524px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1027\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Thieme als DDR-Minister in &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; 2006<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Film &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; spielt er einen Minister, der seine Macht missbraucht. In der Realit\u00e4t kehrte der Schauspieler der DDR 1984 den R\u00fccken. Und hat das nie bereut.<\/p>\n<p>Thomas Thieme, 1948 in Weimar geboren, spielt in \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab den m\u00e4chtigen Minister Bruno Hempf, der die Stasi auf den Schriftsteller Georg Dreyman ansetzt. Hempf behauptet, Dreyman m\u00fcsse \u00fcberwacht werden, weil er regimefeindlich denkt. In Wirklichkeit hat Hempf ein Verh\u00e4ltnis mit Dreymans Freundin, will den Nebenbuhler aus dem Weg r\u00e4umen. Die Figur des \u00bbMinisters\u00ab erinnert an den Minister f\u00fcr Staatssicherheit, Erich Mielke (1907 \u2013 2000), den \u00bbHerrn der Angst\u00ab in der DDR. Mielke war von 1957 bis 1989 Chef der Stasi.Dass Mielke seinen Apparat missbraucht h\u00e4tte, um ein Liebesverh\u00e4ltnis zu pflegen, ist unwahrscheinlich.Privat galt er als treuer Ehemann und braver Familienvater.Ansonsten war er aber in der Tat ein skrupelloser Machtpolitiker. Er versorgte sich selbst und die SED-Funktion\u00e4re mit Privilegien, lie\u00df Millionen DDR-B\u00fcrger \u00fcberwachen. Und schreckte auch nicht davor zur\u00fcck, Menschen einzusch\u00fcchtern, grundlos einzusperren oder gar \u00bbverschwinden zu lassen\u00ab. Auch\u00a0 Thomas Thieme musste mit diesem Apparat Erfahrungen sammeln. In der DDR bereits ein erfolgreicher Schauspieler, verlie\u00df er das Land 1984 \u00bblegal\u00ab per Ausreiseantrag.Wer damals wie Thieme seine Ausreise forderte,hatte in aller Regel mit harten Schikanen zu rechnen. Er verlor seinen Beruf, in der Regel auch sein Verm\u00f6gen, wurde \u00fcberwacht.Viele \u00bbAntragsteller\u00ab landeten sogar im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u00a0Es f\u00e4llt Thieme auch heute schwer, dar\u00fcber zu reden. Er habe nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht,meint er.Aber er wolle damit nicht hausieren gehen. Andere h\u00e4tten sicher gr\u00f6\u00dfere Probleme gehabt, er f\u00fchle sich nicht als Opfer.Thieme: \u201eEine Menge Schauspieler in der DDR haben sich doch t\u00e4glich mit diesem SED-Staat abgequ\u00e4lt. Auch wenn man nicht gleich \u00fcberwacht und verfolgt wurde,litt man geistig darunter. Uns ging es nicht anders als den meisten DDR-B\u00fcrgern.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u201eDass wir heute zu wenig dar\u00fcber reden,hat auch damit zu tun, wie rei\u00dferisch und undifferenziert bis heute mit dem Thema umgegangen wird.Das ist unseri\u00f6s und hat uns in der dringend notwendigen Debatte \u00fcber die Vergangenheit nicht weitergebracht. Im Gegenteil:Die Tatsachen stehen auf dem Kopf.Der Film \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab dagegen bem\u00fcht sich,ein\u00a0 differenziertes Bild zu zeigen.Es gibt ja auch Filme, die humorvoll mit der DDR-Vergangenheit umzugehen versuchen wie \u00bbSonnenallee\u00ab oder \u00bbNVA\u00ab. Ich finde diese Filme nicht besonders interessant. Ich wei\u00df ja nicht, ob und wo der Regisseur dieser Filme gedient hat und ob es bei ihm wirklich so witzig zuging.Ich war selbst bei der NVA, bei mir ging es anders zu. Ich denke, dass nur sehr, sehr wenige DDR-B\u00fcrger diese plattwitzigen Erinnerungen mit ihrer Wehrdienstzeit verbinden.\u201c Die Qual mit den Spitzeln. \u201eWie soll man nun korrekt mit der DDRVergangenheit umgehen? Keine Ahnung! Aber sicher nicht so,kleine Spitzel wie zuletzt einen Eiskunstl\u00e4ufer als die vermeintlich Alleinschuldigen durch den Kakao zu ziehen und die fr\u00fcheren Anf\u00fchrer dieses Verbrechersyndikats von SED und Staatssicherheit als Prominente zu hofieren.Auf der anderen Seite ist es sehr traurig, dass sich kaum ein ehemaliger Spitzel aus der Deckung wagt, sich entschuldigt oder wenigstens erkl\u00e4rt. Stattdessen erleben wir immer wieder, wie die Leute bis zuletzt leugnen oder sich herausreden.Und weiter tricksen und ihre Anw\u00e4lte vorschicken, statt die Wahrheit auf den Tisch zu legen. Menschen zu bespitzeln, geh\u00f6rt zum Ekelhaftesten,was man tun kann. Es hat bittere Notsituationen gegeben und Menschen, die so schwach waren,dass sie keinen anderen Weg sahen, als dem Druck der Stasi nachzugeben und f\u00fcr sie zu spitzeln. Aber alle anderen haben eine schwere moralische Schuld auf\u00a0 sich geladen.Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, noch Sch\u00fcler, wollten sie mich anwerben. Ich habe mich damals meinem Vater offenbart,und sie lie\u00dfen von mir f\u00fcr immer ab. Ich arbeitete sp\u00e4ter als Schauspieler in Magdeburg und Halle. 1981 stellte ich einen Ausreiseantrag und verlie\u00df nach den \u00fcblichen Schikanen drei Jahre sp\u00e4ter diesen Staat f\u00fcr immer.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u201eWas mir das Leben in der DDR unertr\u00e4glich machte,waren weniger Honecker und Mielke als die allgemeinen Verh\u00e4ltnisse.Es war muffig, schmierig, duckm\u00e4userisch in der DDR.Reine Selbstzensur! Und wer raus wollte,wurde erschossen! Au\u00dfer\u00a0 nat\u00fcrlich die kleine Minderheit, die einen Pass hatte,die frei reisen konnte, darunter auch viele K\u00fcnstler.Die fuhren Samstag fr\u00fch zum Einkaufen ins Kaufhaus KaDeWe nach West- Berlin.Und hauten sich dann im Garten in Ost-Berlin die Scampi auf den Grill. F\u00fcr die war nat\u00fcrlich, wie Wolf Biermann treffend meint, der Kommunismus schon ausgebrochen.Kein Wunder, dass sie dem SED-Staat meist v\u00f6llig unkritisch gegen\u00fcberstanden. Einige trauern ja heute noch. In diesem Zusammenhang d\u00fcnstet auch die uns\u00e4gliche Nostalgie von Palast der Republik bis Kessel Buntes. Ein Triumph des schlechten Geschmacks.In so einem Land wollte ich nicht leben.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Text: Gerald Praschl<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1019\">Mehr \u00fcber &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; und das wahre DDR-Leben der Darsteller hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Film &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; spielt er einen Minister, der seine Macht missbraucht. In der Realit\u00e4t kehrte der Schauspieler der DDR 1984 den R\u00fccken. Und hat das nie bereut. 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