define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1030,"date":"2007-06-29T21:54:06","date_gmt":"2007-06-29T19:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1030"},"modified":"2016-04-29T22:21:06","modified_gmt":"2016-04-29T20:21:06","slug":"hans-uwe-bauer-mein-falscher-traum-vom-guten-sozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1030","title":{"rendered":"Hans Uwe Bauer: Mein falscher Traum vom guten Sozialismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0pt;\">Im Film spielt er einen K\u00fcnstler, der aufbegehrt. Im richtigen (Ost-)Leben schaffte Hans Uwe Bauer\u00a0\u00a0in der DDR den Weg vom Findelkind zum erfolgreichen Schauspieler. Trotzdem empfindet \u00a0er keine Ostalgie. Mein Beitrag aus SUPERillu 2006.<\/p>\n<hr id=\"system-readmore\" class=\"mceItemReadMore\" \/>\n<figure id=\"attachment_1031\" aria-describedby=\"caption-attachment-1031\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1031\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Hans-Uwe-Bauer.jpg\" alt=\"Hans Uwe Bauer (rechts) mit Sebastian Koch in &quot;Das Leben der Anderen&quot; 2006\" width=\"800\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Hans-Uwe-Bauer.jpg 800w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Hans-Uwe-Bauer-300x127.jpg 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Hans-Uwe-Bauer-768x324.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1031\" class=\"wp-caption-text\">Hans Uwe Bauer (rechts) mit Sebastian Koch in &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; 2006<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hans Uwe Bauer (geboren 1955) spielt im Film den K\u00fcnstler Paul Hauser, der seinen Schriftsteller- Freund Georg Dreyman (gespielt von Sebastian Koch) \u00fcberredet, etwas gegen den SED-Staat zu unternehmen.Hauser f\u00fcrchtet zurecht, dass sie bereits von der Staatssicherheit \u00fcberwacht werden. Eine Handlung, die nicht sehr weit weg ist von dem,was Hans Uwe Bauer als DDR-B\u00fcrger selbst erlebte. In SUPERillu erz\u00e4hlt er erstmals seine bewegte Geschichte. Sie beginnt in Stralsund,wo Bauer 1955 geboren wurde. Seine Mutter floh wenig sp\u00e4ter in den Westen, lie\u00df ihn zur\u00fcck.Als Findelkind erlebte er die DDR aus einer ganz besonderen Perspektive.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Bauer: \u201eIch wuchs ganz ohne Eltern und Familie in verschiedenen DDR-Kinderheimen auf.Bollersdorf, Borgsdorf, Werftpfuhl.An die Namen kann ich mich noch gut erinnern.Es gab dort knallharte milit\u00e4rische Strukturen. Morgens antreten, rechts um, anstellen zum Essenfassen. In der Schule gab es neben dem normalen Unter richt die DDR-\u00fcbliche \u00bbErziehung zum Sozialismus\u00ab. Mit diesen Geschichten vom heldenhaften Ernst Th\u00e4lmann und der glorreichen Aufbauarbeit der Antifaschisten. Abends, nach den Schularbeiten, zeigten sie oft Schnitzlers \u00bbSchwarzen Kanal\u00ab und t\u00e4glich die \u00bbAktuelle Kamera\u00ab. Dann Bettruhe. Normale Kinder hatten ja abends ihre Eltern, die ihnen schon erz\u00e4hlten, dass das alles nur hohle Propaganda war und der Sozialismus in Wahrheit gar nicht so gut funktionierte. Ich hatte diese M\u00f6glichkeit nicht.Alles zusammen,der Drill,der Mangel an Zuwendung und diese Rotlichtbestrahlung f\u00fchrten bei uns zu einer seelischen Verwahrlosung. Viele landeten sp\u00e4ter im Knast.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u201eAls ich mit 18 das Heim verlie\u00df, schenkte man mir zum Abschied noch einen warmen Anorak. Leider einen blauen,mit FDJ-Emblem.Als ich damit zum ersten Mal ins Kino ging,wurden mir dort deswegen von anderen Jugendlichen gleich Schl\u00e4ge angeboten.Die wollten mich verpr\u00fcgeln, weil ich diesen FDJ-Anorak trug.Da merkte ich zum ersten Mal, dass nicht alle Menschen f\u00fcr den Sozialismus waren. Dass viele das System sogar total ablehnten. Die meisten schwiegen nur,weil sie nicht ihre Existenz verlieren wollten.Deshalb versuchten sie nicht anzuecken. Das ist legitim.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u201eEigentlich konnte ich mich nicht beschweren. Obwohl Heimkind und unheimlich schlecht in der Schule, bekam ich eine Lehrstelle als Tischler an der Staatsoper in Berlin. Dazu mit 18 eine Wohnung und schon bald eine Chance, die n\u00f6tige Schulbildung nachzuholen, um meinen Traumberuf Schauspieler studieren zu k\u00f6nnen. Ich h\u00e4tte also rein materiell mit unserer DDR sehr zufrieden sein k\u00f6nnen. Aber ohne dass ich in der Lage gewesen w\u00e4re,genau zu benennen, was mich st\u00f6rte,wusste ich bald, dass ich die SED und ihren Sozialismus ablehnte. Ich lernte auch sehr schnell, zwischen den Zeilen zu lesen, denn nur manchmal trauten sich die Menschen auszusprechen, was sie wirklich dachten.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u201eAuch ich habe oft lieber geschwiegen. Du konntest ja nicht wissen, ob es dich nicht sofort deine Existenz kostet, wenn du an den Falschen gekommen w\u00e4rest.Wir Schauspieler diskutierten abends nach den Vorstellungen oft sehr offen \u00fcber die Missst\u00e4nde und wie man sie \u00e4ndern k\u00f6nnte.Da ging es manchmal sehr hei\u00df her. Auch mir platzte schon mal die Hutschnur und alle Vorsicht war vergessen. Aber ich hatte Gl\u00fcck und musste gl\u00fccklicherweise nie Konsequenzen sp\u00fcren. An der Filmhochschule in Potsdam aber erlebte ich hautnah einen ganz anderen Fall.Wer dort studieren durfte, der hatte schon etwas zu verlieren.Trotzdem stand mitten im Unterricht ein Student auf und polterte im besten S\u00e4chsisch los: \u00bbDas ist doch alles Schei\u00dfe, was ihr\u00a0 hier macht!\u00ab Der Lehrer forderte ihn auf, sofort seine Sachen zu packen, er sei der Schule verwiesen. Drei Stunden sp\u00e4ter war seine Schauspielkarriere zu Ende.\u201c Geheime Gedanken. \u201eIch h\u00e4tte die M\u00f6glichkeit gehabt, ohne Risiko abzuhauen.Denn zweimal,1987 und 1988, durfte ich zu Dreharbeiten ganz offiziell in beziehungsweise durch das nichtsozialistische Ausland reisen. Einmal in die BRD,wo wir die \u00bbBesteigung des Chimborazo \u00ab drehten, eine deutsch-deutsche Koproduktion. Und einmal nach Vietnam, zur DEFA-Produktion \u00bbDschungelzeit\u00ab.Auf dem R\u00fcckflug gab es eine Zwischenlandung in\u00a0 Karatschi, Pakistan. Da h\u00e4tte ich wahrscheinlich ohne gro\u00dfes Risiko abhauen k\u00f6nnen. Ich dachte sehr lange dar\u00fcber nach. Doch ich tat es nicht. Berlin war mein Zuhause. Au\u00dferdem tr\u00e4umte ich immer noch davon, dass der Sozialismus doch eigentlich eine gute Sache sei, die halt nur schlecht umgesetzt ist. Ich war, wie sicherlich viele DDR-B\u00fcrger, lange Zeit der Meinung, bei den vielen offensichtlichen Missst\u00e4nden in der DDR handele es sich nur um \u00bbKinderkrankheiten\u00ab. Ja, es gab auch Gutes! Freundschaften wurden mehr gepflegt als heute. Man war ja auch mehr aufeinander angewiesen. Die Mieten waren billig.Aber ich bin trotzdem sehr, sehr froh, dass es vorbei ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Text: Gerald Praschl (SUPERillu)<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1019\">Mehr \u00fcber &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; und das wahre DDR-Leben der Darsteller hier.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Film spielt er einen K\u00fcnstler, der aufbegehrt. Im richtigen (Ost-)Leben schaffte Hans Uwe Bauer\u00a0\u00a0in der DDR den Weg vom Findelkind zum erfolgreichen Schauspieler. Trotzdem empfindet \u00a0er keine Ostalgie. Mein Beitrag aus SUPERillu 2006. 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