define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1033,"date":"2007-06-29T21:56:48","date_gmt":"2007-06-29T19:56:48","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1033"},"modified":"2016-04-29T22:16:39","modified_gmt":"2016-04-29T20:16:39","slug":"volkmar-kleinert-ich-wollte-nicht-spitzeln-und-fuerchtete-die-rache-der-stasi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1033","title":{"rendered":"Volkmar Kleinert: Ich wollte nicht spitzeln. Und f\u00fcrchtete die Rache der Stasi"},"content":{"rendered":"<p>In &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; spielt er einen DDR-Regisseur, der sich aus Verzweiflung \u00fcber sein von der SED verh\u00e4ngtes Berufsverbot das Leben nimmt. Auch im wirklichen Leben hatte er Probleme mit der Stasi.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1034\" aria-describedby=\"caption-attachment-1034\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1034\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volkmar-Kleinert.jpg\" alt=\"Volkmar Kleinert (rechts) mit Sebastian Koch in &quot;Das Leben der Anderen&quot; 2006\" width=\"1024\" height=\"654\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volkmar-Kleinert.jpg 1024w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volkmar-Kleinert-300x192.jpg 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volkmar-Kleinert-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1034\" class=\"wp-caption-text\">Volkmar Kleinert (rechts) mit Sebastian Koch in &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; 2006<\/figcaption><\/figure>\n<p>Volkmar Kleinert hat in dem Kino-Hit \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab eine tragische Rolle. Er spielt den Regisseur Albert Jerska,der v\u00f6llig gebrochen ist,weil das SED-Regime ein Berufsverbot gegen ihn verh\u00e4ngt hat.Und der sich deshalb schlie\u00dflich selbst umbringt. In SUPERillu erz\u00e4hlt Kleinert, damals Schauspieler am Deutschen Theater in Ost-Berlin und bei der DEFA, was er selbst mit SED und Stasi erlebte:<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u201eIch war als junger Mann in den 50er-Jahren voller Sympathie f\u00fcr die sozialistischen Ideale. Ich bewunderte die Antifaschisten, die das KZ \u00fcberlebt hatten. Und die vielen Intellektuellen wie Anna Seghers oder J\u00fcrgen Kuczynski, die am Aufbau einer gro\u00dfen Sache mitwirken wollten. Doch die k\u00fchne Idee vom Sozialismus pervertierte mit den Jahren immer mehr. Die DDR war am Ende so desolat, dass sie nur noch durch den Staatssicherheitsapparat zusammengehalten werden konnte. Mit \u00dcberwachung, Spitzeln, Willk\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">\u00a0<!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><strong>Der Horror. <\/strong>Auch mich wollte man als Spitzel anwerben. Es war 1963, kurz nach meinem Studium. Ich arbeitete als junger Schauspieler am Theater in Karl-Marx-Stadt. Eines Tages klingelte es an meiner T\u00fcr. Zwei Herren standen drau\u00dfen, ich bat sie herein. Sie kamen gleich zur Sache. Ob ich ihnen nicht berichten k\u00f6nnte, wenn in meinem Bekanntenkreis \u00bbrepublikfeindlich\u00ab gedacht w\u00fcrde. Im Gegenzug boten sie mir berufliche Hilfe an.\u00bbSie wollen doch sicher sp\u00e4ter an einem der gro\u00dfen Theater in Berlin spielen. Wir k\u00f6nnten Ihnen dabei helfen. meinte, wenn Freunde oder Kollegen anderer Meinung seien als ich, dann ginge das nur uns an. Die Stasi-Leute bohrten weiter: \u00bbNa, \u00fcberlegen Sie sich das! N\u00e4chsten Mittwoch um 13 Uhr rufen wir Sie an und wollen wissen: Ja oder Nein!\u00ab F\u00fcr die Stasi zu spitzeln kam f\u00fcr mich nicht in Frage. Wenn Leute heute sagen,sie haben mitgemacht,weil sie Angst um ihre Existenz oder ihre Familie hatten, ist das unglaubw\u00fcrdig. Denn sie h\u00e4tten wissen m\u00fcssen, was es bedeutet hat, was es in der Praxis bedeutet, seine Freunde oder Kollegen zu verraten. Aber nat\u00fcrlich hatte ich Angst. Ich schlief in der ganzen Woche nur ein paar Stunden, wurde immer verzweifelter. Am besagten Mittwoch sa\u00df ich klatschnass,mit schwitzenden H\u00e4nden,ab elf Uhr am Telefon. Voller Sorge:Was macht man hier mit dir? Bist du dabei, dir dein ganzes Leben zu verbauen, wenn du nicht mitmachst? Punkt 13 Uhr klingelte es. Der Stasi-Mann war dran: \u201eHallo, Herr Kleinert, wir waren doch verabredet&#8230;\u201c Ich br\u00fcllte ins Telefon: \u201eNEIN! Ich will nicht!\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><strong>Die \u00dcberraschung.<\/strong> Wochenlang wartete ich auf Reaktionen seitens der Stasi. Auf Schikanen, berufliche Nachteile. Doch es passierte nichts. Ein Jahr sp\u00e4ter bekam ich das Angebot von Wolfgang Heinz,dem Intendanten des Deutschen Theaters, nach Berlin zu wechseln. Mein gro\u00dfer Traum ging in Erf\u00fcllung. Erst jetzt war ich auch von der Angst vor der Stasi befreit. Auch in den Folgejahren gab es keine Konsequenzen. Es war also auch m\u00f6glich,nein zu sagen. Ich war wie die meisten DDR-B\u00fcrger kein Held. Es gab sicher nur wenige, die bereit waren, f\u00fcr ihren Widerstand ins Gef\u00e4ngnis zu gehen. Der viel gr\u00f6\u00dfere Teil der Menschen passte sich eben so weit an, wie es unbedingt sein musste, um die Existenz zu erhalten, und zog sich ansonsten in die private Nische zur\u00fcck. Sie haben gearbeitet, gelebt, geliebt und m\u00fcssen kein schlechtes Gewissen haben.Der Mensch ist nicht zum Widerstandsk\u00e4mpfer geboren. Ich f\u00fcr meinen Teil bin stolz, dass ich wie viele meiner Schauspieler- Kollegen am Deutschen Theater in Berlin versucht habe, ehrlich und anst\u00e4ndig zu bleiben. Wir verfolgten die Entwicklung der DDR sehr kritisch und bem\u00fchten uns,das unseren Zuschauern mit unseren k\u00fcnstlerischen Mitteln auch mitzuteilen.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><strong>Missbrauchte Ideale.<\/strong> Ich war kein Opfer des Regimes. Im Gegenteil, ich war privilegiert. Ich durfte sogar zu Gastspielen unseres Ensembles in den Westen reisen. Ich kann mich also wirklich nicht beschweren. Aber meine Gedanken begleiten generell die Schicksale der Menschen,deren Biographien durch das SED-Regime gebrochen wurden. Und die vielen Menschen, die im Gef\u00e4ngnis sa\u00dfen oder Psycho-Folter ausgesetzt waren. Und die, deren Hoffnung auf den Sozialismus von den Funktion\u00e4ren missbraucht wurde.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><strong>Am Ende.<\/strong> Ich denke, dass viele f\u00fchrende Funktion\u00e4re von SED und Stasi am Ende selbst nicht mehr vom \u00dcberleben der DDR \u00fcberzeugt waren und ihre Ideale verloren hatten. Ich kannte einen f\u00fchrenden Stasi-Mitarbeiter, der mir 1988 im Vertrauen erz\u00e4hlte: \u00bbJunge, wir sind am Ende! Noch ein Jahr,dann bricht das hier zusammen. Alles ist kaputt, die Moral, die Wirtschaft, selbst die Wasserleitungen, die Stra\u00dfen, alles. Wir haben keinen Pfennig Geld mehr.\u00ab Und dieser Mann, ein gl\u00fchender Kommunist, f\u00fcgte noch hinzu: \u00bbEs ist gut so, wir hatten die Chance,wir haben sie nicht genutzt. Wir haben die Idee selbst verraten.\u00ab<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Aufgezeichnet von Gerald Praschl.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1019\">Mehr \u00fcber &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; und das wahre DDR-Leben der Darsteller hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; spielt er einen DDR-Regisseur, der sich aus Verzweiflung \u00fcber sein von der SED verh\u00e4ngtes Berufsverbot das Leben nimmt. Auch im wirklichen Leben hatte er Probleme mit der Stasi. Volkmar Kleinert hat in dem Kino-Hit \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab eine tragische Rolle. Er spielt den Regisseur Albert Jerska,der v\u00f6llig gebrochen ist,weil &hellip; <a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1033\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Volkmar Kleinert: Ich wollte nicht spitzeln. 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