define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1037,"date":"2007-06-29T22:00:13","date_gmt":"2007-06-29T20:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1037"},"modified":"2016-04-29T22:21:46","modified_gmt":"2016-04-29T20:21:46","slug":"volker-michalowski-im-knast-bautzen-verging-selbst-mir-das-lachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1037","title":{"rendered":"Volker Michalowski: Im Knast Bautzen verging selbst mir das Lachen"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0pt;\">Sogar als Stasi-Mann holt Spa\u00dfmacher Volker \u00bbZack\u00ab Michalowski noch Lacher. In Wirklichkeit war er zur DDR-Zeit auf der anderen Seite, bei der Opposition. Mein Beitrag aus SUPERillu, 2006.<\/p>\n<hr id=\"system-readmore\" class=\"mceItemReadMore\" \/>\n<figure id=\"attachment_1038\" aria-describedby=\"caption-attachment-1038\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1038\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volker-Michalowski.jpg\" alt=\"Volker Michalowski als Stasi-Schreibmaschinen-Experte in &quot;Das Leben der Anderen&quot; 2006\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volker-Michalowski.jpg 1024w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volker-Michalowski-300x169.jpg 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Volker-Michalowski-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1038\" class=\"wp-caption-text\">Volker Michalowski als Stasi-Schreibmaschinen-Experte in &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; 2006<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine witzige Szene im Film \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab.\u00a0Die Stasi hat das Originalmanuskript eines regimefeindlichen Artikels, der im \u00bbSpiegel\u00ab erschienen ist,in die H\u00e4nde bekommen. Und versucht jetzt, den Autor zu enttarnen, um ihn zu verhaften. Ein quirliger, kleiner Schriftexperte der Stasi,gespielt von Volker Michalowski, hat das Manuskript untersucht.Und berichtet jetzt seinen Chefs,was er herausgefunden hat. Eigentlich ist der Hintergrund bierernst. Genauso akribisch ist die DDR-Staatssicherheit Andersdenkenden hinterhergejagt. Doch Michalowski spielt den Schriftexperten so witzig,dass der Kinosaal vor Lachen bebt.In der Tat hatte der absurde Jagdtrieb der Staatssicherheit ja auch etwas sehr L\u00e4cherliches.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><!--more-->\u00a0Am Abend des 6. Oktober 1989 erlebt der damals 18-j\u00e4hrige Dresdner Volker Michalowski am eigenen Leib, dass die Stasi keine Lachnummer ist.\u201eSie brachten uns ins Gelbe Elend nach Bautzen, den ber\u00fcchtigten Knast. Als hinter uns die schweren Stahlt\u00fcren krachend ins Schloss fielen, war mein ganzer Mut verflogen. Meine Knie zitterten. Da verging einem das Lachen. Es hie\u00df, wir wer den alle zu f\u00fcnf Jahren Zuchthaus verurteilt. Einer von uns heulte. Er war erst 17.\u201c Michalowski und seine Freunde sind damals das,was in den Stasi-Akten \u00bbfeindlich negative Kr\u00e4fte\u00ab hei\u00dft.Trotzige junge Leute, die sich auf keinen Fall den Regeln des SED-Staates anpassen wollen.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Am Anfang stehen kleine Entscheidungen, nicht mitzumachen. Wer einen Abiturplatz in der DDR haben will, muss Mitglied der \u00bbsozialistischen Jugendorganisation \u00ab FDJ sein.Im Interesse einer guten Schulbildung lassen sich viele DDR-Jugendliche breitschlagen, entgegen ihrer \u00dcberzeugung Mitglied zu werden und FDJ-Aktivit\u00e4ten vorzut\u00e4uschen. Michalowski weigert sich: \u201eDer Schulleiter machte noch Druck, meinte, ich solle mir doch nicht mein ganzes Leben verbauen. Meine Eltern,die von der SED auch nichts hielten, lie\u00dfen mich aber gew\u00e4hren. Sie fanden es, glaube ich, ganz gut,dass ich mich mit dem Staat anlegte.\u201c Vater Manfred ist von Beruf Beton-Ingenieur. \u201eVater galt als exzellenter Fachmann. Aber er\u00a0 war nicht in der SED, eine gro\u00dfe Karriere war ihm damit verbaut. Au\u00dferdem \u00e4rgerte er sich immer furchtbar \u00fcber die Misswirtschaft. Mal war kein Material da,mal kein Lkw f\u00fcr den Transport.Das machte ihn mit den Jahren immer kritischer gegen\u00fcber der DDR.\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Michalowskis Eltern k\u00f6nnten die DDR jederzeit verlassen.Denn Volkers Mutter Ulrike hat einen \u00f6sterreichischen Pass.Michalowski erinnertsich:\u201eSie blieben, weil sie hier ein Haus, ihre Berufe, Freunde hatten. Sie f\u00fchrten ein geregeltes Leben, Dresden war ihre Heimat.Der gr\u00f6\u00dfte Teil unseres Alltags war doch ganz normal,wie in jedem anderen Land.\u201c Statt Abitur will Volker eine Lehre machen. Doch selbst das ist ohne die Mitgliedschaft in der FDJ nicht so einfach. Nach mehreren Absagen besorgt ihm sein Vater einen Ausbildungsplatz als Instandhaltungsmechaniker in seinem eigenen Betrieb, dem VEB BMK Kohle und Energie, der in der DDR gro\u00dfe Kraftwerke baut.Michalowski: \u201eMein Job war dort, Lkw-Anh\u00e4nger zu reparieren. Das gefiel mir \u00fcberhaupt nicht und dementsprechend schlecht war ich. Ich tr\u00e4umte davon, Schauspieler zu werden. Doch wie h\u00e4tte ich das<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">machen sollen?\u201c<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">In seiner Freizeit engagiert er sich bei der Jungen Gemeinde kn\u00fcpft auch Kontakte mit der seit 1986 aktiven christlichen \u00bbKirche von unten\u00ab, einer entschlossenen Oppositionsgruppe.Mit Freunden macht er eine Punk-Band auf, sie hei\u00dft \u00bbFehlschicht\u00ab, gelegentlich d\u00fcrfen sie in kirchlichen R\u00e4umen auftreten. Einen der Liedtexte kann er noch auswendig: \u201eGrauhaarige Opas wollen uns regieren. Wollen unsere Meinung dabei ignorieren. Sie reden von Mitbestimmung, l\u00fcgen jeden Tag.Ich will zeigen, dass ich sie nicht mag.Generalstreik!\u201c\u00a0 Dreimal im Wendejahr 1989 wird er von der Stasi verhaftet. Das erste Mal am 13. Februar 1989, dem Jahrestag der Zerst\u00f6rung Dresdens im Krieg.Tags\u00fcber l\u00e4uft eine offizielle Kundgebung der SED. Deren Slogan \u201eNie wieder Krieg, f\u00fcr Sozialismus\u201c \u00e4rgert ihn. \u201eVom Sozialismus konnte bei uns doch keine Rede sein. Das war doch nur ein kaputtes,\u00a0 starres System voller \u00dcberwachung, Frust und Angst.\u201c Kaum haben er und seine Freunde ihre eigenen Protestplakate ausgepackt, werden sie auch schon verhaftet.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\">Im Juni 1989 wollen sie mit Trommeln in der Dresdner Kreuzkirche gegen das Massaker der chinesischen Kommunisten auf dem \u00bbPlatz des Himmlischen Friedens\u00ab protestieren. Und gegen das Verst\u00e4ndnis,das die SED-F\u00fchrung f\u00fcr den Mord an 3 000 Oppositionellen zeigte.Volkspolizei\u00a0 und Stasi riegeln das Gotteshaus ab. \u201eWir versuchten noch abzuhauen. An der Elbbr\u00fccke haben sie mich gekriegt.\u201c Zum dritten Mal wird er bei einer Demo gegen den 40. Jahrestag der DDR im Oktober 1989 verhaftet, verpr\u00fcgelt, nach Bautzen gebracht,dort drei Tage lang schikaniert. Ein Erlebnis,das Michalowski sehr einsch\u00fcchtert.Bei der n\u00e4chsten Wende-Demo bleibt er lieber zu Hause. Vier Wochen sp\u00e4ter, am fr\u00fchen Morgen des 10. November 1989, st\u00fcrmt seine Mutter ins Zimmer, weckt den Sohn: \u201eVolker, die Mauer ist offen!\u201c Volker Michalowski erinnert sich gerne an die wilde Jugend mit seinen Freunden in Dresden. \u201eEine herrliche Zeit, wir f\u00fchlten uns so frei und hatten verr\u00fcckte Pl\u00e4ne. Dass im Westen nicht alles gut ist, wusste ich damals auch.Aber so wie es kam, ist das schon ganz okay.\u201c Sein Traum, Schauspieler zu werden, hat sich heute erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"margin: 0pt;\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1019\">Mehr \u00fcber &#8222;Das Leben der Anderen&#8220; und das wahre DDR-Leben der Darsteller hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sogar als Stasi-Mann holt Spa\u00dfmacher Volker \u00bbZack\u00ab Michalowski noch Lacher. In Wirklichkeit war er zur DDR-Zeit auf der anderen Seite, bei der Opposition. Mein Beitrag aus SUPERillu, 2006. Eine witzige Szene im Film \u00bbDas Leben der Anderen\u00ab.\u00a0Die Stasi hat das Originalmanuskript eines regimefeindlichen Artikels, der im \u00bbSpiegel\u00ab erschienen ist,in die H\u00e4nde bekommen. 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