define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1121,"date":"2008-11-16T22:54:42","date_gmt":"2008-11-16T21:54:42","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1121"},"modified":"2016-05-16T22:54:57","modified_gmt":"2016-05-16T20:54:57","slug":"schicksalsmoment-1989-wie-die-montagsdemos-ins-west-fernsehen-kamen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1121","title":{"rendered":"Schicksalsmoment 1989: Wie die Montagsdemos ins West-Fernsehen kamen"},"content":{"rendered":"<p>Ihre Namen stehen (bis jetzt) nicht im Geschichtsbuch. Aber ohne sie h\u00e4tte es die Wende in der DDR 1989 vielleicht nicht gegeben. Wie die Montagsdemos 1989 ins West-Fernsehen kamen. Und die atemberaubende Geschichte dahinter: Die Story von Siegbert Schefke (links)\u00a0 und seinem Mitstreiter Aram Radomski (rechts).<\/p>\n<p>Ganz Deutschland starrt gebannt auf die Bilder, die die ARD-Tagesthemen am 10.Oktober 1989 ausstrahlen: 70 000 Demonstranten auf dem Marsch durch Leipzig, und ihr Sprechchor, der die Stadt erbeben l\u00e4sst: &#8222;Wir sind das Volk&#8220;. Aufnahmen von der Leipziger Montagsdemo einen Tag zuvor. Erstmals k\u00f6nnen Millionen DDR-B\u00fcrger via West-Fernsehen sehen, was ihnen die SED F\u00fchrung verheimlicht: dass der Widerstand gegen die Diktatur zu einer Massenbewegung geworden ist. Ermuntert dadurch gehen nun Menschen im ganzen Land auf die Stra\u00dfe &#8211; das Signal zum Sturz des SED-Regimes.<\/p>\n<p>Die Bilder stammen von zwei jungen DDR-B\u00fcrgern: Aram Radomski und <strong>Siegbert Schefke<\/strong> aus Ost-Berlin.<\/p>\n<p>Siegbert Schefke, geboren 1959 in Eberswalde, hat eigentlich keine sehr typische \u00bbWiderstandsbiographie\u00ab. Nach einer Lehre zum Baufacharbeiter mit Abitur absolviert er anders als die meisten, die sp\u00e4ter zu \u00bbB\u00fcrgerrechtlern\u00ab werden, seinen regul\u00e4ren Grundwehrdienst, bekommt die Zulassung zu einem Studium an der Hochschule f\u00fcr Bauwesen in Cottbus. Nach dem Studienabschluss ist er ab 1985 als Bauleiter beim Wohnungsbaukombinat Berlin t\u00e4tig, das damals im Osten der Hauptstadt gro\u00dfe Neubaugebiete errichtet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1123\" aria-describedby=\"caption-attachment-1123\" style=\"width: 2832px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schefkeradomski.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1123\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1123\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schefkeradomski.jpg\" alt=\"SAT1 Filmpremiere &quot;Wir sind das Volk&quot; im Kino Kosmos Siegbert Schefke (links) und Aram Radomski Berlin 24.09.2008 Foto: Nikola Text: Praschl\" width=\"2832\" height=\"4256\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schefkeradomski.jpg 2832w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schefkeradomski-200x300.jpg 200w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schefkeradomski-768x1154.jpg 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/schefkeradomski-681x1024.jpg 681w\" sizes=\"auto, (max-width: 2832px) 100vw, 2832px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1123\" class=\"wp-caption-text\">SAT1 Filmpremiere &#8222;Wir sind das Volk&#8220; im<br \/>Kino Kosmos<br \/>Siegbert Schefke (links) und Aram Radomski<br \/>Berlin<br \/>24.09.2008<br \/>Foto: Nikola<br \/>Text: Praschl<\/figcaption><\/figure>\n<p>Er f\u00fchrt dort ein Doppelleben. Von 9 bis 15 Uhr wirkt er beim \u201eplanm\u00e4\u00dfigen Aufbau des Sozialismus\u201c. Die Mittagspausen, die er zu Telefonaten mit dem nach West-Berlin ausgeb\u00fcrgerten B\u00fcrgerrechtler Roland Jahn nutzt, werden mit der Zeit immer ausgedehnter. Nach Feierabend engagiert er sich f\u00fcr die Ost-Berliner Umweltbibliothek, die seit 1986 zum Treffpunkt und zur Schaltzentrale der DDR-Opposition wird.<\/p>\n<p>Lange geht das nicht gut. Bereits seit 1985 hat er Reiseverbot, darf, wie die meisten Oppositionellen, die DDR nicht mehr verlassen. Das Regime will damit vor allem Kontakte von DDR-B\u00fcrgerrechtlern mit der polnischen Solidarnosc und der tschechischen Oppositionsbewegung Charta 77 erschweren. Im Januar 1987 stellt ihn sein Chef beim Wohnungsbaukombinat wieder einmal zur Rede, nachdem Schefke als Teilnehmer einer Oppositionsveranstaltung in Pankow aufgefallen war. Der letzte Ausl\u00f6ser f\u00fcr Schefke, seinen Job, den er schon lange f\u00fcr Zeitverschwendung h\u00e4lt, zu k\u00fcndigen. So wird er zum \u00bbVollzeit-Revolution\u00e4r\u00ab. Ist Mitorganisator oppositioneller Konzerte in der Zionskirche. Im Keller der Umweltbibliothek entstehen illegale Untergrundzeitungen wie der \u00bbGrenzfall\u00ab \u00a0oder der \u00bbMoaning Star\u00ab und die legalen, als \u00bbkirchenintern\u00ab deklarierten \u00bbUmweltbl\u00e4tter\u00ab. In einem Land, in dem s\u00e4mtliche Medien vom Regime kontrolliert und zensiert werden, sind diese kleinauflagigen Postillen zwar kein Leuchtturm der Pressefreiheit, aber doch immerhin eine Kerze im Sturm.<\/p>\n<p>\u00dcber die West-Medien wollen Schefke und seine Mitstreiter mehr Menschen in der DDR erreichen, als das mit diesen Samisdaten m\u00f6glich ist. Zun\u00e4chst mit selbstgemachten Radio-Sendungen, die sie umst\u00e4ndlich in Ost-Berlin produzieren, auf Kassette in den Westen schmuggeln und dort jeden letzten Montag im Monat als Sendung \u00bbRadio Glasnost\u00ab auf einem West-Berliner Privatsender ausstrahlen \u2013 empfangbar auch im Osten. Noch weit mehr DDR-Publikum erreichen Filme, die Schefke und Radomski mit Hilfe von aus dem Westen eingeschmuggelten Video-Kameras drehen und die via West-Fernsehen in der DDR ein Millionenpublikum erreichen. Die illegalen Drehs sind riskant, die Themen brisant: die Umweltzerst\u00f6rung im Braunkohlerevier von Espenhain, der Verfall der ostdeutschen Innenst\u00e4dte wie in Halberstadt. F\u00fcr den Fall ihrer Verhaftung haben sie im sicheren Westen vorbereitete \u00bbBekenner-Videos\u00ab hinterlegt. Doch die kommen nie zum Einsatz. Die Stasi \u00fcberwacht die Untergrund-Journalisten zwar mit Spitzeln, Sabotage und offener Beschattung, verhaftet sie aber nicht. Ob aus Furcht vor Protestaktionen des Westens, von dem die DDR zunehmend finanziell abh\u00e4ngig ist. Oder schlicht, weil die Stasi-Offiziere, die den \u00bbOperativen Vorgang Satan\u00ab gegen Schefke und seine Mitstreiter f\u00fchren, die Wirkung der Revolution\u00e4re mit der Fernsehkamera untersch\u00e4tzen. Am Tag nach der Montagsdemo von Leipzig, als Schefkes TV-Aufnahmen zum Z\u00fcndfunken der Revolution werden, sind sie eines besseren belehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihre Namen stehen (bis jetzt) nicht im Geschichtsbuch. Aber ohne sie h\u00e4tte es die Wende in der DDR 1989 vielleicht nicht gegeben. Wie die Montagsdemos 1989 ins West-Fernsehen kamen. Und die atemberaubende Geschichte dahinter: Die Story von Siegbert Schefke (links)\u00a0 und seinem Mitstreiter Aram Radomski (rechts). 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