define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1125,"date":"2006-05-16T22:59:37","date_gmt":"2006-05-16T20:59:37","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1125"},"modified":"2016-05-16T23:00:52","modified_gmt":"2016-05-16T21:00:52","slug":"baerbel-bohley-ihr-hilfsprojekt-in-bosnien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1125","title":{"rendered":"B\u00e4rbel Bohley: Ihr Hilfsprojekt in Bosnien"},"content":{"rendered":"<div class=\"rt-container\">\n<div id=\"rt-main\" class=\"mb6-sa3-sb3\">\n<div class=\"rt-container\">\n<div class=\"rt-grid-6 \">\n<div class=\"rt-block\">\n<div id=\"rt-mainbody\">\n<div class=\"component-content\">\n<div class=\"item-page\">\n<p>Wasser f\u00fcr die Armen: Die Wende-Heldin von 1989 schafft nun\u00a0 ein neues Zuhause f\u00fcr Kriegsfl\u00fcchtlinge in Bosnien-Herzegowina. Der Gegner ist nicht, wie 1989, eine Diktatur. Es geht auch nicht um das Ringen um Anerkennung f\u00fcr die Menschen, die zur DDR-Zeit politisch verfolgt waren. Den dritten gro\u00dfen Kampf in ihrem Leben ficht B\u00e4rbel Bohley daf\u00fcr, dass Kriegsfl\u00fcchtlinge ein neues Zuhause bekommen.<\/p>\n<p>Die Gestrandeten<\/p>\n<p>Obwohl der Balkan-Krieg schon 10 Jahre her ist, leben in Bosnien-Herzegowina immer noch Zehntausende in Fl\u00fcchtlingslagern, in H\u00fctten aus Brettern und Wellblech. Oft plagen sie schreckliche Erinnerungen: ermordete Angeh\u00f6rige, Vergewaltigungen, Flucht. Viele der Gestrandeten hausen in Lagern nahe der Stadt Mostar. In der N\u00e4he sollen sie angesiedelt werden, was gar nicht so einfach ist. Jede Familie bekam zwar ein St\u00fcck Land. Ein Haus aber muss sie selbst bauen. Kredit gibt es nicht, nur Material-Spenden. Alle sind Tagel\u00f6hner oder ganz arbeitslos. Viele mauern seit Jahren, ohne dass ihr Haus bis jetzt bewohnbar ist. Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist die Wasserversorgung. \u00d6ffentliche Leitungen gibt es nicht. Das Grundwasser liegt in dem Karst-Gebiet 80 Meter tief. Brunnenbohren ist f\u00fcr die Armen viel zu teuer.<\/p>\n<p>Die Hilfe<\/p>\n<p>SUPERillu-Chefreporter\u00a0 Gerald Praschl und SUPERillu-Fotograf Nikola Kuzmanic besuchten im Oktober 2006 B\u00e4rbel Bohley (61) vor Ort. Seit 1999 ist sie mit dem Bosnier Dragan Lukic verheiratet, lebt in der N\u00e4he von Split in Kroatien. In den 90er-Jahren leitete sie ein Hilfsprojekt zum Wiederaufbau kriegszerst\u00f6rter H\u00e4user. Seit 1999 l\u00e4dt sie j\u00e4hrlich 70 Kinder von Kriegsfl\u00fcchtlingen zu kostenlosen Ferien ans Meer ein. Nun baut sie mit ihrem Hilfsverein \u00bbSeestern e.V.\u00ab Zisternen. Das sind Beton-Reservoirs, die im Winter Regenwasser auffangen. Das reicht zum Gie\u00dfen, Duschen und Putzen. B\u00e4rbel Bohley: \u201eWir k\u00f6nnen so mit wenig Geld vielen Menschen helfen.\u201c<\/p>\n<p>Die Schatten des Krieges<\/p>\n<p>Noch 10 Jahre nach Kriegsende leben alleine im kroatisch dominierten Teil Bosnien-Herzegowinas, nahe der Stadt Mostar, mehrere tausend Fl\u00fcchtlinge in erb\u00e4rmlichen Unterk\u00fcnften, die, obwohl mitten in Europa, an die \u00e4rmsten L\u00e4nder der &#8222;Dritten Welt&#8220; erinnern. Im gesamten ehemaligen Kriegsgebiet von Bosnien-Herzegowina sind es mehr als 100 000 Menschen, die noch in armseligen Notunterk\u00fcnften hausen. Unabh\u00e4ngig von der allgegenw\u00e4rtigen existenziellen Not, die im ganzen Land grassiert. Im Camp Tasovcici am Stadtrand von Caplina, nahe Mostar,\u00a0fahren wir in ein Lager, in\u00a0dem\u00a0 115 Familien, insgesamt 365 Personen in H\u00fctten aus Wellblech und Brettern hausen, davon 70\u00a0Kinder,\u00a0von denen die meisten hier geboren sind. Wir treffen Ivanka Ivankovic, die Lagerleiterin. Sie ist selbst ein Fl\u00fcchtling. Als der B\u00fcrgerkrieg\u00a0begann, lebte die ethnische Kroatin im etwa 100 Kilometer entfernten Ort Konjic. Seit 1992 wurde\u00a0Konjic\u00a0 von den\u00a0ethnisch serbischen Freisch\u00e4rlern\u00a0des heute vom UN-Kriegsverbrechertribunal gesuchten Radovan Karadzic\u00a0beschossen. Das war schlimm. Aber die richtige H\u00f6lle brach aus,\u00a0als im Mai 1993 der\u00a0&#8222;Krieg im Krieg&#8220;, der B\u00fcrgerkrieg zwischen den vormals verb\u00fcndeten\u00a0Kroaten und Moslems\u00a0 begann. Moslemische Einheiten\u00a0umstellten die Siedlung, in der Ivankas Haus lag. Ihr Mann wurde vor seiner Haust\u00fcr erschossen. Ivanka stand daneben und sah ihn sterben.\u00a0Der &#8222;Krieg im Krieg&#8220; zwischen Kroaten\u00a0und Moslems in Bosnien-Herzegowina, der zwischen\u00a0Mai und\u00a0November 1993 tobte, geh\u00f6rt zu den finstersten Kapiteln dessen, was die Region jemals erlebte.\u00a0W\u00e4hrend damals weiterhin serbische Granaten sowohl auf moslemische als auch auf kroatische St\u00e4dte und D\u00f6rfer fielen, mussten\u00a0viele Moslems unter kroatischem Beschuss in Mostar\u00a0die H\u00f6llen erdulden und gleichzeitig viele\u00a0enthnische Kroaten aus ihren St\u00e4dten und D\u00f6rfern in Zentralbosnien fliehen.\u00a0Eine schwere B\u00fcrde f\u00fcr\u00a0auch f\u00fcr die\u00a0&#8222;kroatisch-moslemische&#8220; F\u00f6deration, in den diese\u00a0 zwei Volksgruppen heute nach dem Friedenschluss von Dayton 1995 zusammenleben &#8211; zusammenleben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bosnien-Herzegowina: Ein Staat im Koma<\/p>\n<p>Ivanka hat nicht nur \u00fcberlebt, sie k\u00fcmmert sich heute auch als Sozialarbeiterin um diejenigen, die immer noch im Fl\u00fcchtlingslager leben. Sozialarbeiter ist in Bosnien-Herzegowina ein seltener Beruf.\u00a0 Wer irgendwie kann, hilft sich selbst. Meist ist er ansonsten auch eher verloren, denn einen Sozialstaat wie\u00a0in Deutschland gibt es nicht. \u00a0Wer konnte, hat sich inzwischen eine neue Existenz aufgebaut. Das Haus meist von der serbischen Guerilla, die den Krieg damals anfingen,\u00a0oder sp\u00e4ter\u00a0auch von Kroaten oder Moslems\u00a0abgefackelt, Familienmitglieder umgebracht, Frauen vergewaltigt.\u00a0Scharfsch\u00fctzen, M\u00f6rsergranaten, Massengr\u00e4ber,\u00a0Konzentrationslager, Genozid, alle Albtr\u00e4ume des 20. Jahrhunderts wurden in\u00a0Bosnien-Herzegowina\u00a0schreckliche Wirklichkeit. Heute leben viele derer, die das \u00fcberstanden haben,\u00a0Kroaten, Serben oder Moslems, \u00a0als Immigranten in Kanada, Deutschland, Australien, den USA oder den skandinavischen Staaten. Die anderen, die durch das Raster der Einwanderungs- oder wie im Fall Deutschlands &#8222;Duldungs-&#8220; und &#8222;Aufenthaltsrichtlinien&#8220; fielen, sind noch da. Ihr eigener Staat, Bosnien-Herzegowina, hilft ihnen alles in allem \u00fcberhaupt nicht, neu Fuss zu fassen. Offiziell ist kein Geld da. Vielleicht liegt es aber auch eher\u00a0daran,dass das Land bis heute ethnisch tief gespalten ist. Die Fl\u00fcchtlinge von Mostar in ihren Wellblechh\u00fctten sind ethnisch Kroaten, auch wenn sie einen bosnischen Pass haben. Soll sich doch Kroatien um sie k\u00fcmmern, mag die Meinung so manches Politikers der moslemisch dominierten Hauptstadt Sarajevo sein. Dort, im Kernland, 200 Kilometer weiter, gibt es \u00e4hnliche\u00a0 Probleme. Eine gro\u00dfe Wohnungsnot, ebenfalls Folge von Vertreibung und Zerst\u00f6rung. Eine Situation, die ungef\u00e4hr der entspricht, die in den Jahren nach 1945\u00a0in Mitteleuropa nach der Vertreibung der Deutschen aus dem heutigen Polen und der\u00a0Vertreibung der Polen aus dem heutigen Wei\u00dfrussland herrschte. Also auch nichts, was nicht auch l\u00f6sbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Das R\u00fcckkehrer-Programm und die Realit\u00e4t<\/p>\n<p>Die Politik der nach dem Friedensabkommen von Dayton\/Ohio 1995 eingesetzen internationalen Aufsichtskommission OHR (Office of the High Represantative, derzeitiger Chef der ehemalige Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling) zielt darauf ab, dass m\u00f6glichst jeder Fl\u00fcchtling sein Haus in seiner alten Heimat zur\u00fcckerhalten sollte. Das hat nur zum Teil gefruchtet. Oft flogen den R\u00fcckkehrern nachts Handgranaten durch die Wohnzimmerfenster. Viele Fl\u00fcchtlinge wollten nach dem schrecklich Erlebten auch nicht wieder dahin, wo sie herkamen. Nur in einigen Regionen konnte die &#8222;ethnische S\u00e4uberung&#8220;\u00a0 teilweise r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Immerhin.<\/p>\n<p>Die kroatischen Fl\u00fcchtlinge von Mostar wollen oder k\u00f6nnen nicht nach Hause in die zentralbosnischen St\u00e4dte\u00a0 und D\u00f6rfer, aus denen sie kamen. Ganz allein stehen sie trotz ihrer Not nicht da. Der Nachbarstadt Kroatien f\u00fchlt sich verantwortlich und \u00a0tut einiges. Jede Fl\u00fcchtlingsfamilie, die ihre Heimat in den heute moslemisch oder serbisch dominierten Teilen des Landes verlor, bekam vom Staat Kroatien Baumaterial und einige tausend Mark, um sich ein neues Haus zu bauen. Die Stadt Caplina im kroatisch dominierten Teil Bosnien-Herzegowinas und einige Nachbargemeinden gaben kostenlos Bauland ab. Da die\u00a0M\u00e4nner und Frauen der Familien meist arbeitslos sind und der Staat Bosnien ihnen nur etwa 100 Mark Sozialhilfe pro Familie im Monat bezahlt, verteilt die katholische\u00a0Hilfsorganisation Caritas Lebensmittel an\u00a0die\u00a0 Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Zu Besuch bei einer Familie in Not<\/p>\n<p>Die Verh\u00e4ltnisse, in der viele der Familien leben, die jetzt mit B\u00e4rbel Bohleys Hilfe ein neues Zuhause erhalten sollen, sind\u00a0meist sehr\u00a0elend. Ich besuche Familie Silic. Sie leben mit sechs Personen in einem einzigen, heruntergekommenen Zimmer in einem ehemaligen Heim f\u00fcr\u00a0psychisch Kranke \u00a0im Dorf Domanovici. Die Fenster noch von damals vergittert. Gemeinschaftstoiletten. Der Putz br\u00f6ckelt von den W\u00e4nden. Als ich vorbeischaue, ist Vater Miroslav (50) gerade noch unterwegs. Zus\u00e4tzlich zu den umgerechnet 50 Euro, die die ganze Familie im Monat vom bosnischen Staat bekommt, versucht er sich, etwa dazuzuverdienen. Die katholischen Priester des nahen Wallfahrtsortes Medjugorje geben ihm hin und wieder einen Job, wenn irgendetwas anf\u00e4llt. So hackt er heute dort Brennholz f\u00fcr den Winter. F\u00fcr 20 &#8222;Konverbiblna Marka&#8220;, 10 Euro am Tag. Die staatliche W\u00e4hrung in Bosnien ist die alte deutsche Mark, hier&#8220;konvertiblna marka&#8220; genannt. Nur leider fehlt der deutsche Wohlstand. Stattdessen herrscht bittere Armut, die jeden deutschen &#8222;Hartz IV&#8220;-Empf\u00e4nger besch\u00e4men d\u00fcrfte. Die staatliche St\u00fctze liegt \u00a0bei etwa 100 &#8222;konvertiblna marka&#8220; im Monat. Nicht pro Person, sondern pro Familie. Wer kann, versucht sich als Tagel\u00f6hner auf dem Bau oder bei der Ernte etwas hinzuzuverdienen.\u00a0Die Jobs sind rar. Die Arbeitslosenquote hoch. 10 Euro am Tag sind dabei schon ein sehr guter Verdienst. \u00a0Leider kosten\u00a0Lebensmittel\u00a0 oft genausoviel wie in Deutschland.\u00a0 Als\u00a0Miroslav\u00a0abends\u00a0um acht zuhause ankommt, warten seine Frau Ljubica (50) und die vier S\u00f6hne Marko (12), Ivan\u00a0(9), Marin (8) und\u00a0Smilijan (17) schon\u00a0sehns\u00fcchtig auf ihn.\u00a0Vor allem auf etwas zu essen. &#8222;Wir hatten seit ein oder zwei Tagen \u00fcberhaupt kein Geld mehr, um etwas zu kaufen.\u00a0Gottseidank kann ich mit den 20 Mark jetzt wieder ein wenig\u00a0besorgen&#8220;,\u00a0meint er.\u00a0In der Ecke \u00fcber dem Ofen h\u00e4ngt ein Kruzifix und die Jungfrau Maria \u00fcber dem\u00a0zerschlissenen\u00a0Sofa.\u00a0Sein christlicher Glaube und seine vier S\u00f6hne, mein Miroslav, seien das, was ihm die Kraft gebe, den Alltag zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Auch 1993, als die Familie noch in der zentralbosnischen\u00a0Stadt Konijc lebte, war sie alles andere als wohlhabend. Doch sie hatten eine Wohnung und Vater und Mutter\u00a0ihr Auskommen als Fabrikarbeiter. Sie Kantinenkraft, er\u00a0Industriearbeiter, im jugoslawischen Kombinat &#8222;Igman&#8220;. Dann kam der Krieg. Mutter\u00a0 Lubica\u00a0und der \u00e4lteste Sohn konnten fliehen. Vater Miroslav\u00a0wurde von der moslemischen &#8222;Biha-Armija&#8220; gefangengenommen. Er erz\u00e4hlt, er sei\u00a0dort auch gefoltert worden und sieht heute, 10 Jahre sp\u00e4ter, noch aus, als sei er gestern fr\u00fch dem Konzentrationslager entsprungen. Nach Monaten in Lagerhaft kam er frei. Sie wollen nicht zur\u00fcck. Ihre Hoffnung ist das kleine Haus, dass sie sich mit Hilfe\u00a0der kroatischen Material-Spenden\u00a0auf dem Grundst\u00fcck bauen, dass ihnen die Gemeindeverwaltung in der N\u00e4he zur Verf\u00fcgung\u00a0gestellt hat. Seit sieben Jahren bauen sie daran, praktisch ohne Geld. Bis jetzt steht ein Erdgeschoss mit drei Zimmern im Rohbau, dar\u00fcber eine Betondecke, Fenster und\u00a0T\u00fcren sind auch schon drin. Ein Stromkabel wurde j\u00fcngst hingelegt, provisorisch. Miroslav hat sich schon mal daneben mit Brettern einen Stall gezimmert, in dem er seit dem Fr\u00fchjahr zwei Schweine h\u00e4lt. Jeden Tag geht er zu Fu\u00df von seiner Fl\u00fcchtlingsunterkunft aus eine Stunde zu Fu\u00df hin, eine Stunde zur\u00fcck, um sie zu f\u00fcttern.Wirklich wohnen kann man in dem Haus noch nicht. Vor allem auch, weil das Wasser fehlt.<\/p>\n<p>Der Kampf um das Wasser<\/p>\n<p>Die\u00a0Trinkwasserversorgung \u00a0ist auch technisch schwierig. Nicht nur, weil die \u00f6rtliche Kommunalverwaltung nur schwach organisiert ist. Das Grundwasser in der Region findet sich erst in etwa 80 Meter Tiefe. Und\u00a0gleich unter einer d\u00fcnnen Kruste Mutterboden liegt in schon 20 Zentimeter Tiefe nackter, harter Fels. Steinhart, zum Teil Quarz. Brunnen sind nur mit grosser, teurer Technik machbar, einer kostet etwa 15 000 Euro. Die billigere Variante sind Zisternen. Wasserbeh\u00e4ltern, die sich aus den Niederschl\u00e4gen speisen, die den regenreichen Winter \u00fcber aufs Hausdach fallen. Nicht sonderlich hygienisch, aber billig und zweckm\u00e4ssig. Wichtig ist, eine solche Zisterne m\u00f6glichst tief in den Boden einzugraben, damit dass Wasser im hei\u00dfen Sommer k\u00fchl bleibt und nicht umkippt. Viele der Fl\u00fcchtlinge wie\u00a0Familie Silic haben in Eigenregie versucht, sich\u00a0mit Spitzhacken und Schaufeln\u00a0solche Zisternen in den Fels zu schlagen, drei\u00a0Meter tief sollten sie m\u00f6glichst sein. Die meisten kamen keinen halben Meter\u00a0hinunter und gaben auf.<\/p>\n<p>Die Technik, mit der es funktioniert, sind Sprengkapseln.\u00a0Eine kostet 20\u00a0Euro, je nach H\u00e4rte des Felsens braucht man\u00a0ein paar Dutzend bis\u00a0mehrere hundert, um ein Loch drei Meter tief und rund 3 mal vier Meter in L\u00e4nge und Breite auszusprengen. \u00a0Soviel Geld hat keiner der Fl\u00fcchtlinge. Eine Zisterne kostet im Schnitt 5000 Euro. Genau da setzt B\u00e4rbel Bohleys Hilfsprojekt an. Mit zun\u00e4chst 150 000 Euro, die \u00fcberwiegend ein Fonds des deutschen Ausw\u00e4rtigen Amtes finanziert, baut sie mit \u00f6rtlichen Bauunternehmen, die auch viele der Fl\u00fcchtlinge als Bauarbeiter daf\u00fcr engagiert haben, zun\u00e4chst 28 Zisternen, unter anderem auch f\u00fcr Familie Silic. Mit weiteren 400 000 Euro, die das Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit genehmigt hat, werden im Jahr 2007 weitere etwa 75 Zisternen entstehen. &#8222;Wir leisten Hilfe zu Selbsthilfe&#8220;, so B\u00e4rbel Bohley. Viele der Familien, so auch Familie Silic, k\u00f6nnen nach dem Bau der Zisternen endlich aus ihren elenden Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften ausziehen und finden ein neues Heim in ihren H\u00e4usern. Auch wenn dort noch viel zu tun ist.<\/p>\n<p>Die Freude<\/p>\n<p>Bei den Pajics ist die Zisterne schon fertig. Die katholische Familie war 1993 vor moslemischen K\u00e4mpfern aus ihrem Dorf geflohen. Im Dorf Domanovici schaffen sie sich ein neues Heim. Derzeit ist es noch ein Rohbau, aber die Pajics sind schon eingezogen. Mutter Anica ist begeistert: \u201eBisher mussten wir unser Wasser in Kanistern heranschaffen. Mein Mann ist Tagel\u00f6hner, wir haben im Monat nur 250 Euro. Eine Zisterne h\u00e4tten wir uns nie leisten k\u00f6nnen. Ich bin so froh.\u201c\u00a0Einen Gro\u00dfteil der Finanzierung\u00a0f\u00fcr B\u00e4rbel\u00a0Bohleys\u00a0Hilfsprojekt leistet der deutsche Staat. Doch\u00a0auch Spenden sind erforderlich, denn laut den\u00a0F\u00f6rdervorschriften\u00a0muss jede private Hilfsorganisation auch einen &#8222;Eigenanteil&#8220; leisten. Deshalb bittet B\u00e4rbel\u00a0Bohley um private Spenden:<\/p>\n<p>Spendenkonto:<\/p>\n<div class=\"note\">\n<p>Seestern e.V.,<\/p>\n<p>Kto: 101 822 9052,<\/p>\n<p>BLZ: 100 900 00,<\/p>\n<p>Berliner Volksbank<\/p>\n<p>Mehr Infos und Kontakt zu B\u00e4rbel Bohley unter: www.baerbelbohley.de<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wasser f\u00fcr die Armen: Die Wende-Heldin von 1989 schafft nun\u00a0 ein neues Zuhause f\u00fcr Kriegsfl\u00fcchtlinge in Bosnien-Herzegowina. Der Gegner ist nicht, wie 1989, eine Diktatur. 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