define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1325,"date":"2016-10-31T12:04:45","date_gmt":"2016-10-31T11:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1325"},"modified":"2019-09-03T00:51:34","modified_gmt":"2019-09-02T22:51:34","slug":"karl-von-habsburg-die-katastrophe-von-1914-sollte-europa-fuer-immer-eine-warnung-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1325","title":{"rendered":"Karl von Habsburg: &#8222;Die Katastrophe von 1914 sollte Europa f\u00fcr immer eine Warnung sein&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Mein Interview mit dem Enkel des letzten Kaisers von \u00d6sterreich-Ungarn und heutigen\u00a0 Pr\u00e4sidenten der Paneuropa-Union \u00d6sterreich, Karl von Habsburg\u00a0 erschien in SUPERillu 32\/2016. Wir trafen uns im Wiener B\u00fcro der Paneuropa-Union. Nach einem Kaffee zusammen mit seinem B\u00fcroleiter Rainhard Kloucek beschlossen wir, unser Gespr\u00e4ch bei einem Spaziergang durch Wien fortzusetzen, was\u00a0 Karl Habsburg zu einer interessanten Stadtf\u00fchrung nutzte, f\u00fcr die ich ihm dankbar bin. Am Ende sprachen wir an historischer Stelle, am Sarkophag von Kaiser Franz Joseph I. in der Wiener Kapuzinergruft. Sein hier beigesetzter Ur-Ur-Gro\u00dfonkel Franz Joseph I. , Herrscher \u00fcber &#8222;k.u.k.&#8220; \u00d6sterreich-Ungarn,\u00a0 im Europa der Jahrhundertwende neben dem Deutschen Reich und dem russischen Zarenreich gr\u00f6\u00dften Macht auf dem europ\u00e4ischen Kontinent, mag viele Jahrzehnte einen pragmatischen und neben nat\u00fcrlich auch selbsterhaltenden Ausgleich zwischen den vielen V\u00f6lkern Zentraleuropas gesucht haben, die er beherrschte. Er war aber als Greis, immer noch an der Macht, 1914, f\u00fcr den Ausbruch des sinnlosen europ\u00e4ischen Weltkriegs von 1914-18 , der unseren Kontinent ins Chaos st\u00fcrzte, ma\u00dfgeblich mitverantwortlich, als einer der &#8222;Schlafwandler&#8220;, wie Florian Illies es treffend ausdr\u00fcckte.\u00a0 Der Enkel von Franz Josephs Nachfolger, dessen Gro\u00dfneffen Kaiser Karl. I, des 1918 gest\u00fcrzten letzten Kaisers,\u00a0 diskutierte mit mir dort in Jeans\u00a0 \u00fcber die Lehren aus dieser Urkatastrophe Europas im 20. Jahrhundert f\u00fcr die Welt von heute.<\/em><\/p>\n<p><em>Foto: Uwe T\u00f6lle, SUPERillu.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Als sein Gro\u00dfvater Karl I.\u00a0 1916 den Thron bestieg, waren die heutigen L\u00e4nder \u00d6sterreich, Un\u00ad\u00adgarn, Kroatien, Slowenien, die Slowakei und Tschechien noch ein Land, k. u. k. \u00d6sterreich-Ungarn, zu dem auch noch Teile des heutigen Polens, der Ukraine und Rum\u00e4niens geh\u00f6rten. Der Enkel des letzten Kaisers und K\u00f6nigs von \u00d6sterreich-Ungarn, <strong>Karl von Habsburg, 55,<\/strong> ist Me\u00ad\u00addienunternehmer, betreibt ei\u00ad\u00adnige Radiosender in Mittel- und Osteuropa, ist daneben auch humanit\u00e4r und politisch engagiert \u2013 unter anderem in der Paneuropa-Union. Diese wurde 1922 gegr\u00fcndet und hat sich auf die Fahnen geschrieben, das \u00adv\u00f6lkerverbindende Erbe der \u00adeinstigen L\u00e4nder von \u00d6ster\u00adreich-Ungarn zu erhalten. SUPERillu-Politikchef Gerald Praschl sprach mit ihm \u00fcber die Krise Europas.<\/p>\n<p><strong>Herr von Habsburg, ist die EU\u00a0am Ende? Wie gro\u00df ist\u00a0die\u00a0Gefahr, dass die \u00adEurop\u00e4ische Union zerbricht?\u00a0 <\/strong><br \/>\nIch hoffe, dass die politischen Akteure in dieser Krise kl\u00fcger und besonnener agieren als das 1914 der Fall war. Die Kata\u00adstrophe von 1914 sollte Europa f\u00fcr immer eine Warnung sein. Wenn man sich die Volks\u00adabstimmung zum \u00adBrexit ansieht, kann man zweifeln, ob diese Botschaft wirklich \u00adan\u00ad\u00adgekommen ist. Bei der \u00adStimmabgabe spielte f\u00fcr viele W\u00e4hler das Thema der Ab\u00ad\u00adstimmung doch oft gar keine Rolle, da ging es um Gef\u00fchle statt um Fakten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass viele mit der EU unzufrieden sind. Warum?<\/strong><br \/>\nZum Beispiel, weil viele nationale Politiker es seit vielen Jahren gewohnt sind, Missst\u00e4nde in ihren eigenen L\u00e4ndern auf die EU zu schieben. Und weil, trotz aller Erfolge, vieles in der EU auch tats\u00e4chlich schiefl\u00e4uft. Das f\u00e4ngt schon bei den Strukturen an: Der Europ\u00e4ische Rat zum Beispiel ist eine Institution, die im 19. Jahrhundert verhaftet ist und in dem die einzelnen nationalen Interessen sich gegenseitig blockieren. Die Euro-Schuldenkrise und die Fl\u00fcchtlingskrise sind nicht schuld an der Krise der EU. Sie haben nur aufgezeigt, wo ihre Schwachstellen liegen.<\/p>\n<p><strong>\u2026\u2009und nicht nur den Brexit, sondern auch einen handfesten Ost-West-Streit in der EU \u00adausgel\u00f6st. Die \u00f6stlichen \u00adEU-L\u00e4nder Polen, die Slowakei, Ungarn, Kroatien und \u00d6sterreich etwa haben faktisch auf\u00a0eigene Faust den Fl\u00fcchtlingsstrom auf dem Balkan gestoppt, nachdem sich die EU als handlungsunf\u00e4hig erwies. Ungarns Premier Viktor Orb\u00e1n wurde daf\u00fcr von vielen als Mauerbauer und Anti-Euro\u00adp\u00e4er gescholten\u2009\u2026<\/strong><br \/>\nDas war ungerecht. Ungarn hat sich dabei im Gegenteil genau an den europ\u00e4ischen Schengen-Vertrag gehalten, in dem es sich verpflichtet hat, die EU-Au\u00dfengrenze zu sch\u00fctzen. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was die ungarische oder auch die polnische Regierung gerade macht, aber die Voraussetzungen f\u00fcr eine westliche Demokratie erf\u00fcllen diese L\u00e4nder zweifellos.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie Erfolge der EU?<\/strong><br \/>\nDie offenen Grenzen und der gemeinsame Markt haben uns viele Chancen und viel Wohlstand gebracht. Auch viele eins\u00adtige nationale Probleme haben sich erledigt, im Baskenland, in Nordirland \u2013 oder in S\u00fcdtirol. Dort flogen fr\u00fcher Bomben. Heute sind die Grenzen zwischen \u00d6sterreich und Italien offen und faktisch unsichtbar, die Region ist eine der lebenswertesten in ganz Europa. Die Einf\u00fchrung des Euro hat allen Exportbetrieben geholfen, neue M\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen. Die EU-Osterweiterung hat nach dem Fall des Eisernen Vorhangs geholfen, Europa gesellschaftlich und wirtschaftlich wieder zu vereinen. Was Europa naturgem\u00e4\u00df zusammenh\u00e4lt, ist, dass wir l\u00e4nger als viele andere Re\u00ad\u00adgionen der Welt demokratische Bewegungen hatten, geboren aus den Werten der Aufkl\u00e4rung.\u00a0 \u00adDiese Einstellung hat uns auch geholfen, die Sowjetdiktatur zu \u00fcberwinden. Unabh\u00e4ngig davon ist die europ\u00e4ische Vereinigung auch ein nat\u00fcrlicher Prozess, Europas Antwort auf die Globalisierung. Der traditionelle Na\u00ad\u00adtionalstaat kann viele globale Herausforderungen nicht mehr allein bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie die Europ\u00e4ische Union reformieren?<\/strong><br \/>\nEuropa muss europ\u00e4ischer denken und handeln. Wenn wir die Probleme der EU l\u00f6sen wollen, brauchen wir nicht mehr Nationalstaat, sondern weniger. Und mehr europ\u00e4isches Denken. Die EU sollte au\u00dferdem k\u00fcnftig nicht nur eine politische und wirtschaftliche Union, sondern auch eine starke Sicherheits\u00adgemeinschaft sein. Die Fl\u00fcchtlingskrise hat aufgezeigt, wo Europas Schwachstellen liegen. Sie hat au\u00dferdem wohl erst begonnen und wird sich in den n\u00e4chsten Jahren noch massiv versch\u00e4rfen. Das k\u00f6nnen wir nur l\u00f6sen, wenn Europa zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1347\" aria-describedby=\"caption-attachment-1347\" style=\"width: 1282px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/SUPERillu-Interview-Habsburg-Heft-322016.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1347\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/SUPERillu-Interview-Habsburg-Heft-322016.png\" alt=\"SUPERillu-Interview mit Karl von Habsburg in SUPERillu Heft 32\/2016\" width=\"1282\" height=\"866\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/SUPERillu-Interview-Habsburg-Heft-322016.png 1282w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/SUPERillu-Interview-Habsburg-Heft-322016-300x203.png 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/SUPERillu-Interview-Habsburg-Heft-322016-768x519.png 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/SUPERillu-Interview-Habsburg-Heft-322016-1024x692.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1282px) 100vw, 1282px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1347\" class=\"wp-caption-text\">SUPERillu-Interview mit Karl von Habsburg in SUPERillu Heft 32\/2016<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Interview mit dem Enkel des letzten Kaisers von \u00d6sterreich-Ungarn und heutigen\u00a0 Pr\u00e4sidenten der Paneuropa-Union \u00d6sterreich, Karl von Habsburg\u00a0 erschien in SUPERillu 32\/2016. 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