define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1452,"date":"2017-08-24T13:10:23","date_gmt":"2017-08-24T11:10:23","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1452"},"modified":"2018-06-13T22:30:53","modified_gmt":"2018-06-13T20:30:53","slug":"erinnerung-an-werner-stiller-1947-2016-der-heute-70-geworden-waere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1452","title":{"rendered":"Erinnerung an Werner Stiller (1947-2016) &#8211; der heute 70 geworden w\u00e4re"},"content":{"rendered":"<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-1452 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/geraldpraschl.de\/?attachment_id=1457'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/sui20061124109-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1457\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1457'>\n\t\t\t\tWerner Stiller 2002 in Budapest. F.: Nikola Kuzmanic\/SUPERillu \n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/geraldpraschl.de\/?attachment_id=1458'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/sui20061208144-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1458\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1458'>\n\t\t\t\tWerner Stiller 2006 bei der Beerdigung von Markus Wolf. Foto: Nikola Kuzmanic\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/geraldpraschl.de\/?attachment_id=1455'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/acsc200211290018-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1455\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1455'>\n\t\t\t\tDDR-Spionagechef Markus Wolf\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Noch im Jahr 2002, 13 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende des SED-Regimes war Werner Stiller nicht ganz wohl zumute, als er meinen Anruf aus der einstigen &#8222;Hauptstadt der DDR&#8220; bekam. &#8222;Ich bin Journalist und w\u00fcrde Sie gerne treffen und dar\u00fcber schreiben, wie Sie heute leben&#8220;, sagte ich ihm. Er \u00fcberlegte einige Wochen lang, dann bot er tats\u00e4chlich einen Termin an. Ein Treffen am bekanntesten und wahrscheinlich auch \u00f6ffentlichsten Ort der ungarischen Hauptstadt Budapest, der Fischerbastion.<\/p>\n<p>Ich flog hin und tats\u00e4chlich, er stand da, und wartete schon. Wir sprachen ein paar Stunden. Und irgendwann beschloss er, mir zu vertrauen. Es wurden zwei interessante Tage, er zeigte mir sein neues Zuhause, eine noble Wohnung mit Blick \u00fcber die ganze Stadt auf dem Budaer Burgberg, wir gingen mit seiner jungen Freundin Gy\u00f6ngyi Karpfensuppe essen. \u00a0Dann fuhren wir auch noch in sein kleines Landhaus in den Bergen nahe der slowakischen Grenze und kochten uns Kesselgulasch im Garten.<\/p>\n<p>Wir sprachen \u00fcber viel mehr als das, was ich in der <a href=\"https:\/\/www.dropbox.com\/s\/n90322ni0fuwnua\/Werner%20Stiller%202002%20in%20SUPERillu.pdf?dl=0\">Geschichte \u00fcber Werner Stiller in SUPERillu, die im August 2002 erschien<\/a>, \u00a0h\u00e4tte alles schreiben k\u00f6nnen. \u00a0Und wurden Freunde.<\/p>\n<p><!--more-->Seine Leben ging in die Geschichte der Spionage ein. Als Oberleutnant der DDR-Spionagetruppe HVA unter dem Kommando von Markus Wolf fl\u00fcchtete er spektakul\u00e4r in einer kalten Januarnacht des Jahres 1979 durch einen Geheimgang der Stasi im Bahnhof Friedrichstra\u00dfe in den Westen. Im Gep\u00e4ck Geheimakten und das Wissen \u00fcber Dutzende hochrangige DDR-Spione im Westen, die in den Tagen darauf verhaftet wurden, soweit sie es nicht noch schafften, sich rechtzeitig \u00fcber die Zonengrenze in den Osten abzusetzen. Es war der gr\u00f6\u00dfte Fall von Verrat in den Reihen der DDR-Staatssicherheit und die gr\u00f6\u00dfte Niederlage, die DDR-Spionagechef Markus Wolf in seinem Leben erlitt.<\/p>\n<p>Wenn Mielkes H\u00e4scher Werner Stiller in dieser Januarnacht 1979 erwischt h\u00e4tten, in der er mit seinem Wissen und noch einer Handvoll Stasiakten, die er aus dem Tresor in der Normannenstrasse klaute und \u00fcber den Bahnhof Friedrichstrasse in den Westen floh &#8211; dann h\u00e4tte sein Leben sicher noch im selben Jahr mit Genickschuss in Leipzig geendet. Warum ist er abgehauen? Er fand die Stasi kompliziert, die DDR am Ende, privat seine ungarische Frau anstrengend, seine Geliebte verlocken<span class=\"text_exposed_show\">dender. Und vor allem die Freiheit, tun und lassen zu k\u00f6nnen, was man will, viel besser, weil er den freien Westen kannte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR lie\u00df\u00a0 bis zum Ende der DDR nichts unversucht, den Verr\u00e4ter im Westen aufzusp\u00fcren und sich an ihm zu r\u00e4chen. \u00a0 Der US-Geheimdienst CIA stattete Stiller mit einer neuen Identit\u00e4t aus, als Klaus Peter Fischer studierte er in den USA, machte sp\u00e4ter Karriere als B\u00f6rsenmakler in New York und London.<br \/>\nSeine ehemaligen Kollegen fanden ihn tats\u00e4chlich nicht &#8211; aber nat\u00fcrlich begleitete Stiller alias Klaus Peter Fischer stets ein gewisses Ma\u00df an Angst und Misstrauen durch sein Leben. Ein weiterer hoher Preis, den er f\u00fcr seine Flucht bezahlte: 11 Jahre lang hatte er keinen Kontakt zu seinen zwei Kindern, die mit ihrer Mutter in der DDR zur\u00fcckblieben &#8211; wohlwissend, dass jeder Kontaktversuch ihn sein Leben kosten k\u00f6nnte. Tochter Edina, geboren 1971, nahm ihm das trotzdem auch als Erwachsene noch \u00fcbel. <a href=\"http:\/\/www.christoph-links-verlag.de\/index.cfm?view=3&amp;titel_nr=790\">&#8222;Verratene Kinder&#8220; &#8211; hei\u00dft ihr Buch, dass sie \u00fcber ihre Sicht auf die Lebensgeschichte der Familie Stiller schrieb. <\/a><\/p>\n<p>Erst langsam und erst viele Jahre nach dem Ende der DDR legte er die Angst davor ab, dass doch noch ein R\u00e4cher der Stasi k\u00e4me. Erst seit dem Erscheinen unseres Artikels in der SUPERillu 2002 lebte er offen &#8211; trat auch hin und wieder \u00f6ffentlich auf. \u00a0Er wagte es gar, wenn auch nat\u00fcrlich inkognito, gemeinsam mit mir im November 2006 zur Beerdigung von Markus Wolf zu erscheinen. Nachts war er mit dem Auto aus Budapest nach Berlin gekommen. Um nicht so aufzufallen, parkte er seinen 7er BMW weit weg vom Friedhof in Friedrichsfelde, den letzten Kilometer gingen wir zu Fu\u00df. \u00a0Ein wenig Angst kroch schon in ihm hoch, \u00a0je n\u00e4her wir dem Friedhofstor kamen. Davor, dass die einstigen Kollegen, die dort zahlreich versammelt waren, ihn wieder erkennen w\u00fcrden, 27 Jahre sp\u00e4ter. Als sie die Urne zum Grab tragen, steht auch Werner Stiller schweigend Spalier. Es ist keine Geste des Triumphs, sondern eine des Tributs an seinen einstigen Todfeind. Auch wenn ihm nat\u00fcrlich die Botschaft wichtig ist, dass er ihn \u00fcberlebt hatte &#8211; <a href=\"https:\/\/www.dropbox.com\/s\/x8trxvida6nbk30\/Beerdigung%20von%20Markus%20Wolf%202006%20SUPERillu%20.pdf?dl=0\">einige Tage sp\u00e4ter in meinem Bericht in SUPERillu auch allen seinen ehemaligen Stasi-Kollegen so \u00fcbermittelt.\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Schon Mitte der 80er Jahre \u2013 \u00a0noch im Untergrund in den USA lebend &#8211; hatte Werner Stiller ein erstes Buch \u00fcber seine Lebensgeschichte ver\u00f6ffentlicht. \u00dcber <a href=\"http:\/\/be\">&#8222;Beyond the Wall&#8220;<\/a>, deutscher Titel<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Im-Zentrum-Spionage-Werner-Stiller\/dp\/3775811419\"> &#8222;Im Zentrum der Spionage&#8220;<\/a>, sagte er selbst, dass es mit Vorbehalt zu lesen sei, weil ihm damals, in der letzten Phase des Kalten Krieges, dabei nat\u00fcrlich auch seine Schutzengel von der CIA die Feder gef\u00fchrt h\u00e4tten. Das Buch sei in erster Linie im Kontext der psychologischen Kriegsf\u00fchrung zu verstehen.<br \/>\nFrei von allen Fesseln des Kalten Kriegs der Geheimdienste schrieb er 2012 noch eine Biografie, diesmal ausschlie\u00dflich aus seiner Feder <a href=\"http:\/\/www.christoph-links-verlag.de\/index.cfm?view=3&amp;titel_nr=E592\">&#8222;Der Agent. Mein Leben in drei Geheimdiensten&#8220;, erschienen beim Berliner Ch.Links-Verlag <\/a>&#8211; die hiermit zur Lekt\u00fcre empfohlen sei.<\/p>\n<p>Heute, am 24. August 2017, w\u00e4re Werner Stiller 70 Jahre alt geworden. Er starb, bis zu seinem Tod unter seinem Decknamen Klaus Peter Fischer als Gesch\u00e4ftsmann in Budapest lebend, am 20. Dezember 2016.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch im Jahr 2002, 13 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende des SED-Regimes war Werner Stiller nicht ganz wohl zumute, als er meinen Anruf aus der einstigen &#8222;Hauptstadt der DDR&#8220; bekam. &#8222;Ich bin Journalist und w\u00fcrde Sie gerne treffen und dar\u00fcber schreiben, wie Sie heute leben&#8220;, sagte ich ihm. 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