define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1475,"date":"2017-11-06T14:49:00","date_gmt":"2017-11-06T13:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1475"},"modified":"2017-11-06T16:37:38","modified_gmt":"2017-11-06T15:37:38","slug":"100-jahre-oktoberrevolution-was-bleibt-von-lenin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1475","title":{"rendered":"100 Jahre Oktoberrevolution: Was bleibt von Lenin?"},"content":{"rendered":"<p>Von Gerald Praschl, erschienen in SUPERillu 45\/2017, S. 22-24.<\/p>\n<p>Das 19 Meter hohe Lenin-Denkmal aus rotem Granit auf dem eins\u00adtigen\u00a0Leninplatz in Berlin ist l\u00e4ngst verschwunden. Lenins Oktoberrevolution ist nun schon 100\u00a0Jahre her. Au\u00dferdem passierte sie doch damals weit weg, in Russland. Was also geht uns das heute noch an?<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNun: Bis heute ist ein Teil des Lebens in Mittel- und Osteuropa, auch im Osten Deutschlands, \u00a0 von den Folgen der Oktober\u00adrevolution gepr\u00e4gt. Ohne die Machtergreifung der Kommunisten in Russland 1917 h\u00e4tte es sp\u00e4ter keine DDR gegeben. Und ohne die DDR und den wirtschaftlichen Schock nach ihrem Ende g\u00e4be es auch nicht das bis heute anhaltende Lohn- und Wohlstandsgef\u00e4lle zwischen West und Ost.<\/p>\n<p>Alle \u201epostkommunistischen\u201c L\u00e4nder Mittel- und Osteuropas haben noch weit gravierender mit den Sp\u00e4tfolgen zu k\u00e4mpfen. Niedrige L\u00f6hne, Altersarmut, schlechte Stra\u00dfen, br\u00f6ckelnde H\u00e4user oder Abwanderung \u2013 vieles h\u00e4ngt immer noch damit zusammen, dass die einstige Planwirtschaft der Kommunisten nicht das versprochene Paradies auf Er\u00ad\u00adden zur Folge hatte, sondern am Ende einen wirtschaftlichen \u00adZu\u00ad\u00adsammenbruch, der Hunderte Millionen Menschen um die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit brachte.<\/p>\n<p>Dabei hatte alles mit so viel Hoffnung begonnen. Die Oktoberrevolution 1917 und die da\u00ad\u00adraus resultierende Gr\u00fcndung der Sowjetunion 1922 l\u00f6sten auch bei vielen Menschen im Westen Be\u00ad\u00adgeisterungsst\u00fcrme aus. K\u00f6nnte das \u201eSowjetparadies\u201c, in dem es allen gut geht, das Vorbild sein f\u00fcr die Rettung der ganzen Welt?<\/p>\n<p>Beinahe w\u00e4re, ein Jahr nach der Oktoberrevolution, auch Deutschland kommunistisch geworden. Denn nach dem Sturz des deutschen Kaisers 1918 hatten nicht nur die gem\u00e4\u00dfigten Sozialdemokraten eine Republik ausgerufen (die sp\u00e4tere \u201eWeima\u00adrer\u201c Republik) \u2013 sondern auch der Linksau\u00dfen und sp\u00e4tere KPD-Gr\u00fcnder Karl Liebknecht, der wie Lenin in Russland eine \u201esozialistische R\u00e4te\u00adrepublik\u201c er\u00ad\u00adrichten wollte.<\/p>\n<p>Genau wie Liebknechts deutsche Kommunisten waren auch Lenins \u201eBolschewiken\u201c nach dem Sturz des Zaren 1917 nur eine kleine, radikale Minderheit unter den vielen Revolution\u00e4ren. Nicht nur viele Zuf\u00e4lle und die Fehler ihrer Gegner, sondern vor allem ihr skrupelloses Vorgehen brachten sie in Russland am Ende trotzdem an die Macht. Mit derselben blutigen H\u00e4rte machten sie weiter. Im B\u00fcrgerkrieg fielen der \u201eRoten Armee\u201c und dem \u201eRoten Terror\u201c zwei Mil\u00adlionen Menschen zum Opfer. Adlige und Priester waren die Ersten, die als \u201eKlasse\u201c ge\u00ad\u00adjagt, umgebracht oder interniert wurden. Um die Kollektivierung der Landwirtschaft durchzusetzen, lie\u00df die F\u00fchrung der KPdSU unter Josef Stalin Millionen Kleinbauern, die sich str\u00e4ubten, aushungern. Dieser Hungersnot fielen 1932\/33 bis zu zehn Millionen Menschen zum Opfer. Gesch\u00e4tzt 700\u2009000 Menschen wurden in den Jahren von Stalins \u201eGro\u00dfem Terror\u201c erschossen. 18 Millionen Menschen landeten als Arbeits\u00adsklaven in \u201eGulags\u201c, drei Mil\u00adlionen kamen dort um. Der Zweite Weltkrieg, der 1939 damit begann, dass Hitler und Stalin sich verb\u00fcndeten und in Polen\u00a0 einmarschierten, bevor Hitler 1941 die Sowjetunion \u00fcberfiel, verw\u00fcstete das Land und forderte rund 27 Millionen Tote. Er brachte aber auch noch mehr L\u00e4nder unter kommunistische Herrschaft, auch den Osten Deutschlands.<\/p>\n<p>Die Sowjets haben allerdings ebenso Gro\u00dfartiges geleistet. Sie haben die Landwirtschaft industria\u00adlisiert und Millionen Wohnungen gebaut. Sie haben aus Kindern von Analphabeten Ingenieure gemacht. Und sie haben Hitler besiegt. Was alles ge\u00ad\u00adschehen w\u00e4re, wenn Osteu\u00adropa nicht 70\u00a0Jahre lang von Kommunisten regiert worden w\u00e4re, wei\u00df man nicht.<\/p>\n<p>Was also bleibt von Lenin und vom Kommunismus? Darauf hat\u00adte der einstige kommunis\u00adti\u00adsche Staatschef Polens, Wojciech Jaruzelski (1923\u20132014) eine kluge Antwort, als SUPERillu ihn 2010 in Warschau zum Interview traf. Jaruzelski sagte damals zu uns: \u201eEs gab auch Dinge, bei denen der Kom\u00admunismus eine positive\u00a0Rolle spielte. Die Revolution in Russland trug dazu bei, dass die Kapitalisten im Westen begannen, sich Gedanken \u00fcber den Lebensstandard der einfachen Leute zu machen \u2013 weil sie Angst vor einer Revolution hatten. So hat der Kommunismus wenigs\u00adtens indirekt den Arbeitern ge\u00ad\u00adholfen\u00a0\u2013 denen im Westen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.18.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1478\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.18-1024x699.png\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.18-1024x699.png 1024w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.18-300x205.png 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.18-768x524.png 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.18.png 1206w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.32.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1479\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.32.png\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"819\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.32.png 604w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2017-11-06-um-14.45.32-221x300.png 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Gerald Praschl, erschienen in SUPERillu 45\/2017, S. 22-24. 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