define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1485,"date":"2017-11-29T11:50:32","date_gmt":"2017-11-29T10:50:32","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1485"},"modified":"2020-04-29T16:38:20","modified_gmt":"2020-04-29T14:38:20","slug":"belarus-meine-aktuelle-reportage-aus-der-mitte-europas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1485","title":{"rendered":"Belarus: Meine aktuelle Reportage aus der Mitte Europas"},"content":{"rendered":"<p>Erschienen in SUPERillu\u00a0 49\/2017<\/p>\n<p><em>Von Gerald Praschl und Andrzej Stach\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Genau in der Mitte Europas gelegen, war das Gebiet des heutigen Belarus, dem Land, dass die Deutschen &#8222;Wei\u00dfrussland&#8220; nennen, der &#8222;Ground Zero&#8220; der europ\u00e4ischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Im Zeichen der neuen Spannungen zwischen EU und Russland liegt nun erneut an einer Demarkationslinie, die nicht nur die Au\u00dfenpolitik des Landes, sondern vor allem auch das Leben seiner Menschen nicht einfacher macht.<br \/>\nMeine Reportage &#8211; mit vielen Fotos und Infos &#8211; hier online. Und am 30.11.2017\u00a0 in der gedruckten SUPERillu (Heft 49\/2017)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1612\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02-300x203.png\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02-300x203.png 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02-1024x692.png 1024w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02-768x519.png 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02-1536x1038.png 1536w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.02-2048x1383.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-1613\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10-300x212.png\" alt=\"\" width=\"451\" height=\"319\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10-300x212.png 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10-1024x723.png 1024w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10-768x542.png 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10-1536x1084.png 1536w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Bildschirmfoto-2020-04-29-um-16.27.10.png 1856w\" sizes=\"auto, (max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Sp\u00e4testens seit er 2010 in der Hauptstadt Minsk die Opposi\u00adtion zusammenpr\u00fc\u00adgeln lie\u00df, galt Wei\u00df\u00adrusslands Pr\u00e4sident Alexander Lukaschenko im Westen als Unperson. Als \u201eletzter Diktator Europas\u201c wurde er von der EU mit Sanktionen \u00fcberzogen. Nun scheint alles ganz anders. Schon im Februar 2016 setzte die EU die Sanktionen gegen die Republik Belarus, wie das Land offiziell hei\u00dft, aus. Ein erstes kleines Dankesch\u00f6n f\u00fcr Luka\u00adschenkos Vermittlung im Kon\u00adflikt zwischen Russland und der EU nach dem russischen Ein\u00admarsch im Osten und S\u00fcden der Ukraine. Nun reiste Bundes\u00adau\u00dfenminister Sigmar Gabriel pers\u00f6nlich nach Minsk, um mit Lukaschenko weitere Schritte der Ann\u00e4herung zu er\u00f6rtern. Er \u00fcberbrachte auch eine Einladung in die EU\u00adHauptstadt Br\u00fcssel. Man s\u00e4he es doch gern, wenn Lukaschenko, der noch vor zwei Jahren nicht einmal privat in die EU einreisen durfte, dort als Staatsgast zum \u201eEU\u00adGipfel der \u00d6stlichen Partnerschaft\u201c k\u00e4me. Im Gespr\u00e4ch ist auch eine Wiederaufnahme seines Landes in den Europarat, in dem alle 47 Staaten Europas vertreten sind, au\u00dfer Belarus. Dass sich an der politischen Situation in Wei\u00dfrussland gar nichts ge\u00e4ndert hat, scheint dem Westen auf einmal nicht mehr so wichtig. Nach wie vor werden dort Oppositionelle schikaniert, die Medien sind gleichgeschal\u00adtet, die Wahlen (Lukaschenko lie\u00df sich seit 1994 schon f\u00fcnfmal zum Pr\u00e4sidenten w\u00e4hlen) sind augenscheinlich manipuliert.<\/p>\n<p><strong>Aber in der Krise schauen die EU\u00ad-Au\u00dfenpolitiker<\/strong> \u2013 genau wie im Fall der nordafrikanischen Diktaturen \u2013 nicht mehr so genau hin, sondern sind froh, an den Au\u00dfengrenzen der EU \u00fcber\u00adhaupt stabile Regime zu haben, mit denen man verhandeln kann. Minsk spielt dabei eine Schl\u00fcsselrolle. Und zwar seit dort 2015 auf Vermittlung Lu\u00adkaschenkos das \u201eMinsk\u00adII\u00adAb\u00adkommen\u201c zustande kam, das im bewaffneten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine in der Ostukraine zumindest einen Waffenstillstand schaffen soll. Der ist zwar immer noch br\u00fc\u00adchig, r\u00fcckt aber in Sichtweite. Dieser Konflikt verursachte zwei Millionen Kriegsfl\u00fcchtlinge.Als Handelspartner Deutsch\u00adlands spielt Belarus bisher nur eine sehr geringe Rolle. Im Land herrscht wirtschaftlich noch der Geist des Staatssozialismus. 70 Prozent der Wirtschaft wer\u00adden von staatlichen Gro\u00dfbetrie\u00adben dominiert, private Unter\u00adnehmen sind in den Augen des ehemaligen Kolchos\u00adDirektors Lukaschenko nur geduldete L\u00fcckenf\u00fcller. 90 deutsche Fir\u00admen sind in Belarus pr\u00e4sent, die meisten aber nur in Form von kleinen Handelsvertretungen. Unter den wenigen Leucht\u00adt\u00fcrmen deut\u00adscher Invest\u00adments ist ein Werk von Carl Zeiss Jena in Minsk. Zu \u00addem gibt es eine boomende global vernetzte Softwareindustrie im Land. Bald k\u00f6nnte der Handel zunehmen.<\/p>\n<p><strong>Schon seit 1993 versucht Belarus<\/strong> Mitglied der Welthandelsorgani\u00adsation WTO zu werden. Zuletzt lagen die Verhandlungen aus politischen Gr\u00fcnden auf Eis. Nun kommt Bewegung in die Sache. Ein heikler Punkt dagegen ist ein m\u00f6gliches \u201eAssoziierungs\u00adabkommen\u201c mit der EU, mit dem schon viele L\u00e4nder (aktuell: Tunesien, Israel, Marokko, Jor\u00addanien, \u00c4gypten und Algerien, Moldawien, Georgien und die Ukraine) ihre Handelsm\u00f6glich\u00adkeiten mit der EU verbesserten. Die EU bietet auch Belarus Ver\u00adhandlungen \u00fcber ein solches Abkommen an \u2013 aber da ist Lukaschenkos rote Linie. Denn dem \u201egro\u00dfen Bruder\u201c in Moskau geht das zu weit. W\u00e4hrend Sig\u00admar Gabriel nun in Minsk be \u00adtonte, dass die EU kein Problem darin s\u00e4he, dass Belarus gleich\u00adzeitig Mitglied von Putins Eura\u00adsischer Zollunion sei und mit der EU ein Assoziierungsabkommen abschlie\u00dfe, lehnt Lukaschenko das ab \u2013 wahrscheinlich auch aus Furcht vor Moskau, das 2014 die Panzer rollen lie\u00df, nachdem die benachbarte Ukrai\u00adne ein EU\u00adAssoziierungsabkom\u00admen unterschrieb. Stattdessen spielt Lukaschen\u00adko, durchaus geschickt, auf drei Klavieren. Er will erstens wieder gute Beziehungen zur EU, erhofft sich von dort vor allem Investi\u00adtionen. Zum Zweiten zeigt er sich gegen\u00fcber Putins Russland als treuer Statthalter. Das geht auch gar nicht anders, denn Russland finanziert \u00fcber Subventionen mindestens ein Viertel des wei\u00df\u00adrussischen Staatshaushalts. Die Russen bauen au\u00dferdem gerade ein gro\u00dfes Atomkraftwerk bei Grodno. Und w\u00fcrde Belarus trotzdem abtr\u00fcnnig, w\u00e4re bin\u00adnen Stunden Putins Armee da.<\/p>\n<p>Oder \u201egr\u00fcne M\u00e4nnchen\u201c wie auf der Krim oder in der Ostukraine. Zum Dritten bem\u00fcht sich Lukaschenko intensiv um Chi\u00adna, das mit seinen Waren auch in Belarus die M\u00e4rkte \u00fcber\u00adschwemmt. Am Minsker Flug\u00adhafen (in dem Durchsagen auch auf Chinesisch laufen) entsteht ein 90 Quadratkilometer gro\u00dfer In dustriepark f\u00fcr chinesische Unternehmen. Noch sind die Ausbaupl\u00e4ne gr\u00f6\u00dfer als die Realit\u00e4t, einige Fabriken stehen jedoch schon. Neue Fabriken und besser bezahlte Jobs braucht Belarus dringend. Die meisten Familien leben von wenigen Hundert Euro im Monat. Die Produkte vieler gro\u00dfer Staatsbetriebe wie Trak\u00adtoren oder K\u00fchlschr\u00e4nke sind hoffnungslos veraltet und h\u00e4ufig nur noch billig in Dritte\u00adWelt\u00adL\u00e4ndern oder der russischen Provinz absetzbar. Viele junge Menschen im Belarus tr\u00e4umen davon, in den Westen zu gehen. Oder sind schon weg.<\/p>\n<p><strong>Die Bev\u00f6l\u00adkerung schrumpft, die D\u00f6rfer leeren sich,<\/strong> Englisch und auch Deutsch sind unter jungen Men\u00adschen als Fremdsprachen sehr gefragt \u2013zum Abhauen in den \u201eWesten\u201c. Aktuell lernen rund 100 000 Sch\u00fcler in Belarus Deutsch. Nach Deutschland kommen sie sp\u00e4ter oft als Stu\u00addenten (was rechtlich einfach ist, wenn man schon Deutsch kann). Viele kehren ihrer Heimat dann sp\u00e4ter f\u00fcr immer den R\u00fccken. Sigmar Gabriels Einladung nach Br\u00fcssel schlug Lukaschen\u00adko \u00fcbrigens aus, schickte nur seinen Au\u00dfenminister. Daf\u00fcr gibt es zwei Deutungen. Ent weder wollte er Selbstbewusstsein de \u00admonstrieren, als Revanche f\u00fcr die Kr\u00e4nkung, so lange nicht in die EU einreisen zu d\u00fcrfen. Oder er wollte Putin in Moskau nicht unn\u00f6tig reizen, dem vielleicht schon der Handschlag von Minsk zu viel war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen in SUPERillu\u00a0 49\/2017 Von Gerald Praschl und Andrzej Stach\u00a0 Genau in der Mitte Europas gelegen, war das Gebiet des heutigen Belarus, dem Land, dass die Deutschen &#8222;Wei\u00dfrussland&#8220; nennen, der &#8222;Ground Zero&#8220; der europ\u00e4ischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts. 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