define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1625,"date":"2020-05-11T14:46:58","date_gmt":"2020-05-11T12:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1625"},"modified":"2020-05-11T15:02:39","modified_gmt":"2020-05-11T13:02:39","slug":"der-schwierige-begriff-vom-tag-der-befreiung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1625","title":{"rendered":"Der schwierige Begriff vom &#8222;Tag der Befreiung&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer vom \u201eTag der Befreiung\u201d redet, spricht ohne Absicht all jene frei, die Mitschuld trugen. Im Osten Deutschlands ist der Begriff zudem doppelt belastet. Ein Kommentar zum historischen Jahrestag von unserem Politikchef  Gerald Praschl&nbsp; \u2013&nbsp;erschienen am 7. Mai 2020, <a href=\"https:\/\/www.superillu.de\/der-schwierige-begriff-vom-tag-der-befreiung\">https:\/\/www.superillu.de\/der-schwierige-begriff-vom-tag-der-befreiung<\/a> <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_7320-768x1024.jpg\" alt=\"Ein sowjetischer Kriegsveteran bei der Gedenkfeier der Botschaft der Ukraine zum &quot;Tag der Erinnerung und Vers\u00f6hnung&quot; am 8. Mai 2020 in Berlin \" class=\"wp-image-1636\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_7320-768x1024.jpg 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_7320-225x300.jpg 225w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_7320-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_7320-rotated.jpg 1512w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Ein sowjetischer Kriegsveteran bei der Gedenkfeier der Botschaft der Ukraine zum &#8222;Tag der Erinnerung und Vers\u00f6hnung&#8220; am 8. Mai 2020 in Berlin <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Zur DDR-Zeit<\/strong> hei\u00dft der 8. Mai \u201eTag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus\u201d, das Land Berlin feiert am 8. Mai 2020 den \u201eTag der Befreiung vom Nationalsozialismus\u201d als Feiertag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Westen pr\u00e4gte sp\u00e4testens Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker<\/strong> 1985 den Begriff vom \u201eTag der Befreiung\u201c.  Vor dem Bundestag sagt er damals in seiner viel beachteten Rede: \u201eDer 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Doch allzu&nbsp;befreit kommen sich im Mai 1945 die meisten&nbsp;Deutschen sicher nicht vor. Abgesehen von befreiten KZ-H\u00e4ftlingen, Holocaust-\u00dcberlebenden und heimlichen Widerst\u00e4ndlern, zu denen auch Weizs\u00e4cker als junger Offizier geh\u00f6rte. <strong>Die gro\u00dfe Mehrheit der Deutschen hat Hitler zugejubelt und blickt der bitteren Wahrheit lange Zeit nur widerwillig in die Augen.<\/strong> Oder nie.<\/p>\n\n\n\n<p>Zw\u00f6lf Jahre Hitler haben das Land in Tr\u00fcmmer gelegt. Millionen sind tot oder in Gefangenschaft. <strong>Der deutsche Name ist auf ewig beschmutzt durch den V\u00f6lkermord an Europas Juden<\/strong>, die verbrecherischen \u00dcberf\u00e4lle auf die Nachbarn und unz\u00e4hlige weitere Schandtaten, f\u00fcr die jeder, der Hitler bejubelte, eine Mitverantwortung tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer diesen kollektiv zubilligt, am 8. Mai 1945 \u201ebefreit\u201d worden zu sein,<strong> der spricht sie &#8211; ohne Absicht &#8211; von dieser Mitverantwortung frei <\/strong>und verkl\u00e4rt sie gar zu unschuldigen Geiselopfern einer kleinen schuldigen Nazischar um Hitler &amp; Co. Oder er erkl\u00e4rt \u2013 wie das die SED zur DDR-Zeit mit voller Absicht tat \u2013 sein eigenes Volk mit diesem Begriff zum kollektiven \u201eantifaschistischen\u201d Unschuldslamm, das derart moralisch erh\u00f6ht umso \u00fcberzeugter mit dem Finger auf die braunen Br\u00fcder im feindlichen Westen zeigen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>So sch\u00f6n der Begriff vom \u201eTag der Befreiung\u201d ist, so schwierig ist er. Erst recht im Osten Deutschlands und im Osten Europas, <strong>wo der 8. Mai 1945 auf lange Sicht keineswegs die Freiheit brachte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein R\u00fcckblick auf den Sommer 1945.<\/strong>&nbsp;Sowjetunion, USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich teilen sich das Gebiet der heutigen Bundesrepublik in vier Besatzungszonen auf, deren Grenzen sie bereits im Februar 1945 festlegten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum 1. Juli 1945 gibt es deshalb einen erheblichen Gebietsaustausch. Truppen der USA und Gro\u00dfbritanniens r\u00e4umen Th\u00fcringen und Teile von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg und bekommen von den Sowjets im Gegenzug daf\u00fcr, <strong>wie in Jalta vereinbart<\/strong>, Sektoren im sowjetisch besetzten Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Landkarte erscheinen damit erstmals die Grenzen der sp\u00e4teren deutschen Teilung. <strong>Schlimm erwischt es Millionen Deutsche aus Schlesien, Hinterpommern, der \u00f6stlichen Mark Brandenburg und Ostpreu\u00dfen.<\/strong> Auf Druck Stalins wird dieser Teil Deutschlands bei der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 Polen bzw. der Sowjetunion zugeschlagen, die dortige deutsche Bev\u00f6lkerung aus ihrer Heimat vertrieben. In ihre H\u00e4user ziehen Polen, die wiederum von den Sowjets aus dem vormaligen Ost-Polen vertrieben wurden, das&nbsp;Stalin der Sowjetunion einverleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast alle&nbsp;anderen L\u00e4nder und Gebiete Europas, auf denen im Sommer 1945 sowjetische Soldatenstiefel stehen, <strong>machte Stalin durch eine kommunistische Macht\u00fcbernahme zu&nbsp; \u201eBruderl\u00e4ndern\u201c<\/strong>, faktisch Satellitenstaaten der Sowjetunion machen &#8211; auch den Osten Deutschlands.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch w\u00e4hrend der letzten K\u00e4mpfe<strong> l\u00e4sst Stalin dazu die \u201eGruppe Ulbricht\u201c einfliegen<\/strong>, ihm treu ergebene deutsche Kommunisten, die nun in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) die zivile Macht \u00fcbernehmen wollen. <strong>\u201eEs muss demokratisch aussehen, aber wir m\u00fcssen alles in der Hand haben\u201c<\/strong>, gibt Ulbricht als heimliche Devise aus.<\/p>\n\n\n\n<p>In den neuen zivilen Verwaltungen \u00fcberlassen Ulbrichts Leute die Abteilungen, die sich um den Wiederaufbau von Schulen, Krankenh\u00e4usern und Versorgung k\u00fcmmern sollen, gerne Politikern der wiedererstandenen SPD oder der neu entstandenen b\u00fcrgerlichen Parteien CDU und LDPD. <strong>Und \u00fcbernehmen daf\u00fcr lieber das Innenressort<\/strong>, dem die neue bewaffnete Polizei untersteht<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dank dieser Waffengewalt und der Sch\u00fctzenhilfe der sowjetischen Besatzer&nbsp; kann Ulbricht die Maske bald fallen lassen.<\/strong> Mit Gewalt zwingt er die mitgliederstarke SPD im April 1946 zur Vereinigung mit der KPD zur SED, seiner sp\u00e4teren Staatspartei. Politiker von LDPD und CDU landen vielerorts in den sowjetischen \u201eSpeziallagern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Vorsitzenden der Ost-CDU, Ernst Lemmer und Jakob Kaiser, fliehen in den Westen.<\/strong> Potsdams CDU-B\u00fcrgermeister Erwin K\u00f6hler wehrt sich noch bis 1950 gegen die Macht\u00fcbernahme der Kommunisten. Dann holt die sowjetische Geheimpolizei ihn und seine Frau ab und verschleppt sie nach Moskau, wo sie erschossen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit denselben Methoden \u00fcbernehmen stalintreue Kommunisten auch in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn die Macht. &nbsp;Dort haben heute die Denkm\u00e4lern von Budapest, Prag&nbsp;oder Danzig&nbsp;&nbsp;f\u00fcr die Opfer der dortigen Aufst\u00e4nde gegen die von den Sowjets aufgezwungene kommunistische Gewaltherrschaft&nbsp; von 1956, 1968 oder 1980\/81 <strong>einen weit h\u00f6heren Stellenwert in der nationalen Gedenkkultur als die Erinnerung an den \u201eTag der&nbsp;Befreiung\u201d oder &#8222;Tag des Sieges&#8220;.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und das, obwohl Polen, Tschechen und Ungarn anders als die \u201ebefreiten\u201d Deutschen gar nichts beziehungsweise wenig f\u00fcr Hitlers Verbrechen konnten. <strong>Und deshalb tats\u00e4chlich von der Sowjetarmee (und ihren eigenen K\u00e4mpfern) von der Nazibesatzung befreit wurden.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer vom \u201eTag der Befreiung\u201d redet, spricht ohne Absicht all jene frei, die Mitschuld trugen. Im Osten Deutschlands ist der Begriff zudem doppelt belastet. Ein Kommentar zum historischen Jahrestag von unserem Politikchef Gerald Praschl&nbsp; \u2013&nbsp;erschienen am 7. 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