define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":1667,"date":"2021-04-19T12:59:14","date_gmt":"2021-04-19T10:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1667"},"modified":"2021-04-19T12:59:15","modified_gmt":"2021-04-19T10:59:15","slug":"der-mann-der-die-menschheit-ins-all-brachte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=1667","title":{"rendered":"Der Mann, der die Menschheit ins All brachte"},"content":{"rendered":"\n<p>Den ersten Menschen im Weltraum kennt die ganze Welt, den Russen Juri Gagarin. Den Mann, der das technisch m\u00f6glich machte, Sergej Koroljow (1906-1966), kannten lange Zeit nur wenige. Und auch nicht das Drama seines Lebens, das eng mit den dunkelsten Kapiteln der sowjetischen Geschichte verbunden ist. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Von Gerald Praschl <\/p>\n\n\n\n<p>Erschienen im Superillu-Sonderheft &#8222;Russlands Tausend Gesichter&#8220; 2019 , <a href=\"https:\/\/www.superillu.de\/magazin\/angebote\/sonderheft\/neues-superillu-magazin-ueber-russland-1264\">erh\u00e4ltlich als PDF hier<\/a>.  <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der erste bemannte Raumflug, am 12.\u00a0April 1961, dauert 1\u00a0Stunde und 48 Minuten. Im sowjetischen Baikonur startet die Rakete morgens um 9\u00a0Uhr und 7\u00a0Minuten Moskauer Zeit ins All. Nach exakt einer Erdumkreisung, \u00fcber den Pazifik, S\u00fcdamerika, den Atlantik, die Sahara und Nahost, landet die Kapsel, sanft von einem Fallschirm gebremst, nahe Saratow an der Wolga wieder in der Sowjetunion. Und zwei Kilometer weiter, ebenfalls mit dem Fallschirm, der Pilot. Noch w\u00e4hrend des Fluges geht die Nachricht um die Welt: \u201eHier spricht Radio Moskau. (&#8230;) Das erste Raumschiff der Welt, Wostok, ist heute von der Sowjetunion aus mit einem Menschen an Bord in einen Orbit \u00fcber der Erde gestartet worden. Der Kosmonautenpilot des Raumschiffs Wostok ist ein B\u00fcrger der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Fliegermajor Juri Alexejewitsch Gagarin.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Doch von dem Mann, der all das m\u00f6glich machte, erfuhr die Welt damals zun\u00e4chst nichts. Denn der Name des Chefs des sowjetischen Weltraum-Programms, Sergej Pawlowitsch Koroljow, galt zu seinen Lebzeiten als Staatsgeheimnis, anders als der seines gro\u00dfen Konkurrenten im Westen, Wernher von Braun (1912-1977), dem aus Deutschland stammenden Chef des US-Weltraumprogramms. 1933, im Alter von erst 27, war der geb\u00fcrtige Ukrainer Koroljow zum Vize-Chef des ersten sowjetischen Raketenforschungsinstituts in Moskau aufgestiegen. Er erforschte, wie man geeignete Raketentriebwerke entwickeln k\u00f6nnte, um ins Weltall vorzudringen. Die politische F\u00fchrung der Sowjetunion unter Josef Stalin war dagegen nur am milit\u00e4rischen Nutzen der neuen Technik interessiert. So entwickelte das Institut auch den Raketenwerfer Katjuscha, der als Stalinorgel im Zweiten Weltkrieg eine gro\u00dfe Rolle spielte. Dann kam Stalins Geheimpolizei.<\/p>\n\n\n\n<p>1938 wurden Koroljow und mehrere seiner Kollegen als vermeintliche \u201eKonterrevolution\u00e4re\u201c und \u201eSaboteure\u201c verhaftet &#8211; wie Millionen andere Unschuldige. Koroljows Chef Iwan Kleimjonow und andere Raketenforscher wurden exekutiert. Auch Koroljow stand zun\u00e4chst auf der Todesliste. Sie folterten ihn, brachen ihm den Kiefer. Am Ende bekam er \u201enur\u201c zehn Jahre Arbeitslager, sie deportierten ihn dazu in die \u201eH\u00f6lle von Kolyma\u201c, einem Gebiet im fernen Osten Sibiriens, wo Lagerh\u00e4ftlinge unter m\u00f6rderischen Bedingungen beim Bau einer Stra\u00dfe in der Taiga und im Bergbau eingesetzt wurden und dabei massenhaft umkamen. Ein Jahr \u00fcberlebte er dort als normaler H\u00e4ftling, starb beinahe an Skorbut. Lange h\u00e4tte er es sicher nicht mehr geschafft. Er w\u00e4re genauso umgekommen wie Zehntausende andere, deren Gebeine bis heute unter dem Schotter der Kolyma-Trasse ruhen, wenn ihn nicht sein Fachwissen gerettet h\u00e4tte. Der Flugzeugbauer Andrej Tupolew, damals selbst Lagerh\u00e4ftling, holte ihn 1940 in sein Konstruktionsb\u00fcro, in dem hinter hohen Lagerz\u00e4unen zun\u00e4chst die Pl\u00e4ne f\u00fcr einen kriegswichtigen, sowjetischen Bomber, den \u201eTu-2\u201c, entstanden. Bald konnte Koroljow auch seine Forschung am Bau von Raketen wieder aufnehmen, 1944 wurde er aus der Haft entlassen\u00a0&#8211; ohne jedoch formal rehabilitiert zu werden. Noch im selben Jahr wurde er Chef eines Raketenforschungsinstituts in Kasan.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>inen entscheidenden Schritt vorw\u00e4rts auf dem Weg ins Weltall brachte ihn wahrscheinlich auch deutsche Technik. Im Herbst 1945 flog er ins von den Sowjets besetzte Th\u00fcringen, um in Nordhausen die Konstruktion der dort in einer unterirdischen Fabrik von den Nazis gebauten V2-Rakete zu erforschen. Zur\u00fcck in seiner sowjetischen Heimat, bekam er vom Kreml den Auftrag, diese nachzubauen &#8211; ein weiterer Schritt bei seinem Aufstieg zum Chef des sowjetischen Raketenbaus. Mit Nikita Chruschtschow, der bald nach Stalins Tod 1953 der neue alleinige Machthaber wurde, fand Koroljow einen technikbegeisterten Unterst\u00fctzer. Wobei den Kremlchef neben Koroljows Tr\u00e4umen vom Weltall an dessen Raketen nat\u00fcrlich vor allem auch der milit\u00e4rische Nutzen interessierte. Die von Koroljow entwickelte R-7-Rakete erwies sich aber als recht ungeeignet, sowjetische Atombomben bis zum Feind in die USA zu schie\u00dfen. Zu schwerf\u00e4llig, zu leicht vom Gegner auszuschalten. F\u00fcr die Raumfahrt dagegen war sie viel besser geeignet. Aus seinen f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke gebauten Raketen vom Typ R-7 entwickelte Koroljow durch den Einbau zus\u00e4tzlicher Z\u00fcndstufen seine ersten Raketen f\u00fcrs Weltall.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihnen schoss er am 4. Oktober 1957 den ersten Satelliten, den Sputnik, ins All und bef\u00f6rderte die Menschheit damit ins Raumfahrtzeitalter. Vier Wochen sp\u00e4ter hob Sputnik-2 mit H\u00fcndin Laika ab, dem ersten Lebewesen im All. Fieberhaft bem\u00fchten sich die USA nach diesem \u201eSputnik-Schock\u201c den sowjetischen Vorsprung aufzuholen. Denn l\u00e4ngst war das Rennen im All zu einer Propaganda-Schlacht im Kalten Krieg geworden. Ein Umstand, der Wissenschaftlern auf beiden Seiten zugute kam. Sowohl Koroljow als auch sein US-amerikanischer Konkurrent Wernher von Braun hatten deswegen zeitweise von ihrer politischen F\u00fchrung fast unbeschr\u00e4nkte Mittel zur Verf\u00fcgung. Auch den n\u00e4chsten \u2013 und gr\u00f6\u00dften \u2013 Sieg r\u00e4umten dank Koroljow die Sowjets ab, mit Gagarins legend\u00e4rem Flug ins All 1961. Im Rennen um den ersten Menschen auf dem Mond mischte Koroljow ebenfalls noch mit. Bereits in den 50er-Jahren hatte er Sowjetf\u00fchrer Nikita Chruschtschow davon \u00fcberzeugt, dass eine Landung auf dem Mond ein besonders prestigetr\u00e4chtiges Zeichen f\u00fcr die \u00dcberlegenheit des \u00adSozialismus sein k\u00f6nnte. Doch Chruschtschows Nachfolger Leonid Breschnew, der 1964 an die Macht kam, legte nicht so viel Wert darauf, zu gro\u00df waren die wirtschaftlichen Probleme in seinem irdischen Reich. So hatten mit der US-Mondlandung 1969 einmal auch die Amerikaner die Nase vorn.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Koroljow erlebte das nicht mehr. Er starb \u00fcberraschend im Alter von nur 59 Jahren 1966 an den Folgen einer Routineoperation. Als w\u00e4hrend deren Verlauf pl\u00f6tzlich k\u00fcnstliche Beatmung n\u00f6tig wurde, schafften die \u00c4rzte es nicht, ihm die \u00adBeatmungsschl\u00e4uche zu legen\u00a0&#8211; wegen seines kaputten Kiefers aus der Zeit in Stalins Folterkellern. Wenn sich die Welt in tausend Jahren an die wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts erinnert, wird die Geschichte von Sergej Koroljow und Juri Gagarin dabei sehr weit oben stehen. Und Stalin hoffentlich nur noch eine Fu\u00dfnote dieser Geschichte sein.<\/p>\n\n\n\n<p><video poster=\"\/\/cdn.vlyby.com\/qad\/white.png\" preload=\"auto\" muted=\"muted\" src=\"https:\/\/cdn.vlyby.com\/qad\/white.mp4\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ersten Menschen im Weltraum kennt die ganze Welt, den Russen Juri Gagarin. Den Mann, der das technisch m\u00f6glich machte, Sergej Koroljow (1906-1966), kannten lange Zeit nur wenige. Und auch nicht das Drama seines Lebens, das eng mit den dunkelsten Kapiteln der sowjetischen Geschichte verbunden ist. 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