define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":443,"date":"2014-08-27T15:19:20","date_gmt":"2014-08-27T14:19:20","guid":{"rendered":"http:\/\/east-blog.de\/?p=443"},"modified":"2014-08-27T15:19:20","modified_gmt":"2014-08-27T14:19:20","slug":"ukraine-2014-urlaub-im-schatten-des-kriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=443","title":{"rendered":"Ukraine 2014: Urlaub im Schatten des Kriegs"},"content":{"rendered":"<div class=\"field field-name-lead-media field-type-ds field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">\n<div class=\"field field-name-field-media field-type-image field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">\n<div id=\"file-62489\" class=\"file file-image file-image-jpeg\">\n<h2 class=\"element-invisible\" style=\"color: inherit;\"><\/h2>\n<div class=\"content\">\n<div class=\"field field-name-field-file-caption field-type-text field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even colorbox-title-copy-processed\" style=\"font-style: italic !important;\">erschienen im Intranet von Hubert Burda Media, 26. August 2014<\/div>\n<div class=\"field-item even colorbox-title-copy-processed\" style=\"font-style: italic !important;\"><\/div>\n<div class=\"field-item even colorbox-title-copy-processed\" style=\"font-style: italic !important;\">Von Gerald Praschl<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field field-name-field-text field-type-text-long field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">\n<p style=\"color: #000000;\">Als Reporter bist du meistens da, wo es brennt. Und nicht da, wo es am sch\u00f6nsten ist. In den letzten Jahren war ich schon einige Male in der Ukraine, als Reporter f\u00fcr die\u00a0<em>Superillu<\/em>. Interviewte dort den Pr\u00e4sidenten (Wiktor Janukowytsch, der jetzt nach Russland geflohen ist), wurde Zeuge der Majdan-Revolution vom Februar, traf Vitali Klitschko, Arsenij Jazeniuk, Petro Poroschenko, sah Tschernobyl, war auf den Spuren von Holocaust-\u00dcberlebenden, recherchierte an der Grenze zu Polen, die heute eine EU-Au\u00dfengrenze ist,\u00a0sah die Villa von Janukowytsch.\u00a0Und verfolge nat\u00fcrlich intensiv die dramatischen Ereignisse im Osten des Landes. Nur blieb bei all den Reisen immer wenig Zeit, sich auch einmal in Ruhe die sch\u00f6nen Seiten des Landes anzuschauen.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">Deswegen fuhr ich jetzt im Urlaub hin, mit dem Auto.\u00a0 Von Berlin aus f\u00e4hrt\u00a0man\u00a0ungef\u00e4hr 17 Stunden bis Kiew. Ich habe die Tour schon einmal im Winter gemacht, auf dem Weg zum Majdan, dabei allerdings\u00a0in Polen\u00a0\u00fcbernachtet. Diesmal bin ich durchgefahren, die letzten vier Stunden wurden etwas lang. Die Piste ist dabei eigentlich die wichtigste Stra\u00dfe des Landes und von daher noch gut ausgebaut, man kann dort auch nachts fahren \u2013 das sollte man auf den meisten anderen Stra\u00dfen der Ukraine besser vermeiden.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">Alle, die derzeit zu Hause vor dem Fernseher sitzen, k\u00f6nnten den Eindruck haben, dass in der Ukraine alle ver\u00e4ngstigt und hungernd im Bombenkeller sitzen. Kollegen fragten mich schon, ob ich f\u00fcr die Reise auch genug Benzin und Essen dabei h\u00e4tte, dort g\u00e4be es ja wahrscheinlich gar nichts mehr. Das ist nat\u00fcrlich Unsinn. Auch wenn der Krieg im Osten des Landes die Menschen, die ich traf, nat\u00fcrlich in Atem h\u00e4lt. Es gibt derzeit nur ein Thema.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">In Shitomir, einer 300.000-Einwohnerstadt nahe Kiew, bummelte ich durch ein mond\u00e4nes Einkaufszentrum, gr\u00f6\u00dfer als ich das von Berlin gewohnt bin. In Kiew \u00fcberlegten wir, ob wir lieber zum Japaner oder zum Italiener zum Abendessen gehen. Das ist schon eines der teureren Vergn\u00fcgen. Ansonsten ist die Ukraine derzeit preislich wahrscheinlich das billigste Land Europas. Im Herzen von Kiew kann man f\u00fcr 80 Cent warm Mittag essen, leckeren Borschtsch \u2013\u00a0das ist eine Suppe, die traditionell mit Rote Bete zubereitet wird, mal mit mehr oder weniger Fleisch drin \u2013 oder Pelmeni und Gulasch. In den Restaurants, &#8222;Stolowajas&#8220; &#8211; Kantinen, w\u00f6rtlich &#8222;Tischereien&#8220; &#8211;\u00a0\u00a0rund um den Majdan und auf dem\u00a0Kreschtschatik, der Flaniermeile von Kiew. Auf dem Majdan r\u00e4umten sie gerade auf. Ein paar Tage, nachdem ich da war, gab es noch mal etwas \u00c4rger. Neu-B\u00fcrgermeister Vitali Klitschko wollte endlich die letzten, symbolischen Barrikaden r\u00e4umen lassen, was nicht allen recht war.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">In der Stadt Uman, 200 Kilometer s\u00fcdlich von Kiew, spazierte ich im herrlichen, im 19. Jahrhundert angelegten Sophienpark. Der sieht so sch\u00f6n aus wie der Englische Garten in M\u00fcnchen, nur der Biergarten ist kleiner. Inmitten der malerischen H\u00fcgel und unz\u00e4hligen Alleen rund um Tscherkassy besuchte ich die Gegend um das Dorf Wilschana, aus der sowohl Familie Klitschko als auch der Dichter Taras Schewtschenko (1814-1861) stammen, den die Ukrainer \u00e4hnlich wie die Deutschen Goethe als Nationalhelden verehren. Schewtschenkos Grab im nahen Kaniw, hoch \u00fcber dem weiten Tal des Dnepr, ist eine Pilgerst\u00e4tte. Schewtschenko wurde zur\u00a0\u00a0Zeit des Zaren Nikolais des Ersten (1796-1855) ans\u00a0Kaspische Meer verbannt, weil er\u00a0den russischen Gro\u00dfmachtanspruch auf seine ukrainische Heimat als Fremdherrschaft ansah, was ihn zum Idol vieler gleichgesinnter Ukrainer machte, bis heute.<br \/>\nGanz in der N\u00e4he seiner letzten Ruhest\u00e4tte liegt ein Russe begraben, den jeder kennt, der im Osten Deutschlands zur Schule ging: Arkadi Gajdar, der Sch\u00f6pfer von \u201eTimur und sein Trupp\u201c. Er fiel hier, wie zehntausende Sowjets, im Herbst 1941 bei einer der ersten Schlachten gegen die Deutschen im \u201eGro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg\u201c. So nannten\u00a0die Sowjets den Zweiten Weltkrieg, weil er f\u00fcr die offizielle Propaganda ja erst 1941 begann, mit dem \u00dcberfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion, und nicht 1939, mit dem gemeinsamen Einmarsch Nazi-Deutschlands und der Sowjetunion in Polen.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">In Odessa genoss ich den Schwarzmeerstrand mit vielen Einheimischen, die dort vor allem am Wochenende baden gehen. Rund um den kilometerlangen Sandstrand sind viele schicke neue Hotels entstanden, das \u201cVele Rosse\u201d in Fu\u00dfweite vom Strand, mit sch\u00f6nen gro\u00dfen Zimmern und gutem Fr\u00fchst\u00fcck, fand ich im Internet. Die Flaniermeile der Stadt ist die Deribasowskaja, mit schicken Restaurants und edlen L\u00e4den &#8211; benannt nach dem von Zarin Katharina eingesetzten ersten Statthalter von Odessa, einem spanischen S\u00f6ldner namens Jose de Ribas (1749-1800). In der Jewrejskaja, der Judenstra\u00dfe, wuchs Zeev Jabotinsky (1880-1940) auf, der sp\u00e4ter nach Pal\u00e4stina ging und dort Befehlshaber des Irgun wurde, einer radikalen zionistischen K\u00e4mpfertruppe, die dort 1946 das Jerusalemer King David Hotel in die Luft sprengte, weil sie die Briten aus Pal\u00e4stina herausbomben wollten. Sein Nachfolger als Kommandant des Irgun, Menachem Begin, geboren im heute wei\u00dfrussischen Brest, war in den 1970er Jahren Ministerpr\u00e4sident von Israel. Eine Stra\u00dfe weiter verbrachte der j\u00fcdische Schriftsteller Scholem Aleichem (1859-1916) \u00a0Ende des vorletzten Jahrhunderts einige eher ungl\u00fcckliche Jahre. F\u00fcr die Ost-Juden war\u00a0\u00a0Odessa neben der ebenfalls heute ukrainischen Stadt Czernowitz so etwas wie das \u00f6stliche Jerusalem, Heimstadt f\u00fcr Jahrhunderte. Die Geschichte gab denen recht, die hier rechtzeitig Fersengeld gaben, wie Scholem Aleichem und auch Jabotinsky. Rund 30000 Odessiter Juden wurden kurz nach dem deutschen \u00dcberfall auf die Sowjetunion im Herbst 1941 ermordet, wie hunderttausende weitere ukrainische Juden im &#8222;Holocaust durch Kugeln&#8220;. Heute gibt es nur noch eine kleine Gemeinde, viele \u00dcberlebende verlie\u00dfen die Sowjetunion seit den 70er Jahren, nach Israel und Deutschland, nicht mehr auf der Flucht vor Nazis, sondern vor den Kommunisten. Und vor bis heute in ganz Osteuropa sp\u00fcrbarem Antisemitismus. Gab es in Deutschland alles auch. Die Stadt br\u00f6ckelt noch sichtbar aus Sowjetzeit. Auch wenn sie wundersch\u00f6n ist. Wahrzeichen der Stadt ist die breite Hafentreppe, die seit 1955 ganz offiziell \u201ePotemkinsche Treppe\u201c hei\u00dft, nach dem Film \u201ePanzerkreuzer Potemkin\u201c, der sie weltbekannt machte. Odessa war einmal der wichtigste Kriegshafen der russischen Zaren und sp\u00e4ter der Sowjets. Heute ist Odessa ein wichtiges Tor zur Welt f\u00fcr das 46-Millionen-Land, die F\u00e4hren in die T\u00fcrkei und die gro\u00dfen Frachtschiffe legen hier an.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">Unterwegs mit dem Auto in der Ukraine \u2013 das ist vor allem eine Tour \u00fcber die Landstra\u00dfe, mit Alleen bis zum Horizont. Die D\u00f6rfer, durch die ich kam, erinnerten mich an die Welt, von der mir als Kind meine Gro\u00dfmutter erz\u00e4hlte, die 1902 in B\u00f6hmen geboren worden war.\u00a0Da sitzen alte Frauen in Kittelsch\u00fcrzen am Stra\u00dfenrand, bessern mit dem Verkauf von Gurken und Tomaten ihre Rente auf, die oft nur 50 Euro betr\u00e4gt. Immerhin, anders als auf den meisten russischen D\u00f6rfern sind in der Ukraine die Bauernh\u00e4user nicht aus Holz, sondern aus Stein gemauert. Strom wurde zur Sowjetzeit hingelegt, flie\u00dfendes Wasser haben aber bis heute nicht alle H\u00e4user, aber die meisten. \u00a0Mit dem Niedergang der Sowjetunion wurden viele Landarbeiter arbeitslos \u2013 trotz des fruchtbaren Bodens, der ber\u00fchmten ukrainischen \u201cSchwarzerde\u201d unter ihren F\u00fc\u00dfen. Die Tomaten aus den G\u00e4rten der Babuschkas schmecken noch so herrlich erdig wie aus der Zeit vor der Erfindung holl\u00e4ndischer Gew\u00e4chsh\u00e4user.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">Oben in den Bergen, den Karpaten, im Westen des Landes, an der Grenze zu Ungarn und der Slowakei, machte ich ein letztes Mal Station. Mit richtigen Stra\u00dfen, ohne Schlagl\u00f6cher, von denen es hier leider reichlich gibt, s\u00e4he die Gegend aus wie S\u00fcdtirol. In Rachiw in den Karpaten liegt der \u201cgeographische Mittelpunkt Europas\u201d, meinten \u00f6sterreichische Geographen des 19. Jahrhunderts. Ob das nun genau stimmt oder nicht, jedenfalls liegt genau in dieser \u201cMitte\u201d des Kontinents eine seiner naturbelassensten Gegenden. In dem nur von wenigen Stra\u00dfen durchzogenen Karpatenbogen gibt es noch B\u00e4ren und W\u00f6lfe statt wie in den Alpen beschilderte Wanderwege und zahllose Skilifte.<\/p>\n<p style=\"color: #000000;\">Zwei Stunden dauert die Wiedereinreise in die EU. Gleich hinter der Grenze zu Ungarn, 250 Kilometer vor Budapest, f\u00e4ngt die Autobahn an. Das Ger\u00fcttel der ukrainischen Landstra\u00dfen hat ein Ende. Aufs Gas, in sieben oder acht Stunden ist man von hier in Bayern, in Deutschland, f\u00fcr ukrainische Verh\u00e4ltnisse keine Entfernung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>erschienen im Intranet von Hubert Burda Media, 26. August 2014 Von Gerald Praschl Als Reporter bist du meistens da, wo es brennt. Und nicht da, wo es am sch\u00f6nsten ist. 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