define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":746,"date":"2010-04-06T23:53:23","date_gmt":"2010-04-06T21:53:23","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=746"},"modified":"2016-04-06T23:54:27","modified_gmt":"2016-04-06T21:54:27","slug":"erich-loest-und-sein-leipzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=746","title":{"rendered":"Erich Loest und sein Leipzig"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_718\" aria-describedby=\"caption-attachment-718\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-718\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Erich-Loest-Gerald-Praschl-300x200.jpg\" alt=\"Gespr\u00e4ch mit Erich Loest, Leipzig 2006. Foto Yorck Maecke. \" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Erich-Loest-Gerald-Praschl-300x200.jpg 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Erich-Loest-Gerald-Praschl-768x512.jpg 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Erich-Loest-Gerald-Praschl-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-718\" class=\"wp-caption-text\">Gerald Praschl im Gespr\u00e4ch mit Erich Loest\u00a0in seiner Wohnung in\u00a0Leipzig. Foto Yorck Maecke.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Schriftsteller Erich Loest und seine Stadt: Zweimal musste er sie verlassen: Als er in Bautzen eingesperrt wurde und als er frustriert der DDR den R\u00fccken kehrte. Nun ist er wieder da, in der Stadt, der er mit seinen Werken ein Denkmal setzte. Ein Treffen mit ihm im Jahr 2000.<\/p>\n<p>Auf seinem Rundgang durch Leipzig bleibt Erich Loest (74) lange vor der Bronze- Skulptur in der Grimmaischen Stra\u00dfe stehen. &#8222;Der Jahrhundert-Schritt&#8220; hei\u00dft das Werk von Wolfgang Mattheuer. Eine Figur ohne Kopf. Die linke Hand zur Arbeiterfaust der Kommunisten geballt, die rechte zum Hitlergru\u00df erhoben. Kopflos vorw\u00e4rts marschierend, in den Abgrund. Die Skulptur verk\u00f6rpert auch ein St\u00fcck seines Lebens. In seiner Jugend war Loest begeisterter Hitlerjunge. Sp\u00e4ter, in den 50ern, ein ebenso begeisterter SED-Sozialist. &#8222;Ein doppelt Verf\u00fchrter&#8220;, bekennt Loest.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir gehen hinunter in &#8222;Auerbachs Keller&#8220;, wo Loest gern gesehener Stammgast ist. Wirt Ulrich Reinhardt (42) deckt gleich auf, Quarkkeulchen, ein Gl\u00e4schen Freyburger Portugieser. Die Rast hat er sich verdient. Den ganzen Tag schon ist Loest mit den SUPER ILLU-Reportern unterwegs zu &#8222;seinen&#8220; Pl\u00e4tzen in Leipzig.\u00a0Dazu musste er die vielen Stufen hochsteigen auf die Empore der Nikolaikirche.<\/p>\n<p>Im Herbst 1989 sa\u00df er im Westen, durfte nicht einreisen. Erst im Dezember 1989 lie\u00dfen ihn die Beh\u00f6rden wieder in die DDR. Aber sp\u00e4ter, 1994, hat er \u00fcber die friedliche Revolution einen ber\u00fchmten Roman geschrieben, der dann verfilmt wurde: Nikolaikirche.<\/p>\n<p>Viele Orte, die Loest mit Leipzig verbinden, sind verschwunden. Der alte Stasi-Knast, wo er 1957 in U-Haft sa\u00df, ist abgerissen. Auch die Redaktion der Leipziger Neuesten Nachrichten, in der er bis 1950 arbeitete. Hier steht jetzt das neue Verlagshaus der Leipziger Volkszeitung aus Glas und Stahl. Ins Reichsgericht kommen wir erst gar nicht rein. Alles Baustelle. Nur drau\u00dfen am V\u00f6lkerschlachtdenkmal hat sich nichts ver\u00e4ndert. Loest setzt sich auf eine Parkbank und deutet zum S\u00fcdfriedhof: &#8222;F\u00fcr den alten Loest ist da sicher noch ein Pl\u00e4tzchen frei.&#8220;<\/p>\n<p>Am Augustusplatz erz\u00e4hlt er vom 30. Mai 1968, als hier die Paulinerkirche gesprengt wurde, weil sie der sozialistischen Architektur der neuen Zeit im Wege stand. In seinem Buch &#8222;V\u00f6lkerschlachtdenkmal&#8220; schrieb er von diesem Tag: &#8222;Ich sp\u00fcrte das Vibrieren, bevor ich den Knall h\u00f6rte. Das Beben lief durch die Erde und die Mauern hinauf. In einem Stockwerk \u00fcber mir begann ein Mann zu singen: Eine feste Burg ist unser Gott. Durch den Spalt zwischen den Glasziegelschichten wehte Steinstaub.&#8220;<\/p>\n<p>Steinstaub weht auch heute \u00fcber den Augustusplatz. \u00dcberall wird gebaut. Gerne schlendert Loest vorbei an den neuen schicken L\u00e4den und Caf\u00e9s in Specks Hof oder den M\u00e4dlerpassagen, wo er sich zu einem Kaffee niederl\u00e4\u00dft. &#8222;Was seit der Wende hier wieder hergerichtet wurde, ist schon ungeheuer. Der Hauptbahnhof oder die neue Messe. Noch ein paar Jahre l\u00e4nger und hier w\u00e4re nichts mehr zu retten gewesen.&#8220;<\/p>\n<p>Seine Bonner Zweitwohnung hat Loest vor 2 Jahren aufgegeben, ist nun ganz in Leipzig zur\u00fcck. Ende eines langen Weges von Bautzen \u00fcber Bonn nach Hause. &#8222;Wie sch\u00f6n, dass nun alles vorbei ist&#8220;, schrieb er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schriftsteller Erich Loest und seine Stadt: Zweimal musste er sie verlassen: Als er in Bautzen eingesperrt wurde und als er frustriert der DDR den R\u00fccken kehrte. Nun ist er wieder da, in der Stadt, der er mit seinen Werken ein Denkmal setzte. Ein Treffen mit ihm im Jahr 2000. 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