define('DISALLOW_FILE_EDIT', true);
define('DISALLOW_FILE_MODS', true);{"id":860,"date":"2006-04-27T23:44:37","date_gmt":"2006-04-27T21:44:37","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldpraschl.de\/?p=860"},"modified":"2016-04-30T01:16:46","modified_gmt":"2016-04-29T23:16:46","slug":"das-leben-des-zoran-djindjic","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=860","title":{"rendered":"Der Mann, der Milosevic st\u00fcrzte: Das Leben des Zoran Djindjic"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Zoran-Djindjic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-861 size-medium\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Zoran-Djindjic-215x300.jpg\" alt=\"Zoran Djindjic\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Zoran-Djindjic-215x300.jpg 215w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Zoran-Djindjic.jpg 429w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a>\u201eSerbien war die Bastion, die die europ\u00e4ische Kultur, Religion und die europ\u00e4ische Gesellschaft insgesamt verteidigt hat. Deshalb ist es ungerecht und sogar unhistorisch und absurd, heute \u00fcber Serbiens Zugeh\u00f6rigkeit zu Europa zu diskutieren. Serbien war immer ein Teil von Europa und genau wie fr\u00fcher auf seinem eigenen Weg, aber auf einem Weg, der seinem historischen Gef\u00fchl, seiner W\u00fcrde entsprach. In diesem Sinne bauen wir eine Gesellschaft auf, die reich und demokratisch ist, die ihren Beitrag leistet zum Gemeinwohl dieses wunderbaren Gebietes, eines ungerecht leidenden Landes, das aber mit seinen progressiven Menschen dazu beitragen wird, eine bessere und gl\u00fccklichere Welt zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/?p=895\">\u041e\u0432\u0430\u0458 \u0442\u0435\u043a\u0441\u0442 \u043d\u0430 \u0441\u0440\u043f\u0441\u043a\u043e\u043c \u0458\u0435\u0437\u0438\u043a\u0443<\/a><\/p>\n<p>Diese Worte k\u00f6nnten auch von Zoran Djindjic stammen. Gerne bediente er sich \u2013 vor allem bei Reden, die er in seiner serbischen Muttersprache hielt, dem \u201eserbischen\u201c Thema, um in die Herzen seiner durch die &#8222;nationale Katastrophe Serbiens&#8220;, vier faktisch verlorene Kriege zwischen 1991 bis 1999 und ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, \u00a0oft bedr\u00fcckten und etwas\u00a0orientierungslosen Landsleute zu dringen. Das Zitat stammt aber vom lebenslangen Erzfeind Djindjics: dem serbischen Kommunistenf\u00fchrer Slobodan Milosevic. Es ist Teil der Rede, die Milosevic am 28. Juni 1989 vor 2 Millionen angereisten Serben auf dem Amselfeld bei Pristina hielt. Das martialische Medienereignis, bei dem Milosevic damals in dunklen Andeutungen das \u201eSchicksal der Serben\u201c beschwor, machte allen nichtserbischen Einwohnern des damaligen Jugoslawiens berechtigterweise Angst und lie\u00df in ihnen eine dunkle, leider\u00a0zutreffende Vorahnung von gro\u00dfem Unheil aufsteigen. Wie blanker Hohn klingt mit dem Wissen von heute der Appell, mit dem Milosevic seine Ansprache am 28. Juni 1989 schloss: \u201eLang lebe der Frieden und die Br\u00fcderschaft zwischen den V\u00f6lkern!\u201c<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der 28. Juni hei\u00dft im serbischen \u201eVidovdan\u201c, es ist der Tag des slawischen Nationalheiligen Sankt Veit. Er war f\u00fcr Serbien stets ein ganz besonderes Datum. Am Sankt-Veits-Tag des Jahres 1389 unterlagen die slawischen Krieger des serbischen K\u00f6nigs Lazar und seines Heerf\u00fchres Milos Obilic auf dem Amselfeld bei Pristina der Armee des t\u00fcrkischen Sultans. \u00dcber 500 Jahre lang fiel der gesamte Balkan unter die Herrschaft der muslimischen Osmanen. Bis heute schm\u00fccken Gem\u00e4lde vom tragischen Heldentod der serbischen Verteidiger des christlichen Abendlands auf dem Amselfeld viele Wohnzimmer serbischer Familien. Alle Pathetik und Geschichtsf\u00e4lschung weggerechnet, ist die Geschichte der Schlacht auf dem Amselfeld ein gewichtiges und interessantes St\u00fcck nationaler Identit\u00e4t dieses Landes. Nach dem Niedergang der Osmanen griff zu Anfang des 20. Jahrhunderts \u00d6sterreich-Ungarn nach der Macht im S\u00fcdosten Europas. Am Sankt-Veits-Tag des Jahres 1914 erschoss der serbische Nationalist Gavrilo Princip in Sarajevo den \u00f6sterreichischen Thronfolger\u00a0Franz Ferdinand. Nach vier Jahren Weltkrieg war \u00d6sterreich-Ungarn von der Landkarte verschwunden und der serbische K\u00f6nig Alexander Karadjordevic begr\u00fcndete das s\u00fcdslawische Reich der Serben, Kroaten und Slowenen, das seit 1929 \u201eJugoslawien\u201c hie\u00df und unter serbischer F\u00fchrung stand. So wundert es nicht, dass sich Zoran Djindjic in der kurzer Zeit, in der er an Spitze Serbiens stand, ausgerechnet den Sankt-Veits-Tag, den 28. Juni des Jahres 2001, aussuchte, um der ganzen Welt zu demonstrieren, da\u00df f\u00fcr Serbien eine neue, bessere Zeit begonnen habe. An diesem Tag lie\u00df er den entmachteten Slobodan Milosevic durch Sondereinheiten der Polizei aus seiner Belgrader Villa holen und lieferte ihn dem \u201eInternationalen Kriegsverbrechertribunal f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien\u201c ICTY aus.<\/p>\n<p><strong>Djindjics Serbien: Kleines Land am Rande Europas<\/strong><\/p>\n<p>Solange der skrupellose Potentat Milosevic Krieg, Tod und Willk\u00fcr \u00fcber den Balkan verbreitete, stand die Region im Mittelpunkt internationalen Interesses. Die Regierungen in Washington, Moskau und Peking besch\u00e4ftigten sich damit, die NATO-Zentrale in Br\u00fcssel, die europ\u00e4ischen Staatschefs, Geheimdienste, der Papst in Rom, die CNN-Sendezentrale im fernen Atlanta. Talkshows auf allen Kan\u00e4len pr\u00e4sentierten Gener\u00e4le, Politiker und Professoren als \u201eBalkanexperten\u201c. An deutschen Stammtischen pl\u00e4tscherten zwischen den Fu\u00dfballergebnissen des Wochenendes und schmuddeligen Witzen zungenbrecherisch-vokalarme Namen s\u00fcdslawischer St\u00e4dte oder Politiker locker und fl\u00fcssig \u00fcber den Tisch. Und Hunderttausende demonstrierten auf den Stra\u00dfen Europas gegen \u201eBomben auf Serbien\u201c. Weder vor noch nach Milosevic geno\u00df Serbien so gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Seit Milosevic in seiner Gef\u00e4ngniszelle sitzt, ist Serbien wieder das, was es immer war: Ein kleines, landschaftlich idyllisches, aber wirtschaftlich und gesellschaftlich zerr\u00fcttetes Land auf der Schattenseite Europas. Was Zoran Djindjic in nur zwei Jahren als serbischer Ministerpr\u00e4sident an zukunftsweisender Politik f\u00fcr sein Land machte, tauchte in den Politik-Teilen westlicher Zeitungen allenfalls noch als gelegentliche Kurzmeldung auf. Ironie der Geschichte, das ausgerechnet sein gewaltsamer Tod Serbien endlich wieder auf die Titelseiten r\u00fcckte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_902\" aria-describedby=\"caption-attachment-902\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2006\/04\/Djindjic-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-902 size-medium\" src=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2006\/04\/Djindjic-Kopie-300x212.jpg\" alt=\"Autor Gerald Praschl (l.) und Journalistenkollege Carsten Seim (r.) mit Zoran Djindjic bei einem Treffen in Berlin im Herbst 1999 \" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2006\/04\/Djindjic-Kopie-300x212.jpg 300w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2006\/04\/Djindjic-Kopie-768x543.jpg 768w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2006\/04\/Djindjic-Kopie-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/geraldpraschl.de\/wp-content\/uploads\/2006\/04\/Djindjic-Kopie.jpg 1040w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-902\" class=\"wp-caption-text\">Autor Gerald Praschl (l.) und Journalistenkollege Carsten Seim (r.) mit Zoran Djindjic bei einem Treffen in Berlin im Herbst 1999 &#8211; wie man auf dem Foto gut sehen kann auf dem H\u00f6hepunkt des Nokia-Zeitalters. &#8222;Serbia is like Nokia, it gets smaller every year&#8220;, war ein auch in Serbien verbreiteter Witz der sp\u00e4ten Milosevic-Jahre<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Vom Offizierssohn zum Dissidenten<\/strong><\/p>\n<p>Zoran Djindjic wurde am 1. August 1952 als Sohn eines dort stationierten serbischen Offiziers der Jugoslawischen Bundesarmee in Bosanski Samac geboren, einer \u00fcberwiegend von Kroaten bev\u00f6lkerten Kleinstadt am Flu\u00df Save im \u00e4u\u00dfersten Norden Bosniens. Anfang der 70er Jahre begann er ein Studium der Philosophie an der Universit\u00e4t Belgrad. Durch seine \u00dcberzeugungskraft, aber auch durch seine F\u00e4higkeit zu machtpolitischer Strategie wurde er zu einer F\u00fchrungsfigur unter den Studenten. 1974 versuchte er, an der Universit\u00e4t eine von den kommunistischen Massenorganisationen unabh\u00e4ngige Studenten-Organisation zu gr\u00fcnden. Das brachte ihm nicht nur die Exmatrikulation, sondern auch eine mehrmonatige Haftstrafe ein. Nach seiner Haftentlassung ging er nach Deutschland, wo er zun\u00e4chst an der Universit\u00e4t Frankfurt\/Main, sp\u00e4ter an der Universit\u00e4t Konstanz weiter Philosophie studierte. Einer seiner Professoren war J\u00fcrgen Habermas. Aus seiner Studienzeit in Frankfurt\/Main erz\u00e4hlte Djindjic oft und gern die liebenswerte Anekdote von seinem bevorzugten Laden f\u00fcr philosophische B\u00fccher, der Frankfurter \u201eKarl-Marx-Buchhandlung\u201c, wo er den damaligen Buchverk\u00e4ufer Joschka Fischer kennengelernt habe. Das Schicksal sollte die beiden zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter wieder zueinander f\u00fchren und in enger Freundschaft verbinden. Damals unterschieden sich nicht nur ihre politischen Ziele, sondern auch die Vorstellung, wie diese umzusetzen seien. Der junge Djindjic vertrat trotz der im Vergleich zum damaligen Westdeutschland weit schwierigeren Verh\u00e4ltnisse in seiner Heimat die Meinung, da\u00df nur ein demokratischer, b\u00fcndnisorientierter und gewaltfreier Weg sein Land ver\u00e4ndern k\u00f6nne. Der junge Joschka Fischer mu\u00dfte das noch lernen, erfolgreich, wie die Geschichte zeigte. 1979 promovierte Djindjic bei Professor Alfred Wellmer in Konstanz zum Thema \u201eMarx\u2019 kritische Gesellschaftstheorie und Begr\u00fcndungsproblematik\u201c. Unmittelbar danach kehrte er nach Jugoslawien zur\u00fcck. Trotz seiner politischen \u201eVorstrafe\u201c bekam er eine Dozentenstelle an der Universit\u00e4t von Novi Sad und wurde nach der Aufweichung des kommunistischen Systems nach Titos Tod 1980 dort Professor. In den 80er Jahren engagierte er sich zunehmend politisch, au\u00dferhalb der Staatspartei des \u201eBundes der Kommunisten Jugoslawiens\u201c. So kritisierte er \u00f6ffentlich die von zahlreichen serbischen Politikern vertretene, im Volk sehr popul\u00e4re Forderung nach einer Aufhebung des Autonomie-Status f\u00fcr das von Albanern besiedelte Kosovo und vertrat eine weniger serbisch-nationalistische Linie.<\/p>\n<p><strong>Das System Milosevic: Wahlf\u00e4lschung und Volksverhetzung<\/strong><\/p>\n<p>In den 80er Jahren wurde die Bundesrepublik Jugoslawien zunehmend von einem rapiden wirtschaftlichen Niedergang und nationalen Spannungen ersch\u00fcttert. 1986\/1987 st\u00fcrzte eine erste Hyperinflation vor allem die \u201ekleinen Leute\u201c in Armut und Not. Nationale Spannungen in dem einst unter serbischer und sp\u00e4ter kommunistischer F\u00fchrung stehenden Vielv\u00f6lkerstaat hatte es immer gegeben. Der wirtschaftliche Zusammenbruch des Landes schwemmte nun aber Populisten an die Spitze, die bald entdeckten, da\u00df mit serbisch nationalen T\u00f6nen mehr Einflu\u00df im Volk zu gewinnen sei als mit kommunistischen Phrasen. Der damalige KP-Chef der Teilrepublik Serbien, Slobodan Milosevic, spielte dieses Klavier am erfolgreichsten. Bei den ersten Mehrparteiwahlen in Jugoslawien 1990 errang seine serbische KP, die sich nun \u201eSozialistische Partei Serbiens\u201c SPS nannte, einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Sieg. Erst bei den n\u00e4chsten Wahlen 1992 (bei denen Milosevic Wahlf\u00e4lschung vorgeworfen wird), gewannen auch Politiker anderer Parteien mehr Einflu\u00df im Parlament, die allerdings einen noch wesentlich radikaleren Nationalismus vertraten: die serbisch-monarchistische \u201eSerbische Erneuerungsbewegung\u201c SPO von Vuk Draskovic und die \u201eSerbische Radikale Partei\u201c SRS von Vojislav Seselj. Die Partei, die Zoran Djindjic und andere \u00fcberwiegend aus Hochschulkreisen stammende Politiker 1990 aus der Taufe gehoben hatten, war in dieser Zeit nur ein Mauerbl\u00fcmchen: Die \u201eDemokratische Partei\u201c DS. Sie errangt bei den ersten Parlamentswahlen 1990 aber immerhin sieben der 249 Mandate. Da\u00df Milosevics SPS mit 46 Prozent der Stimmen 194 Mandate (77,6 % aller Parlamentssitze) holte, lag an dem von der ehemaligen Staats-Partei festgelegten Mehrheitswahlsystem, mit dem die Ex-Kommunisten ihre Macht erhalten wollten. Die jugoslawischen Wahlen von 1990 brachten aber auch noch ein anderes wichtiges Ergebnis: Trotz des die Ex-Kommunisten mit ihrer landesweit fl\u00e4chendeckenden Organisation beg\u00fcnstigenden Wahlsystems errang in der Teilrepublik Kroatien der neugegr\u00fcndete \u201eKroatische Demokratische Block\u201c HDZ des unter Tito als \u201ekroatischer Separatist\u201c verfolgten ehemaligen Armee-Generals Franjo Tudjman einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Sieg mit 55 der 80 Sitze im kroatischen Regionalparlament. Die Aufl\u00f6sung Jugoslawiens war durch den Wahlsieg der sich vorwiegend ethnisch definierender Parteien auf beiden Seiten nur noch eine Frage der Zeit. Der Nationalit\u00e4tenkonflikt und das Auseinanderbrechen des Landes stellten alle eigentlich viel wichtigeren Themen des Landes, die zerr\u00fcttete wirtschaftliche Lage, die Verarmung der Bev\u00f6lkerung und die bald ausufernde Kriminalit\u00e4t und Korruption in den Schatten. Mit Reden, die die Demokratisierung des Landes nach westlichem Muster oder einen \u201eWeg Serbiens nach Europa\u201c in den Mittelpunkt stellten, war auf der politischen B\u00fchne Serbiens kein Preis zu gewinnen, auch deshalb nicht, weil das Milosevic-Regime wie einst zu kommunistischen Zeiten praktisch alle Massenmedien des Landes kontrollierte.<\/p>\n<p><strong>Djindjics Haltung im Bosnienkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Auch Zoran Djindjic bediente sich in dieser Zeit zunehmend serbisch-nationaler T\u00f6ne, vor allem in Interviews mit serbischen Medien und in Reden in seiner Landessprache. Als sich der zun\u00e4chst zwischen Kroatien und Serbien entfesselte Krieg im Fr\u00fchjahr 1992 auch nach Bosnien ausweitete, forderte Djindjic einen \u201egemeinsamen Staat f\u00fcr alle Serben\u201c und damit eine ethnische Teilung Bosniens. In der Kosovo-Frage trat er nicht l\u00e4nger f\u00fcr eine Autonomie f\u00fcr die dortige albanische Mehrheit ein, sondern forderte mit seiner Partei sogar Ma\u00dfnahmen zur Begrenzung der hohen Geburtenrate der Kosovo-Albaner. Als unter dem Eindruck der Massaker, die serbische Artillerie im belagerten Sarajevo anrichtete, die NATO von den Serben ultimativ den Abzug aller schweren Waffen auf dem Umfeld von Sarajevo forderte, fuhr Djindjic sogar demonstrativ in das bosnisch-serbische Hauptquartier nach Pale, um Solidarit\u00e4t f\u00fcr die harte Haltung des dortigen Serben-F\u00fchrers Radovan Karadzic zu zeigen. Und als kurz vor Kriegsende 1995 der serbische Pr\u00e4sident Milosevic auf internationalen Druck hin auf Distanz zu den von Karadzic angef\u00fchrten bosnischen Serben ging, trat Djindjic in Interviews mit serbischen Zeitungen weiter f\u00fcr eine Konf\u00f6deration der bosnischen Serben-Republik mit dem nunmehr nur noch aus Serbien und Montenegro bestehenden Jugoslawien ein. Seinem Opportunismus, dessen Ziel es war, Milosevic die Macht abzujagen und Serbien auf einen neuen Weg zu f\u00fchren, waren in dieser Zeit keine Grenzen gesetzt. In Zeitungsinterviews und bei Gespr\u00e4chen mit Politikern im westlichen Ausland dagegen war ein ganz anderer Zoran Djindjic zu bewundern. Dort erkl\u00e4rte er charismatisch und in flie\u00dfendem Deutsch oder Englisch sein Ziel eines demokratischen, weltoffenen, prosperierenden Serbien mit westlicher Bindung. An seinem Eintreten f\u00fcr eine faktische Annexion der serbischen Gebiete von Bosnien durch Serbisch-Rest-Jugoslawien hielt er aber auch auf internationalem Parkett fest, auch wenn das dort keiner h\u00f6ren wollte. Von einem \u201emultiethnischen Staat\u201c, wie ihn die westliche Staatengemeinschaft seit ihrer Intervention in Bosnien 1995 auf jeden Fall erhalten will, riet er dringend ab. Er forderte stattdessen klare, international garantierte Grenzen zwischen den Ethnien des Landes. Der Krieg habe zu viel Ha\u00df hinterlassen, als das die Menschen nun einfach wieder in einem Staat zusammenleben k\u00f6nnten. Klar definierte Grenzen zwischen den Ethnien k\u00f6nnten viel eher dazu beitragen, so argumentierte er, dauerhaft f\u00fcr Frieden zu sorgen. Wenn die Menschen auf beiden Seiten der Grenze erst lange genug voneinander unabh\u00e4ngig gelebt h\u00e4tten, w\u00fcrden sie schon erkennen, da\u00df es ihnen wirtschaftlich und politisch nur Vorteile bringe, gute diplomatische Beziehungen zu unterhalten und friedlich miteinander Handel und Kulturaustausch zu treiben.<\/p>\n<p><strong>Djindjic als B\u00fcrgermeister von Belgrad<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr sein Lebensziel, ein demokratisches, prosperierendes Serbien in der politischen Mitte Europas, das von seinem tiefen Patriotismus getragen war, w\u00e4re Djindjic auch bereit gewesen, mit dem Teufel zu paktieren. Das stellte er 1996 eindrucksvoll unter Beweis, als er zusammen mit dem zweifelhaften serbisch-monarchistischen Politiker Vuk Draskovic und dessen Partei SPO ein Wahlb\u00fcndnis einging, da\u00df sich \u201eZajedno\u201c (\u201eGemeinsam\u201c) nannte und dessen Ziel es war, Milosevic so schnell wie m\u00f6glich zu st\u00fcrzen. Obwohl Pressezensur und Wahlmanipulationen andauerten, errang \u201eZajedno\u201c bei den n\u00e4chsten Wahlen am 3. November 1996 einen gro\u00dfen Erfolg. Milosevic blieb zwar an der Macht. Aber landesweit lag \u201eZajedno\u201c bei 23,8 Prozent der Stimmen. Und in der \u2013 anders als in weiten Teilen des Landes \u2013 von aufgekl\u00e4rtem B\u00fcrgertum gepr\u00e4gten Hauptstadt Belgrad holte \u201eZajedno\u201c sogar die Mehrheit. Damit stand dem Wahlb\u00fcndnis von Djindjic und Draskovic das Amt des Oberb\u00fcrgermeisters zu. Milosevic lie\u00df die Wahl jedoch mit einem manipulierten Gerichtsbeschlu\u00df kurzerhand f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4ren, worauf die Belgrader auf die Stra\u00dfe gingen. Von Anfang November 1996 bis zum Februar 1997 fanden t\u00e4glich Massendemonstrationen statt, die die Anerkennung des Wahlergebnisses forderten. Es waren Demonstrationen gegen das Regime in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung, wie sie die Stadt noch nicht erlebt hat. In den Reden, die Djindjic bei diesen Demonstrationen hielt, bestach er sogar in dieser revolution\u00e4ren Situation durch rationale Argu-mente und moderates, aber in der Sache bestimmtes Auftreten. F\u00fcr ein Land, das bis dahin von Politikern bestimmt war, die in ihren Reden am liebsten schimpften und polterten, patri-archalisch Schultern klopften, ihre W\u00e4hler mit billigem Schnaps abf\u00fcllten und sie aus alter Gewohnheit Kampf-Duzten, war Zoran Djindjic auch ein gro\u00dfer Lehrer f\u00fcr politische Kultur. Nach 75 Tagen ununterbrochener und mit Ausnahme von \u00dcbergriffen der serbischen Polizei friedlichen Demonstrationen, die international hohe Aufmerksamkeit erfuhren und f\u00fcr inter-nationalen Druck auf Milosevic sorgten, wurde die Wahl anerkannt und Zoran Djindjic im Februar 1997 zum ersten nichtkommunistischen Oberb\u00fcrgermeister von Belgrad seit 1945 ernannt. Als erste Amtshandlung lie\u00df Djindjic den roten Stern, Symbol der jugoslawischen Kommunisten, vom Rathausdach entfernen. Djindjic blieb nur 7 Monate im Amt, denn das Oppositionsb\u00fcndnis mit dem manischen Populisten Draskovic zerbrach sehr schnell. Gleichzeitig war Djindjic zahlreichen Schikanen des Regimes ausgesetzt. Er hatte aber gezeigt, da\u00df der Sturz des \u201eOld-Boys-Network\u201c der Alt-Kommunisten, Kriegsgewinnler und Kriminellen mit demokratischen Mitteln m\u00f6glich war. Interessant in diesem Zusammenhang \u2013 weil sicherlich vergleichbar mit der Situation in anderen L\u00e4ndern, die unter Gewaltherrschaft leiden \u2013 ist die Strategie, die damals in Belgrad erstmals zum Erfolg f\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>Djindjics Politik gegen\u00fcber dem Westen<\/strong><\/p>\n<p>Das au\u00dfenpolitische Fiasko des Milosevic-Regimes wurde f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Serben nach dem 1995 erzwungenen \u201eFriedensschlu\u00df von Dayton\u201c offenbar. Nach dem Scheitern der Friedenspolitik der UN und der Europ\u00e4ischen Union im Bosnienkonflikt erzwangen die USA und ihre Nato-Verb\u00fcndeten durch mehrt\u00e4gige Bombenangriffe auf serbische Stellungen in Bosnien und gleichzeitigem diplomatischen Druck auf die bereits in den Jahren zuvor mit US-Hilfe aufger\u00fcsteten zwei anderen Kriegsparteien der Kroaten und der bosnischen Muslime alle Seiten an den Verhandlungstisch. Das Friedensabkommen von Dayton\/Ohio, das den Bosnienkrieg dauerhaft beendete, f\u00fchrte zu einem aus Sicht aller bisherigen Milosevic-Anh\u00e4nger sehr unvorteilhaftem Ergebnis. Alle serbischen Gebiete in Kroatien blieben dauerhaft Staatsgebiet Kroatiens, alle serbischen Gebiete in Bosnien Teil des Bosnischen Staates. Was weder das UN-Embargo gegen Serbisch-Rest-Jugoslawien noch der rapide Verfall der serbischer Wirtschaft als Folge des Krieges geschafft hatten, trat erstmals ein: ein Stimmungsumschwung zuungunsten des Regimes. Djindjic schaffte es, mit Hinweis darauf, da\u00df seine Politik einer Ann\u00e4herung an den Westen den Serben mehr Nutzen bringe als eine Konfrontation, zumindest gebildetere Kreise der Bev\u00f6lkerung auf seine Seite zu ziehen. Ganz \u00e4hnlich wie die Oppositionsbewegungen gegen die osteurop\u00e4ischen Kommunisten 1989\/90 setzte Djindjic auf einen gewaltlosen Wechsel, obwohl er es mit einem durch Krieg und Geheimdienstmorde vergleichsweise abgebr\u00fchtem Regime zu tun hatte. Er tat dies auch aus pragmatischen Gr\u00fcnden. Seine \u00fcberwiegend b\u00fcrgerlichen Unterst\u00fctzer in den Gro\u00dfst\u00e4dten w\u00e4ren einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung mit dem Regime schwerlich gewachsen gewesen. Au\u00dferdem h\u00e4tte Djindjic damit sein wichtigstes Ziel, Serbien zu einer friedlichen, pluralistischen Demokratie umzugestalten, bereits im Keim erstickt. \u201eErziehung zur Demokratie\u201c war sein wichtigstes Anliegen, ein undemokratischer Machtwechsel h\u00e4tte es unglaubw\u00fcrdig gemacht. Au\u00dferdem setzte Djindjic von Anfang an auf die politische und finanzielle Unterst\u00fctzung der westeurop\u00e4ischen Demokratien, die er durch willk\u00fcrliche Gewaltma\u00dfnahmen aufs Spiel gesetzt h\u00e4tte. Nach Djindjics erstem Wahlerfolg 1996\/97 war es auch der diplomatische Druck der \u201eApeasement\u201c-Politiker Westeuropas, der Milosevic zum Einlenken bewegte. Insbesondere die deutsche und die franz\u00f6sische Regierung hatten nach dem vorl\u00e4ufigen Kriegsende 1995 wieder intensive Kontakte nach Belgrad gekn\u00fcpft. 1996 reiste der damalige Bundes-au\u00dfenminister Klaus Kinkel zu Milosevic und r\u00fchmte sich hinterher, dem Diktator gute Tips gegeben zu haben, wie er sein angeknackstes Ansehen im Westen wieder verbessern k\u00f6nne. Gn\u00e4dig sah man dabei \u00fcber die schrecklichen Massaker hinweg, die die von Belgrad aufger\u00fcstete serbische B\u00fcrgerkriegsarmee in Bosnien zuletzt erst 1995, zum Beispiel im ostbosnischen Srebrenica, angerichtet hatte. Dort waren etwa 8000 moslemische M\u00e4nner von der Armee der \u201eSerbska Republika\u201c unter Ratko Mladic gefangengenommen, in Fu\u00dfballstadien ermordet und mit Bulldozern in Massengr\u00e4bern verscharrt worden. Es war der gr\u00f6\u00dfte Fall von V\u00f6lkermord in Europa au\u00dferhalb der Sowjetunion seit Ende des Zweiten Weltkriegs.<\/p>\n<p><strong>Wer hatte recht: Die Falken oder die Tauben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik der &#8222;Tauben&#8220;, mit einer verst\u00e4ndnisvollen Politik gegen\u00fcber dem Milosevic-Regime einen Wandel zu bewirken, darf dennoch heute als schrecklicher Fehler des Westens bezeichnet werden. Der Diktator verstand sie als Freibrief f\u00fcr weitere &#8222;Feldz\u00fcge&#8220; gegen die nationalen Minderheiten Ex-Jugoslawiens. Milosevic brauchte innenpolitische Erfolge und entschloss sich, daf\u00fcr den in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Ha\u00df auf die albanische Minderheit in Serbien zu nutzen. Die meisten der \u00fcber 2 Millionen Albaner des 10-Millionen-Landes Serbien leben im Kosovo, einem Gebiet, das v\u00f6lkerrechtlich Teil Serbiens ist. Sie stellen dort die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit. Gleichzeitig ist die Region Kosovo aber geschichtlich das Stammland der serbisch-orthodoxen Kirche und daher eng mit der serbischen Geschichte verbunden. Ermuntert durch die schrittweise Aufl\u00f6sung der internationalen Isolation seines Regimes entschloss sich Milosevic, gegen die seit zwei Jahr-zehnten von Belgrad ohnehin unterdr\u00fcckte und nunmehr immer aufst\u00e4ndischere albanische Minderheit im Kosovo mit h\u00e4rtesten Mitteln vorzugehen. Irregul\u00e4re serbische Privat-Armeen, darunter die \u201eTiger\u201c des Kriminellen Arkan Raznatovic und die \u201eWei\u00dfen Adler\u201c des Exremistenf\u00fchrers Vojslav Seselj bekamen freie Hand f\u00fcr Pogrome gegen die Kosovo-Albaner. Von staatlicher Seite kamen weitere Schikanen hinzu. Krankenh\u00e4user und die Universit\u00e4t im Kosovo durften keine Albaner mehr aufnehmen. Die letzten Albaner flogen aus dem Polizei- und Staatsdienst bzw. wurden in Staatsbetrieben diskriminiert. Erst das \u201eMassaker von Racak\u201c schreckte den Westen erneut auf. Die \u201eOrganisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa\u201c, entsandte etwa 2000 \u201eOSZE-Beobachter\u201c in die Region. Gleichzeitig wurden, legimitiert durch eine UN-Resolution, Truppen verschiedener westlicher L\u00e4nder im Nachbarland Makedonien stationiert, nicht etwa um die Kosovo-Albaner zu sch\u00fctzen, sondern um im Konfliktfall die 2000 OSZE-Beobachter aus dem Kosovo zu evakuieren. Das internationale Aufgebot konnte aber weder das Ende der Verfolgung von Kosovo-Albanern durch das serbische Regime erreichen, noch verhindern, da\u00df paramilit\u00e4rischen Gruppen der Kosovo-Albaner, insbesondere der \u201eUCK\u201c ebenfalls Waffengewalt gegen Serben im Kosovo anwandten.<\/p>\n<p><strong>Zoran Djindjics Taktieren im Kosovo-Krieg 1999<\/strong><\/p>\n<p>Erst jetzt begann die Nato auf Dr\u00e4ngen der USA als Gegenma\u00dfnahme den Luftkrieg gegen Serbien. Ein Bombardement \u201estrategischer Ziele\u201c in ganz Serbien sollte Milosevic zwingen, seine Truppen abzuziehen und Kosovo unter internationale Kontrolle zu stellen. F\u00fcr Zoran Djindjic begann die schwierigste Zeit seiner politischen Karriere. Der Angriff der Nato auf Rest-Jugoslawien bewirkte eine Solidarisierung der Bev\u00f6lkerung mit dem Regime. Bei der Milosevic-F\u00fchrung sowie weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung fielen nun auch alle moralischen Schranken. Zu Ostern 1999 begannen serbische Guerilla-Truppen, systematisch alle albanischen H\u00e4user im Kosovo zu durchk\u00e4mmen. Sie trieben die Bewohner auf die Stra\u00dfen, be-m\u00e4chtigten sich aller auf die Schnelle auffindbaren Wertsachen in den H\u00e4usern, und \u00fcberlie\u00dfen diese dann serbischen Nachbarn und einer im Kosovo ebenfalls beheimateten Roma-Minderheit zur Pl\u00fcnderung. Anschlie\u00dfend trieben sie die Bev\u00f6lkerung mit vorhaltender Ma-schinenpistole zum Abtransport. In der Hauptstadt Pristina, wo allein 150 000 Kosovo-Albaner lebten, schaffte man die albanischen Bewohner zum Bahnhof. Dort wurden sie in bereitstehende Z\u00fcge gepfercht und erst am kleinen Bahnhof \u201eGeneral Jankovic\u201c an der Grenze zu Makedonien hinaus gelassen, von wo man sie in Richtung Grenze scheuchte. Mehrere hunderttausend Kosovo-Albaner wurden auf diese Weise deportiert. Viele starben auf dem Transport oder im Chaos ihres tagelangen Ausharrens in der hochgelegenen und eiskalten Grenzregion. In l\u00e4ndlichen Gebieten des Kosovo kam es zu noch schlimmeren \u00dcbergriffen. Zoran Djindjic und der ebenfalls um Ann\u00e4herung an den Westen bem\u00fchte Pr\u00e4sident der kleinen jugoslawischen Teilrepublik Montenegro, Milo Djukanovic hatten wegen der Nato-Bombenangriffe bei der serbischen Bev\u00f6lkerung einen schweren Stand. Sie gerieten bei der ohnehin durch die Propaganda desinformierten und von den Angriffen berechtigterweise erz\u00fcrnten Bev\u00f6lkerung noch st\u00e4rker in den Verdacht, Agenten des Westens zu sein. In den ersten Wochen des NATO-Bombardements auf Jugoslawien, als zun\u00e4chst vor allem rein milit\u00e4rische Ziele angegriffen worden waren, war Djindjic noch bem\u00fcht, weiter B\u00fcndnisse gegen Milosevic zu schmieden, mit Oppositions-Parteien in Serbien und mit Djukanovic. Das nutzte zwar seinem Ansehen im Westen, innenpolitisch jedoch kostete es ihn fast alle Sympathien. Als dann nach zwei Monaten, etwa Mitte Mai 1999, die USA und ihre Nato-Verb\u00fcndeten begannen, auch die Infrastruktur der serbischen Gro\u00dfst\u00e4dte und Industrieanlagen zu zerst\u00f6ren, tauchte Djindjic ab. Nicht in das westliche Ausland, denn das h\u00e4tte seinen Ruch, ein \u201ebezahlter Agent\u201c zu sein, noch verst\u00e4rkt, sondern in die Stille der Bergwelt der kleinen, von seinem Verb\u00fcndeten Djukanovic teilweise kontrollierten jugoslawischen Teilrepublik Montenegro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als schon alle wichtigen Geb\u00e4ude der Belgrader Ministerien, die Strom- und Wasserversorgung der Stadt, Schl\u00fcsselindustrien wie die Waffen- und Autofabrik \u201eZastava\u201c in Kragujevac und viele wichtigen Stra\u00dfen-, Bahn- und Autobahnverbindungen Serbiens zerst\u00f6rt und zwischen 1000 (US-Angaben) und 5000 (YU-Angaben) zivile Opfer in Serbien zu beklagen waren, lenkte Milosevic Anfang Juni 1999 pl\u00f6tzlich ein. Er zog alle seine Truppen aus Kosovo ab, stimmte einem internationalen Protektorat, wie es dort heute existiert, zu. Offenbar hatte er erst jetzt, nach fast drei Monaten Bombenkrieg, jede Hoffnung verloren, ohne ein Einlenken den Konflikt politisch und physisch zu \u00fcberleben. Die \u201eFalken\u201c unter den westlichen Politikern hatten gewonnen. Doch den letzten Schritt, einen gewaltsamen Sturz des Belgrader Regimes, der wahrscheinlich einen Einmarsch erfordert h\u00e4tte, vollzogen sie nicht.<\/p>\n<p><strong>Djindjic und der Sturz des Milosevic-Regime<\/strong><\/p>\n<p>Schon wenige Monate nach dem Friedenschlu\u00df vom Juni 1999 war vom Kosovo-Konflikt in Serbien nicht mehr die Rede. Eine gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung hatte sich damit abgefunden, da\u00df die Region, die die meisten Serben nie mit eigenen Augen gesehen hatten, f\u00fcr Serbien ohnehin verloren sei. \u201eBesser eine abgehackte Hand, als Wundbrand im ganzen K\u00f6rper\u201c, war eine vielgeh\u00f6rte Devise. Das wirtschaftliche Fiasko des Landes und aller seiner Bewohner r\u00fcckte wieder in den Vordergrund. Siegesgewi\u00df war Djindjic wieder allgegenw\u00e4rtig, im eigenen Land wie in Westeuropa. Vom Krieg redete er nicht mehr, sondern von der Zukunft f\u00fcr Serbien, der Milosevic Schaden zuf\u00fcge. Man ben\u00f6tige Hilfe aus dem Westen, um Serbien nach Europa zu f\u00fchren, das serbische Volk sei jetzt reif daf\u00fcr. Sein offenbar jeder traurigen Realit\u00e4t die Stirn bietende Zweckoptimismus war wieder da. Vor den jugoslawischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Jahr 2000 schmiedete Zoran Djindjic erfolgreich ein neues, gro\u00dfes B\u00fcndnis fast aller Oppositionsgruppen, das sich \u201eDemokratische Opposition Serbiens\u201c (DOS) nannte. Eingedenk der Tatsache, da\u00df er selbst auf-grund seiner ambivalenten Haltung zum Kosovo-Konflikt und seiner bekannten N\u00e4he zum Westen unn\u00f6tig polarisieren k\u00f6nne, besa\u00df er die Gr\u00f6\u00dfe, auf die Spitzenkandidatur zu verzichten und stattdessen dem Chef einer anderen Oppositionspartei, der Demokratischen Partei Serbiens, DSS, Vojislav Kostunica, den Vortritt zu lassen. Als Karriere-Jurist und Professor der Belgrader Universit\u00e4t war Kostunica eine zweifelhafte Erscheinung. 1990 war er zun\u00e4chst zusammen mit Djindjic einer der Gr\u00fcnder der \u201eDemokratischen Partei\u201c DS, bevor sich die beiden im Streit trennten. Damals ging es um die Frage, ob ehemalige kommunistische Funk-tion\u00e4re in der Partei eine Rolle spielen d\u00fcrften. Kostunica bef\u00fcrwortete das, Djindjic war strikt dagegen. Sonst immer sehr diplomatisch, lie\u00df Zoran Djindjic in einer schwachen Stunde einmal in einem Interview heraus, was er von seinem Verb\u00fcndeten und Widersacher hielt: \u201eMit Herrn Kostunica habe ich \u00fcberhaupt keinen Konflikt, denn wir haben \u00fcberhaupt nicht die selbe Wellenl\u00e4nge. Ich versteh ihn nicht, er versteht mich nicht. Und darin sind wir uns blendend einig.\u201c<\/p>\n<p>Die Wahlen im September 2000 wurden zur Revolution. Im Vorfeld zog sein Gegner zun\u00e4chst noch einmal alle Rgister: Wahlf\u00e4lschung, Pressezensur und politischer Mord. Wenige Wochen vor der Wahl traf es Ivan Stambolic, in den 80er Jahren Vorsitzender der Kommunistischen Partei Serbiens und damals gro\u00dfer F\u00f6rderer seines Nachfolgers Milosevic. Stambolic hatte sich bei den Wahlen f\u00fcr einen Sturz Milosevics ausgesprochen. Bei einem Spaziergang nahe seines Hauses im Belgrader Nobelviertel Dedinje verschwand er spurlos. Seine Leiche wurde im M\u00e4rz 2003 in einer Kalkgrube in der N\u00e4he von Novi Sad gefunden. Als M\u00f6rder gelten heute dieselben Leute, die sp\u00e4ter Zoran Djindjic zum Verh\u00e4ngnis wurden. Als m\u00f6gliche Auftraggeberin wird derzeit die Frau von Slobodan Milosevic, Mira Markovic per internationalem Haftbefehl gesucht. Trotz allem errang DOS, das von Djindjic geformte Wahlb\u00fcndnis im September 52% der Stimmen f\u00fcr Kostunica, gegen\u00fcber 35% f\u00fcr Milosevic, der die Wahl nicht anerkannte. Die von ihm kontrollierte Bundeswahlkommission verk\u00fcndete ein Wahlergebnis, das eine Stich-wahl erfordert h\u00e4tte. Darauf ordnete das ebenfalls von Milosevic kontrollierte Jugoslawische Verfassungsgericht eine Wiederholung der Wahl an. Doch dazu kam es nicht mehr. Djindjic und seine Verb\u00fcndeten organisierten erneut Massendemonstrationen, die eine Anerkennung des Wahlergebnisses forderten. Ganz \u00e4hnlich wie einst im Oktober 1989 in der DDR fanden sie immer mehr Zulauf. Und ganz \u00e4hnlich war ein Gro\u00dfteil der B\u00fcttel des einstigen Regimes von einem Tag auf den anderen nicht mehr gewillt, sein Leben f\u00fcr den Diktator zu riskieren. Am 5. Oktober 2000 st\u00fcrzte binnen weniger Stunden das Regime. Demonstranten st\u00fcrmten das Parlament, das staatliche Fernsehgeb\u00e4ude, die Polizeiwachen der Belgrader Innenstadt. Bereits am n\u00e4chsten Morgen waren aus dem einstigen Staatsfernsehen, den noch am Vortag vom Regime kontrollierten Zeitungen und selbst im ehemaligen kommunistischen Zentralorgan \u201eBorba\u201c ganz neue T\u00f6ne zu vernehmen. So wie Ende Oktober 1989 von einem Tag auf den anderen das DDR-Fernsehen verk\u00fcndet hatte, nunmehr \u201eobjektiv\u201c Bericht erstatten zu wollen, schwenkten alle einstige Erf\u00fcllungsgehilfen des Milosevic-Regimes schlagartig auf Oppositionskurs.<\/p>\n<p>Am 7. Oktober wurde DOS-Kandidat Kostunica als jugoslawischer Pr\u00e4sident vereidigt. Im gleichzeitig gew\u00e4hlten jugoslawischen Parlament \u00fcbernahm eine \u00dcbergangsregierung der vormaligen Oppositionsparteien die Macht. Milosevic zog sich zun\u00e4chst unbehelligt in seine Villa im Belgrader Nobelviertel Dedinje zur\u00fcck. Serbien war von einer gro\u00dfen Auf-bruchsstimmung erf\u00fcllt. Zoran Djindjic nutzte das. Am 23. Dezember 2000 organisierte er vorgezogene Wahlen zum Parlament der Serbischen Teilrepublik Jugoslawiens. Diesmal mit ihm als Spitzenkandidat. Die DOS erzielte 64,1 Prozent. Djindjic wurde zum ersten nicht-kommunistischen Premierminister Serbiens seit 1945 ernannt. Durch die faktische Aufl\u00f6sung des gegenstandslos gewordenen Rumpfstaates Jugoslawiens konnte er auch seinen Widersa-cher Kostunica ausschalten, auch wenn er zun\u00e4chst diplomatisch verk\u00fcndete, am Bundesstaat festhalten zu wollen.<\/p>\n<p><strong>Zoran Djindjics Kampf als Premier Serbiens<\/strong><\/p>\n<p>In seiner Antrittsrede beschrieb Djindjic die Lage seines Landes als dramatisch, was zweifellos der Realit\u00e4t entsprach. Serbien sei in jeder Hinsicht das Schlu\u00dflicht der Entwicklung in Europa, grundlegende politische und wirtschaftliche Reformen seien n\u00f6tig. Es war eine \u201eBlut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen\u201d- Rede, mit der er sein Volk psychologisch auf harte Einschnitte vorbereiten wollte. Das bis dahin leidgepr\u00fcfte serbische Volk konnte solche Einstimmung brauchen, denn mit dem Machtwechsel in Belgrad hin zu einer vern\u00fcnftigen Regierung war damals auch das internationale Interesse an der Region schlagartig erloschen. Abgeschrieben waren die vielen Milliarden DM und Dollar, die der Krieg gegen das Milosevic-Regime und die Stationierung von UN- und Nato-Truppen auf dem Balkan verschlungen hatten. Verhandlungspartner f\u00fcr die Djindjic-Regierung waren nun nicht mehr, wie einst unter Milosevic, Pr\u00e4sidenten und Au\u00dfenminister der wichtigsten L\u00e4nder der Erde. Bei einem seiner ersten Staatsbesuche im Westen drang der serbische Premier im M\u00e4rz 2001 in Berlin nur bis ins B\u00fcro der Amtstr\u00e4gerin des \u201eMinisteriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit\u201c Heidema-rie Wieczorek-Zeul (SPD) vor, wo sich ansonsten eher die Botschafter von Dritte-Welt-L\u00e4ndern die Klinke in die Hand geben. Dort wurden ihm Hilfen in H\u00f6he von gerade einmal 100 Millionen DM in Aussicht gestellt. Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der und Au\u00dfenminister Joschka Fischer, letzterer mit Djindjic freundschaftlich verbunden, soweit das in solchen Kreisen m\u00f6glich ist, hatten jedoch ebenfalls Zeit f\u00fcr ihn. Bei anderen einstmals Interessierten im Westen blieb Djindjic noch mehr ein Bittsteller: In Paris, in London, in Washington. \u00dcberall bettelte er um westliche Investitionen f\u00fcr sein Land. \u00dcberall bekam er nur Almosen. \u201eWir sind ein ausgebeutetes, ein armes Land: acht Jahre Isolation, acht Jahre Sanktionen, acht Jahre Kriminalit\u00e4t, Mafia, acht Jahre Auspl\u00fcnderung von einer Interessengruppe an der Regierung und ohne Geldreserven und \u00fcberhaupt ohne Reserven f\u00fcr eine Entwicklung. Wir sind bereit, uns den strengen Bedingungen f\u00fcr demokratische Prozeduren zu stellen. Aber wir hoffen, da\u00df wir wirtschaftliche Hilfe bekommen &#8211; wenigstens f\u00fcr die erste Phase.\u201c- so Djindjic. Die \u201eacht Jahre\u201c bezogen sich auf die Zeit zwischen dem Beginn des Bosnien-Kriegs 1992 und der Re-volution im Jahr 2000. Einen Bezug auf die Zeit des Tito-Kommunismus bis 1980 oder des Niedergangs desselben bis 1990 vermied er, weil er, im Gegensatz zu seiner Position als Op-positioneller 1990, hoffte, m\u00f6glichst viele \u201egel\u00e4uterte\u201c Parteig\u00e4nger der Kommunisten oder Milosevics f\u00fcr sich zu gewinnen. Pragmatische Machtpolitik, wie sie ihn immer auszeichnete und oft gleichzeitig diskreditierte.<\/p>\n<p>Innenpolitisch versuchte Premier Djindjic, die wesentlichen Parteig\u00e4nger des Milosevic-Regimes mit einer harten Personalpolitik schnell zu entmachten, was ihm nur zum Teil gelang. Die F\u00fchrungsleute bei den Geheimdiensten, im Innenministerium, im Bereich der Justiz waren schnell ausgewechselt. Doch die mittleren Kader blieben und mit ihnen blieb die Korruption, die Grauzone zwischen organisiertem Verbrechen und Sicherheitsapparat. In einer v\u00f6llig ruinierten Gesellschaft, nach Kommunismus, Hyperinflation und Krieg, die faktisch die gesamte Inlandsproduktion mit Ausnahme von Ackerbau und Viehzucht zerst\u00f6rten und alle Arbeitnehmer und einen Gro\u00dfteil der Unternehmer des Landes an den Bettelstab gebracht haben, n\u00e4hrt sich der ehrenwerte Teil des serbisches Volkes bis heute noch von genau zwei Einnahmequellen: den Millionen flei\u00dfiger serbischer Gastarbeiter im Rest der Welt, die ihr Geld zu ihren Familien nach Hause \u00fcberweisen und den um das eigene \u00dcberleben k\u00e4mpfenden \u201eAmeisen-H\u00e4ndlern\u201c, die in billigen, \u00fcberf\u00fcllten und nach Zigarettenrauch und Schnaps stinkenden \u00dcberlandbussen nachts massenhaft nach Budapest, Szeged, Athen, Bukarest, Graz, Wien, Bratislava oder M\u00fcnchen reisen, um dort g\u00fcnstig wechselnde Waren aus \u00fcberwiegend dunklen Quellen zu erwerben, die f\u00fcr das Gastarbeiter-Geld in Serbien teurer absetzbar sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Analyse der Weltbank vom Juni 2001, die Serbien wie einen afrikanischen Problemfall behandelte, kam zu dem Ergebnis, da\u00df das Land bei einer Auslandsverschuldung von 14 Milliarden US-Dollar in den n\u00e4chsten vier Jahren mindestens 4 Milliarden US-Dollar an Auslandshilfe ben\u00f6tige. Der IWF genehmigte daraufhin 249 Millionen US-Dollar \u201eBeistandskredit\u201c. Ein Rahmenabkommen mit der Europ\u00e4ischen Union sicherte bis zum Jahr 2006 weitere 2,5 Milliarden US-Dollar zu. Angesichts der Gelder, die der Balkan-Konflikt bis heute ansonsten verschlingt, eine l\u00e4cherliche Summe. Allein die Friedenseins\u00e4tze in Bosnien und im Kosovo, die zweifellos der dortigen Bev\u00f6lkerung ein Leben unter berechenbaren Verh\u00e4ltnissen erm\u00f6glichen, kosten der Weltgemeinschaft etwa je 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der Bombenkrieg von Ende M\u00e4rz 1999 bis zum 10. Juni 1999 d\u00fcrfte weitere etwa 20 Milliarden Dollar verschlungen haben und die bis zu einer Million B\u00fcrgerkriegsfl\u00fcchtlinge, die sich zwischen 1991 und bis etwa zum Jahr 2000 in Deutschland aufgehalten hatten, belasteten allein den deutschen Steuerzahler mit sch\u00e4tzungsweise mehr als 50 Milliarden DM \u2013 gerechnet 500 Mark pro Person und Monat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Djindjic- Ein M\u00e4rtyrer?<\/h4>\n<p>Wie Zoran Djindjic trotz des massiven Einflusses rein krimineller und damit verwobe-ner politkrimineller Kreisen seines serbischen Heimatlandes so lange politisch erfolgreich und vor allem am Leben bleiben konnte, scheint ein R\u00e4tsel zu sein. Was ihm letztlich fehlte und zu seiner Ermordung f\u00fchrte, ihn aber auch gerade deswegen zu einem Mythos macht, ist, da\u00df er sich davor scheute, mit diesen Kriminellen in ihrer eigenen Sprache abzurechnen. In einem schwierigen Umfeld war es ihm nicht m\u00f6glich, immer die \u201ereine Lehre\u201c von Rechtsstaat, Demokratie und Pluralismus zu vertreten. Aber er hat sich immer \u2013 aus rein ethischen Moti-ven heraus \u2013 darum bem\u00fcht. Seine Sch\u00fcler und Nachfolger haben am Tag nach seiner Ermor-dung am 12. M\u00e4rz 2003 den unbefristeten Ausnahmezustand \u00fcber Serbien ausgerufen, der bis zum 23. April anhielt. Seitdem wurden mehr als 8000 Personen in Serbien verhaftet, ohne da\u00df sie Kontakt zu einem Rechtsbeistand oder zu Angeh\u00f6rigen haben zu d\u00fcrfen, was wiederum Menschenrechtsorganisationen auf den Plan rief. Etwa 2000 Personen befinden sich noch in Gewahrsam. Die mutma\u00dflichen Attent\u00e4ter, Angeh\u00f6rige der ehemaligen Sicherheitsorgane des Milosevic-Regimes, wurden festgenommen, zwei weitere bei ihrer Festnahme erschossen. Gegen Mira Markovic, die Frau Milosevics, ist internationaler Haftbefehl erlassen worden und es laufen Ermittlungen gegen enge Vertraute des Jugoslawischen Ex-Pr\u00e4sidenten. Tage des Zorns scheinen \u00fcber Serbien hereingebrochen zu sein und Zoran Djindjics Vertraute sind die Vollstrecker. Djindjic selbst h\u00e4tte an ihrer Stelle wahrscheinlich nicht anders gehandelt und die Situation pragmatisch ausgenutzt, um seine Ideen voranzubringen. Als er am 28. Juni 2001 Slobodan Milosevic an das internationale Kriegsverbrechertribunal auslieferte, und sich damit im eigenen Land viel Feindschaft einhandelte, argumentierte er mit der einst von dem einstigen serbische KP-Chef Milosevic geschaffenen serbischen Verfassung: In einem von Milosevic selbst erlassenen Paragraphen hei\u00dft es, da\u00df jugoslawisches Bundesrecht, laut dem die Auslieferung jugoslawischer Staatsb\u00fcrger an das Ausland untersagt ist, au\u00dfer Kraft gesetzt werden kann, wenn es der Allgemeinheit dient. Djindjic argumentierte, er habe mit der Aus-lieferung des mutma\u00dflichen Kriegsverbrechers Serbien vor finanziellen Sanktionen der inter-nationalen Staatengemeinschaft bewahrt.<\/p>\n<p>Zoran Djindjic hat trotz der ihn umgebenden feindlichen Atmosph\u00e4re immer sehr viel Wert auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gelegt, zuletzt auf Kosten seines eigenen Lebens. Sein Beispiel zeigt, wie pragmatische Politik zugunsten einer Entwicklung hin zu einer pluralistischen Demokratie selbst unter den ung\u00fcnstigen Voraussetzungen der postkommu-nistischen Gesellschaften Osteuropas aussehen kann. Ob seine politischen Erben dieses Ver-m\u00e4chtnis erf\u00fcllen k\u00f6nnen, wird die Zukunft zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSerbien war die Bastion, die die europ\u00e4ische Kultur, Religion und die europ\u00e4ische Gesellschaft insgesamt verteidigt hat. 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