Mein Interview mit dem Enkel des letzten Kaisers von Österreich-Ungarn und heutigen Präsidenten der Paneuropa-Union Österreich, Karl von Habsburg erschien in SUPERillu 32/2016. Wir trafen uns im Wiener Büro der Paneuropa-Union. Nach einem Kaffee zusammen mit seinem Büroleiter Rainhard Kloucek beschlossen wir, unser Gespräch bei einem Spaziergang durch Wien fortzusetzen, was Karl Habsburg zu einer interessanten Stadtführung nutzte, für die ich ihm dankbar bin. Am Ende sprachen wir an historischer Stelle, am Sarkophag von Kaiser Franz Joseph I. in der Wiener Kapuzinergruft. Sein hier beigesetzter Ur-Ur-Großonkel Franz Joseph I. , Herrscher über „k.u.k.“ Österreich-Ungarn, im Europa der Jahrhundertwende neben dem Deutschen Reich und dem russischen Zarenreich größten Macht auf dem europäischen Kontinent, mag viele Jahrzehnte einen pragmatischen und neben natürlich auch selbsterhaltenden Ausgleich zwischen den vielen Völkern Zentraleuropas gesucht haben, die er beherrschte. Er war aber als Greis, immer noch an der Macht, 1914, für den Ausbruch des sinnlosen europäischen Weltkriegs von 1914-18 , der unseren Kontinent ins Chaos stürzte, maßgeblich mitverantwortlich, als einer der „Schlafwandler“, wie Florian Illies es treffend ausdrückte. Der Enkel von Franz Josephs Nachfolger, dessen Großneffen Kaiser Karl. I, des 1918 gestürzten letzten Kaisers, diskutierte mit mir dort in Jeans über die Lehren aus dieser Urkatastrophe Europas im 20. Jahrhundert für die Welt von heute.
Foto: Uwe Tölle, SUPERillu.
Als sein Großvater Karl I. 1916 den Thron bestieg, waren die heutigen Länder Österreich, Ungarn, Kroatien, Slowenien, die Slowakei und Tschechien noch ein Land, k. u. k. Österreich-Ungarn, zu dem auch noch Teile des heutigen Polens, der Ukraine und Rumäniens gehörten. Der Enkel des letzten Kaisers und Königs von Österreich-Ungarn, Karl von Habsburg, 55, ist Medienunternehmer, betreibt einige Radiosender in Mittel- und Osteuropa, ist daneben auch humanitär und politisch engagiert – unter anderem in der Paneuropa-Union. Diese wurde 1922 gegründet und hat sich auf die Fahnen geschrieben, das völkerverbindende Erbe der einstigen Länder von Österreich-Ungarn zu erhalten. SUPERillu-Politikchef Gerald Praschl sprach mit ihm über die Krise Europas.
Herr von Habsburg, ist die EU am Ende? Wie groß ist die Gefahr, dass die Europäische Union zerbricht?
Ich hoffe, dass die politischen Akteure in dieser Krise klüger und besonnener agieren als das 1914 der Fall war. Die Katastrophe von 1914 sollte Europa für immer eine Warnung sein. Wenn man sich die Volksabstimmung zum Brexit ansieht, kann man zweifeln, ob diese Botschaft wirklich angekommen ist. Bei der Stimmabgabe spielte für viele Wähler das Thema der Abstimmung doch oft gar keine Rolle, da ging es um Gefühle statt um Fakten.
Karl von Habsburg: „Die Katastrophe von 1914 sollte Europa für immer eine Warnung sein“ weiterlesen